07.05.2026 / Bibel heute
Ähnlichkeiten
Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der da heiligt und die da geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder und Schwestern zu nennen, und spricht: »Ich will deinen Namen verkündigen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen.« Und wiederum: »Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen«; und wiederum: »Siehe da, ich und die Kinder, die mir Gott gegeben hat.«[...]
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Die Bibel – ein Buch aus einer anderen Welt
Neulich hörte ich einen Satz eines Theologen: „Die Bibel ist zwar für dich, aber sie ist nicht zu dir geschrieben.“
Sie ist in Sprachen geschrieben, welche über Ausdrucksformen durch die jeweilige Grammatik verfügen, die wir nicht eins zu eins in unsere Sprache übersetzen können. Zudem spricht die Bibel eine Gedankenwelt, ein Mindset eines Volkes an, welches wir heute nicht mehr ohne Weiteres verstehen. Ein Bsp.: Jemand sagt: „Ich fahre demnächst in den „Big Apple“.“ Viele heute wissen, dass damit die Stadt New York gemeint ist. Kennt man diesen Ausdruck aber auch noch in 500 Jahren?
So ist es auch mit der Haltung und Denkweise des Volkes Israel, der Juden zur Zeit Jesu. Wenn ich also verstehen will, was der Autor sagen möchte, ist es unerlässlich, mich mit der Denkweise und dem Weltbild der damaligen Zeit zu beschäftigen. Hier hat ein amerikanischer Theologe, Dr. Michael Heiser in seinem Buch „The unseen realm“, das unsichtbare Reich aus meiner Sicht gute Grundlagen gelegt.
Schöpfung, Sündenfall und die unsichtbare Welt
Nach Heiser ist der Garten Eden im Schöpfungsbericht ein realer Ort. Der Garten Eden ist aber auch ein Bild für einen Ort, an dem Gott ist. Es ist warm, ausreichend Nahrung, Wasser, etc. sind vorhanden. Hier ist das Leben in Fülle. In altertümlichen Kulturen sind Gärten, aber auch Berge der Aufenthaltsort Gottes oder der Götter. Gleichzeitig leben aber auch Menschen im Garten Eden. Heiser beschreibt eine Dimension, in der sich die geistliche Sphäre, der Ort an dem Gott lebt und die uns bekannte Welt überschneiden. Beide haben Zugang zueinander. Durch den Sündenfall, dem Ungehorsam der Menschen Gott gegenüber, werden diese Sphären voneinander getrennt. Der Mensch hat keinen direkten Zugang mehr zu Gott und damit zum Leben mit ihm.
Zudem erschuf, nach Heiser, Gott vor den Menschen Geistwesen. Sie werden in der Bibel oft als Engel bezeichnet, aber auch als Götter – hebräisch „elohim“. Gott selbst sucht sich ein eigenes Volk. Angefangen bei Abraham, aus dem das Volk Israel entsteht. Diese Engelwesen, die zu Göttern werden, missbrauchen allerdings ihre Macht und wollen selbst angebetet werden. Sie regieren nicht im Sinne Gottes, sondern behandeln Menschen ungerecht. Sie lassen sich nichts sagen. Diesen Machtmissbrauch verspricht Gott zu richten. Nachzulesen im Psalm 82.
Gott verspricht aber auch die Beziehung zwischen ihm und den Menschen wiederherzustellen, so dass wieder eine reale Begegnung zwischen Gott und Mensch stattfinden kann. Unsere Welt ist durch Tod und Sünde quasi verunreinigt. Wo Gott ist, ist das Leben und nicht der Tod. Es braucht Sühne. Gott bietet durch ein Opfersystem einen Zugang zu ihm an, schon für sein Volk Israel, für uns. Auf diesem Grundsatz beruht dann das ganze Opfersystem des Volkes Israel, bzw. später der Kreuzestod Jesu. Nur durch ein Opfer, das meine Verunreinigung sühnt, kann ich in die Gegenwart Gottes treten. Das ist die bekannte Welt, in die der Verfasser des Hebräerbriefes hineinschreibt.
Heiligung: Was es bedeutet, Gott zugeordnet zu sein
In Vers 11 des Abschnitts geht es um Heiligung. Dabei ist nicht gemeint, dass ich einen Status moralischer Perfektion erreiche. Heilig sein bedeutet vielmehr, für einen bestimmten Zweck Gott zugeordnet zu werden. So gab es etwa den heiligen Altar im Tempel in Jerusalem, auf welchem die Opfertiere verbrannt wurden. Er diente nur diesem Zweck. Man konnte also keine Würstchen darauf grillen. Wozu werden dann Christen ausgesondert? Im Schöpfungsbericht gibt Gott den Menschen den Auftrag über seine Schöpfung in seinem Sinn zu regieren (1. Mose, 1,26–28). Zu diesem Zweck werde ich zugerüstet, geheiligt. Nichts, was plötzlich über mich hereinbricht. Das Verb ist passiv. Es ist also etwas, was ich nicht selbst tun kann, sondern was mit mir gemacht wird. Es wird auch eine Person genannt, welche die Heiligung an mir vollbringt. Das ist Jesus. Den Personen, welche sich auf den Heiligungsprozess einlassen, gibt Jesus eine Identität. Er nennt sie Geschwister und nimmt sie somit in die Gottesfamilie auf. Um diese Aussagen zu bestätigen, zitiert der Autor des Hebräerbriefs diverse Verse aus dem Alten Testament. Etwa aus den Psalmen, dem Buch Samuel oder Jesaja. Damit ein Israelit diese Aussagen glauben kann, müssen sie im Einklang mit der Schrift sein und diese ist für die gläubigen Juden der damaligen Zeit ausschließlich das, was wir heute das Alte Testament nennen.
Jesu Tod und die Befreiung der Menschen
Ab Vers 14 begründet der Autor, warum Jesus am Kreuz sterben musste, und verwebt seine gesamte Argumentation wieder mit dem Opfersystem der Israeliten
Weil Menschen Anteil an Fleisch und Blut haben, also sterblich und durch die Sünde verunreinigt sind, können sie nicht in die Gegenwart Gottes eintreten. Es ist keine Beziehung möglich. Aus diesem Grund nimmt Jesus selbst Fleisch und Blut an, wird Mensch. Jesus bringt durch seinen eigenen Tod das Opfer, was Sünde komplett sühnt. Menschen können wieder in die Gegenwart Gottes eintreten, ohne Gott vorher ein neues Opfer bringen zu müssen. Das war für die Juden jener Zeit umwerfend.
Gleichzeitig setzt diese Sühne die Macht der Götter, des Teufels außer Kraft. Fortan brauchen Menschen nicht länger als Geknechtete leben oder den Tod fürchten. Jesus hat die Mächte entmachtet (Kolosser 2,15) und die Menschen aus der Sklaverei der Sünde befreit. Kein Mensch braucht zu fürchten, dass er kein sinnerfülltes Leben hat, allein ist oder sterben wird. In der Gottesfamilie wird jeder gebraucht und in der Beziehung zu Gott hat jeder das Leben in Fülle. Jesus wird eines Tages dieses Königreich aufrichten. Das ist die Hoffnung, in welcher alle Christen leben. Dann wird Jesus abwischen alle Tränen (Offenbarung 21,4). In der Zwischenzeit werden die Gläubigen geheiligt. Jesus ist mein Hohepriester, also ein Vermittler zu Gott dem Vater. Jesus kennt meine Schwächen und Versuchungen. Weil Jesus selbst Versuchungen kennt, steht er mir und Ihnen bei. Bei allen Krisen in der Welt – sind das nicht gute Nachrichten? Und das Beste: Das gilt für jeden und ist nur ein Gebet, ein Anrufen Jesu entfernt. Wann sagen Sie Jesus, dass Sie dazu gehören möchten?