29.05.2026 / Wort zum Tag

Aussorgen – wie geht das?

Der reiche Mensch sprach: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre: habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereite

Lukas 12,19–20

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Haben Sie schon ausgesorgt für den Rest Ihres Lebens? Haben Sie Ihr Dasein so organisiert, dass Sie sich keine Sorgen mehr zu machen brauchen und das Leben einfach nur noch genießen können?

Jesus erzählt uns von einem Mann, der meinte, er hätte das geschafft. Einem reichen Bauern. Der sieht: Die Ernte von meinen Äckern wird in diesem Jahr sehr gut ausfallen. Ich habe gar nicht genug Platz in meinen Scheunen, um den riesigen Ertrag darin zu lagern. Was soll ich tun? Ich werde meine jetzigen Scheunen abreißen und größere bauen. Darin kann ich dann die Getreidemengen lagern und alles, was mir gehört. Und welche Absicht er mit diesem Plan verbindet, steht in der Fortsetzung der Geschichte – die ist gleichzeitig der Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine für heute: Der reiche Mensch sprach: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Und wem wird dann gehören, was du bereitet hast?“ Lukas 12, Verse 19 und 20.
 

Jesus stellt uns den reichen Mann als abschreckendes Beispiel vor Augen. Wir sollen nicht so leben wie er. Aber was genau hat er falsch gemacht?

Ich kann seinen Wunsch nach einem sorglosen Leben gut nachvollziehen. Und ich vermute: Viele von Ihnen, die heute zuhören, werden sich das auch wünschen: ausgesorgt zu haben; das Leben materiell so abzusichern, dass Sie sich keine Sorgen mehr um das Auskommen zu machen brauchen. Das verleiht mir doch ein gutes, beruhigendes Gefühl, nicht wahr?

Jesus erzählt: Gott zerschießt dem Mann seine Sorglos-Strategie. Einfach durch die Ankündigung: Heute Nacht wirst du sterben. Und wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? Eine Frage, deren Antwort klar ist: „Wer auch immer es bekommt – du jedenfalls nicht. Du verlierst das alles mit deinem Tod.“

Gott macht dem Mann klar: So sehr du dich auch mühst auszusorgen, die Sorgen hinter dir zu lassen – du kannst die große Unsicherheit deines Lebens nicht beseitigen. Deine Strategie zerschellt am unerwarteten Tod.

Was sollen wir denn besser machen als dieser Mensch, Jesus? Gibt es eine Lebensstrategie, die dem Vergehen des Lebens trotzt? Ja, es gibt sie. Und zu ihr gehört es, über sich selbst hinauszuschauen. Der Mann in der Beispielerzählung kreist um sich selbst. Er spricht nur mit sich selbst: „Was soll ich tun? … Das will ich tun! … und will sagen zu meiner Seele …“ Seine Sorglos-Strategie hat nur mit ihm selbst zu tun und mit seinem Besitz. Davon erhofft er sich alles. Seine Mitmenschen kommen in seinen Überlegungen nicht vor. Menschen, mit denen er den Genuss seiner Güter teilen könnte - das würde sein Leben in einem tieferen Sinne reicher machen. Und auch Gott kommt in seinem Selbstgespräch nicht vor.

Aber wie man die Rechnung nicht ohne den Wirt machen sollte, sollte man seine Lebensstrategie nicht ohne den Schöpfer machen. Er hält in seinen Händen doch das Leben, das ich absichern und sorglos machen will. Gott nimmt mir die Sorgen nicht dadurch, dass er mich wissen lässt, was alles in der Zukunft auf mich zukommt. Sein Angebot, wie ich „aus-sorgen“ - die Sorgen loslassen - kann, ist anders: Werft die Sorgen auf mich; ich sorge für euch[1]. Bergt euch mit euren Sorgen in meinen Händen. Wer mir vertraut, wird in Ewigkeit bei mir geborgen sein.

 

[1] Vgl. 1 Petr 5,7: „Alle eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.“

Autor/-in: Pastor Martin Knapmeyer