03.07.2026 / Wort zum Tag

Befreit durch Jesus

Jesus sprach zu dem Tauben: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.

Markus 7,34–35

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Heute möchte ich Ihnen von einer befreienden Erfahrung berichten. Eine Befreiung, die eine neue Lebensperspektive öffnete, die man sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Und das hat mit Jesus von Nazareth zu tun.

Jesus war schon ein besonderer Mensch. Er wurde von seinen Freunden „Christus“ genannt, der von Gott besonders Berufene. Und so hat er sich auch selbst verstanden. Mal kurz angemerkt: ich finde es manchmal befremdlich, wie oft vom „Christlichen“ geredet wird, „christlicher Glaube, christliches Abendland, christliches Verhalten“, aber irgendwie taucht Jesus gar nicht mehr dabei auf. Er scheint vielen fremd zu sein, unbekannt, obwohl er dem Ganzen, dem Christentum, den Namen gegeben hat. Weihnachten ist zwar noch weit weg, aber ich habe den Eindruck, wir feiern diesen Geburtstag Jesu zunehmend ohne das Geburtstagskind. Kein Wunder, wenn dann wirklich Erfahrungen mit ihm fehlen, in dem Gott uns menschlich begegnet. Statt irgendwie fester oder weniger stark an „etwas“ zu glauben, lade ich Sie ein, mehr darauf schauen, wie ER, Jesus, Menschen begegnet.

Davon berichtet die Bibel im Neuen Testament. Diese Begegnungen finden an unterschiedlichen Orten mit ganz unterschiedlichen Menschen statt. Jesus ist viel unterwegs. Er trifft auf Leute in ihrem Alltag, wo das schöne und manchmal auch das ungeschönte Leben stattfindet. Einmal bringen Leute einen Menschen zu Jesus, der viele Einschränkungen hatte. Er konnte weder hören noch kaum sprechen. Damit war seine Teilhabe am Leben stark eingeschränkt. Aber er hatte Menschen um sich, denen er nicht egal war. Sie bringen ihn zu Jesus und bitten: Lege doch unserem Bekannten die Hand auf. Sie wagen Vertrauen und Hoffnung. Was macht Jesus? Menschliche Not verdient kein Spektakel. Er führt den zu ihm Gebrachten etwas abseits und wendet sich ihm zu, berührt ihn und spricht ihn an. Und das Wunder geschieht. Es heißt: „…sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst und er redete richtig.“ Eine Demonstration seiner, Jesu, Fähigkeiten? Eher seiner Liebe, die den Kranken nicht zum Objekt seines Handelns macht. So bittet Jesus die, die diese Befreiung miterlebt haben, daraus kein Kapital zu schlagen. Es geht Jesus um den Menschen, nicht um spektakuläre Erfahrungen.

Wer in die Nähe Jesu kommt oder gebracht wird, sei es durch Freunde, durch die Teilnahme an einem Gottesdienst, durch das Lesen in der Bibel, kann solche Erfahrungen machen. Ich habe das in meinem Leben immer wieder einmal erfahren, dass Jesus mich anspricht, innerlich berührt und das sich daraus für mich neue Perspektiven ergeben haben, die ich mir vorher überhaupt nicht vorstellen konnte. Gut, dass ich Menschen hatte, die mich als Jugendlichen in die Nähe Jesu gebracht haben. Das hat mir befreiende Perspektiven gegeben, die ich gerne teile, auch mit Ihnen. Und dann lassen sie uns solche Freunde sein, die das auch anderen ermöglichen.

Autor/-in: Pfarrer Hans-Georg Filker