27.02.2024 / Bibel heute

Ankündigung der zehnten Plage: Tötung der Erstgeburt

Und der HERR sprach zu Mose: Eine Plage noch will ich über den Pharao und Ägypten kommen lassen. Dann wird er euch von hier wegziehen lassen, und nicht nur das, sondern er wird euch von hier sogar vertreiben. So sage nun zu dem Volk, dass ein jeder sich von seinem Nachbarn und eine jede von ihrer Nachbarin silberne und goldene Gefäße geben lasse. Und der HERR verschaffte dem Volk Gunst bei den Ägyptern, und der Mann Mose war sehr angesehen in Ägyptenland vor den Großen des Pharao und vor dem Volk.[...]

2. Mose 11,1–10

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Zum zehnten Mal geht Mose zum Pharao. Zum zehnten Mal nimmt er seinen Mut zusammen. Es war bereits so viel Schreckliches geschehen. Die Israeliten durften Ägypten immer noch nicht verlassen. Ihre Knechtschaft war noch nicht beendet. Gott hatte ihnen versprochen: Ihr werdet bald frei sein. Ihr werdet bald aufbrechen. Ihr werdet bald zu Hause sein. Dieses Zuhause kannte keiner der Israeliten, denn sie lebten seit Jahrhunderten in der ägyptischen Fremde. Keiner konnte sich mehr an die Zeit erinnern, als Josef der zweite Mann nach dem Pharao in Ägypten war. Damals ging es ihnen gut. Doch in den letzten Jahrzehnten wurde ihr Leben als Sklavinnen und Sklaven der Ägypter immer schlimmer. Auch wenn vieles verschüttet war: Sie erinnerten sich an ihren Gott Jahwe. Sie kannten die Verheißung. Gott würde sie herausführen aus der Unterdrückung. Gott würde sie in das Land führen, das er Abraham, Isaak und Jakob versprochen hatte.

Der Pharao bleibt unbeugsam

Bevor es so weit war, gab es einen harten Kampf zwischen dem Pharao mit all den ägyptischen Göttern und dem einen Gott Israels. Der wortkarge Mose und sein wortgewandter Bruder Aaron kündigten dem Pharao zehn Plagen an. Alle sind über Ägypten dann auch hereingebrochen. Die herausgeforderten ägyptischen Götter konnten die schlimmen Seuchen und Naturkatastrophen nicht verhindern. Der Pharao wirkt bei alledem wenig beeindruckt. Zwischendurch bittet er Mose, zu ihrem Gott zu beten, damit das Elend aufhört. Doch letztlich bleibt der Pharao dabei: Die Israeliten dürfen das Land nicht verlassen, müssen weiter als Sklaven hart arbeiten und leiden. Die ersten neun Plagen betrafen zuerst das Volk und nicht den Herrscher selbst. Doch bei der zehnten Plage sollte sich das ändern.

Mose genoss am Hof des Pharaos Ansehen. Er war ja als Baby von der Tochter des Pharaos im Schilf gefunden worden. Er wurde am Hof erzogen, auch wenn das lange her war. Das wusste der jetzige Pharao. Deswegen akzeptierte er Mose als Fürsprecher der Hebräer. Nun kam dieser Mose das zehnte Mal zu ihm. Er kündigte die letzte der zehn Plagen an. In der folgenden Nacht würde Gott selbst durch ganz Ägypten ziehen, von Haus zu Haus. Jeder Erstgeborene vom ältesten Sohn des Pharaos bis zum Erstgeborenen der einfachen Magd werden alle umgebracht. Nur die Israeliten würden verschont werden. Das Tötungsgebot erstreckte sich sogar auch auf die Tiere der Ägypter. Wenn das alles geschehen sein wird, werden die Hofbeamten vor Mose niederknien und das Volk ziehen lassen. Das alles hatte Gott Mose aufgetragen, dem Pharao vorzutragen. Mose gehorchte Gott und hatte sich so in Rage geredet. Glühend vor Zorn verließ er den Pharao. Wahrscheinlich war seine Geduld mittlerweile am Ende.

Blind für die Wahrheit

Vor diesem letzten Besuch am Hof des Pharao hatte Mose zu den Israeliten gesprochen. Sie sollten ihre Nachbarn um Schmuck und Wertgegenstände fragen. Das Volk Israel sollte nicht mittellos den langen Weg in die Heimat antreten. Der Pharao blieb wieder einmal von alledem unbeeindruckt. Auch aus dieser Ankündigung der Plage wird die Vollstreckung der Strafe. Bei jeder angedrohten Plage hätte es die Möglichkeit gegeben, von ihr verschont zu bleiben. Dazu hätte der Pharao einlenken müssen. Der Pharao – selbst ein ägyptischer Gott – hätte anerkennen müssen, dass der eine Gott, der Gott Jahwe, der wahre Gott ist und sonst kein Gott. Selbst an den Rand der Verzweiflung gedrängt, selbst in der Erkenntnis, dass die ägyptischen Götter keine Macht haben, bleibt der Pharao blind für die Wahrheit. Zehnmal lässt er sich herausfordern. Zehnmal verliert er. Zehnmal sieht er nicht, was seine Schuld ist. Er kann und will sich nicht dem einen Gott unterwerfen. So erfährt sein Volk und letztlich auch er selbst großes Leid. Das Leid, das er den Israeliten zugefügt hatte, kommt nun wie ein Bumerang zu ihm zurück. Doch er ändert weder seinen Glauben, noch sein Denken noch sein Handeln. Er stirbt am Ende und mit ihm seine gesamte Streitmacht.

Angriffe auf das jüdische Volk

Ein Pharao hatte vor Jahrzehnten befohlen, dass jegliche Erstgeburt der Israeliten getötet werden soll. Die hebräischen männlichen Neugeborenen sollten in den Nil geworfen werden. Es wird erzählt, dass sich die israelitischen Hebammen dem Befehl des Pharaos widersetzten und Mose und andere Jungs am Leben blieben. Nur durch große Bewahrung wurde Mose damals wahrscheinlich einer der wenigen überlebenden Erstgeborenen.
 

Vielleicht kennen Sie die Geschichte vom kleinen Kind im Schilfkörbchen? Sowohl bei den Israeliten als auch bei den Ägyptern war der erstgeborene Sohn der Haupterbe. Er führte den elterlichen Betrieb weiter. Auf ihm lag der Segen. Diesen Hoffnungsträger durch frühen Tod zu verlieren, ist schon eine Tragödie für die Familie. Die gezielte Auslöschung der Erben ist ein Verbrechen!

In der Geschichte kennen wir nicht wenige Beispiele für Genozide. Im Holocaust wurde dem Volk Israel wieder einmal das Schlimmste angetan. Es sollte vernichtet werden. Doch Gott lässt sich sein auserwähltes Volk nicht gänzlich entreißen. Es existiert immer noch. Seit 1948 gibt es den Staat Israel wieder. Israel ist seitdem ständig sehr bedroht und verletzlich, immer wieder furchtbaren Anschlägen und Kriegen ausgesetzt. Hoffnung schöpft Israel immer wieder aus der Geschichte. Es erinnert sich, wie es vor Tausenden von Jahren aus Ägypten befreit wurde.

Hoffnung durch Jesus

Als Christin weiß ich, dass Gott auch erleben musste, dass sein einziger Sohn getötet wurde. Dieser Sohn kam zum Segen in die Welt. Auf ihm ruhten alle Hoffnungen. Der Messias sollte das Reich Gottes auf Erden aufrichten. In Jesus Christus ist Gottes Sohn auf diese Welt gekommen. Mit ihm ist das Reich Gottes angebrochen und mitten unter uns. Wir Christen und Christinnen wissen, dass Jesus einmal wiederkommen wird, um sein Werk zu vollenden. Wir werden sein wie die Träumenden, die noch nicht fassen, was sie sehen. Wir werden lachen und fröhlich sein, wenn wir vor Jesus stehen.

Autor/-in: Dr. Gabriele Bosch