24.03.2025 / Anstoß - Gedanken zum Tag

Auf eigenen Füßen

Und es begab sich eines Tages, als er lehrte, dass auch Pharisäer und Lehrer des Gesetzes dasaßen, die gekommen waren aus allen Dörfern in Galiläa und Judäa und aus Jerusalem. Und die Kraft des Herrn war mit ihm, dass er heilen konnte. Und siehe, einige Männer brachten einen Menschen auf einem Bett; der war gelähmt. Und sie versuchten, ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen. Und weil sie wegen der Menge keinen Zugang fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinunter mit dem Bett mitten unter sie vor Jesus.[...]

Lukas 5,17-26

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Das würde sich heute über die sozialen Netzwerke sicher in Windeseile verbreiten, was das Lukasevangelium im 5. Kapitel erzählt: Ein paar Kumpels decken ein Dach ab, hauen ein Loch in die Decke, damit sie ihren gelähmten Freund direkt zu Jesus abseilen können. Alle Achtung! Neben diesem Drama mit vielen Beteiligten, den Helfern, den religiösen Kritikern, sehe ich, wie Jesus einen einzelnen Menschen rettet und befreit. Er sieht mehr als gelähmte Beine. Weil er tiefer schaut. Er spürt die verkrümmte Seele, unselbstständig, depressiv vielleicht.

Dieser traurigen Seele hilft Jesus als erstes und sagt dem Gelähmten: Ich befreie dich jetzt, in diesem Moment, von allem, was dich innerlich festhält. Ich binde dich an mich, damit du frei bist. Und dann folgt: Steh auf, nimm deine Trage und geh nach Hause. Damit nimmt das Wunder seinen weiteren Lauf: Endlich kommt der Mann auf die eigenen Füße. Er braucht seine Helfer nicht mehr, kann frei seinen Weg wählen, der ihn nach Hause führt mit jedem Schritt. Das ist für mich das eigentlich Besondere an dieser Geschichte, die manchmal auch meine ist. Ich wünsche mir, dass Gottes Wunderkraft auch immer wieder in meine gelähmten Füße und Gedanken sickert, damit ich nicht erstarrt sitzen bleiben. Jesus kann und soll mir sanft aber bestimmt Beine machen, die eigenen nämlich.  

Autor/-in: Ute Heuser-Ludwig