28.05.2026 / Wort zum Tag

Auf die Auferweckung hoffen – durch Christus

Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

1. Korinther 15.2

Ihr Browser unterstützt HTML5 Audio nicht!

Bei einer Umfrage 2023 in Deutschland fragte man Menschen: „Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?“ 43 % antworteten: „Wahrscheinlich nicht“ oder „Auf keinen Fall“. 41 % sagten: „Auf jeden Fall“ oder „Wahrscheinlich schon.“[1] Die übrigen gaben keine Antwort oder sagten: „Weiß nicht“. Fast die Hälfte derer, die auf die Frage eine Antwort gaben, konnten also mit einer Ewigkeitshoffnung etwas anfangen.

Interessant wäre es zu erfahren: „Warum glauben Menschen, dass es nach dem Tod weitergeht? Wie begründet sich die Hoffnung von Menschen auf Weiterleben nach dem Tod?“ Das geht aber aus den Umfrage-Ergebnissen nicht hervor. Schade.

Ich vermute: Viele meinen: „Es gibt etwas im Menschen, was der Tod nicht zerstören kann.“ Dass der Körper vergeht, ist unbestreitbar – und es wird heute ja bei der Mehrheit der Gestorbenen durch Einäscherung bewusst herbeigeführt. Aber gibt es nicht einen unzerstörbaren Kern im Menschen – oft „Seele“ genannt -, der diese Zerstörung überdauert? Dann würde jeder Mensch automatisch vom Leben in dieser Welt zum ewigen Leben übergehen. Was mit Zeugung und Geburt begonnen hat, würde nach dem Tod weitergehen.

„Christus ist auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.“ Das ist der Lehrtext der Brüdergemeine für heute aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Vers 20. Paulus bringt in diesem Satz auf den Punkt, was Christen angesichts des Todes hoffen, und welchen Grund diese Hoffnung hat.

Zweierlei finde ich wichtig an Paulus´ Aussage:

Erstens schreibt er nicht von einem „Weiterleben nach dem Tod“, sondern von einer Auferweckung. Das ist ein jüdischer Ausdruck – er setzt voraus: In uns Menschen ist nichts, was ewig währt und den Tod überdauert. Darum geht es nach dem Tod auch nicht automatisch weiter. Der Tod ist unser Ende, das müssen wir ernst nehmen. Es muss schon ein anderer her, um einen Neuanfang mit uns zu starten, uns vom Tod aufzuerwecken – einer, der stärker ist als wir und stärker als der Tod. Das kann nur Gott selbst sein, der Schöpfer allen Lebens.

Der zweite Punkt: Die Hoffnung auf Auferweckung hat ihren Grund im ersten Auferweckten – das ist Christus. Er ist am Karfreitag gestorben – einen grausamen, schmerzhaften Tod. Aber Gott hat ihn zu Ostern von den Toten auferweckt. Als Ersten überhaupt, dem er ein neues Leben bei sich in der Ewigkeit schenkt. „Erstling unter denen, die entschlafen sind“, nennt Paulus ihn deshalb. Christus ist wie der Auftakt eines wunderbaren neuen Musikstückes, das Gott komponiert hat und zur Aufführung bringt. Auf die eine Note des Auftaktes vom Ostermorgen folgen viele andere Noten, die sich zu einer gewaltigen Ewigkeits-Symphonie aufbauen werden. „Erstling“ ist Christus, weil andere ihm folgen werden – die ihm vertrauen, die sich von ihm die Lebensmelodie vorgeben lassen und in sie einstimmen. Die zieht Jesus mit sich vom Tod ins ewige Leben bei Gott.

Das ist es, wozu Gott uns im Angesicht des Todes einlädt: dass wir uns nicht verlassen auf die eigene vergängliche Lebenskraft, sondern auf ihn vertrauen, der uns vom Tod auferwecken kann. Dass wir uns an Christus hängen, den Ersten, der uns schon vorausgegangen ist ins ewige Leben.


[1] Umfrage im Jahr 2023 des Meinungsforschungsinstituts Yougov für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) zum "Totenmonat" November; https://katholisch.de/artikel/48172-umfrage-leben-nach-dem-tod-juengere-glauben-mehr-daran-als-aeltere

Autor/-in: Pastor Martin Knapmeyer