08.04.2021 / Anstoß - Gedanken zum Tag
Aufgedeckt
Kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft geben müssen.
Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!
In der Bibel steht ein Satz, der für mich ziemlich beunruhigend klingt. Im Hebräerbrief heißt es:
„Kein Geschöpf ist vor ihm (Gott) verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft abgeben müssen“, Hebräer 4,13.
Nichts ist verborgen. Alles wird aufgedeckt. Ich muss Rechenschaft ablegen. Das klingt reichlich unerfreulich. Ich fühle mich an ein öffentliches Tribunal oder einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss erinnert.
In der Bibel begegnet mir eine Vorstellung, die heute schon mal in den Hintergrund gerät: Es ist der Gedanke, dass ich nicht nur verantwortlich für mein Denken und Handeln bin, sondern dafür einmal Rechenschaft ablegen muss.
Der Schreiber des Hebräerbriefs erinnert daran. Er tut das unmittelbar bevor er auf Jesus zu sprechen kommt, der dem Hohenpriester gleich vor Gott für das Volk einsteht.
Damals herrschte die Vorstellung, dass der Hohepriester stellvertretend für alle die Schuld bekannte, das Sühneopfer darbrachte und so das Volk mit Gott versöhnt wurde. Damit wurde das bereinigt, was zwischen den Menschen und Gott stand.
Jesus Christus hat diese hohepriesterliche Aufgabe übernommen. Wenn ich für mich in Anspruch nehme, was er am Kreuz vollbracht hat, ist all das, wofür ich mich in meinem Leben verantworten muss, vor Gott ins Reine gebracht.
Dann kann ich ruhigen Gewissens dem Tag entgegengehen, an dem alles aufgedeckt und Rechenschaft gefordert wird. Warum? Weil Jesus alles für mich in Ordnung gebracht hat.