04.11.2026 / Wort zum Tag

Abschiedstränen

Jesus Christus spricht: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.

Johannes 16,22

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Abschied zu nehmen, ist wirklich schwer. Ich erinnere mich daran, dass meine Frau und ich unsere Tochter zum Hamburger Flughafen brachten, und dann kam der Abschied. Ja, es war alles so geplant. Unsere Tochter wollte in die USA fliegen, um dort bei einer Familie ein Jahr als Austauschschülerin zu verbringen. Sie freute sich auf ihre Zeit in Amerika. Und doch flossen Abschiedstränen.

Wie schlimm ist aber ein Abschied für immer! Als Pastor habe ich es manches Mal miterlebt, dass Eltern sich von ihrem verstorbenen Kind verabschieden mussten.  Ob es vielleicht doch ein Wiedersehen bei Gott im Himmel gibt?

Abschiedsworte stehen für heute als Lehrtext im Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeine. Jesus weiß, dass sein Tod bevorsteht. Und dann sagt er zu seinen Jüngern: „Ihr habt nun Traurigkeit, aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen.“

Traurigkeit überkommt die Jünger, als Jesus von seinem nahen Tod spricht. Auf ihn haben sie ihre ganze Hoffnung gesetzt. Ihre Fischerboote, ihren Arbeitsplatz am Zoll, ihre Familie haben sie verlassen. Sie sind mit Jesus gegangen. Doch jetzt soll ihr Herr und Meister, jetzt soll Jesus sie verlassen? Das kann doch nicht wahr sein!

Doch Jesus gibt ihnen das Versprechen: „Ich will euch wiedersehen.“ Ob die Jünger sich das vorstellen können? Ich glaube nicht. Wie soll das gehen? Wie soll es vor sich gehen, dass der verstorbene Jesus sie wiedersieht?

Ich lese diese Worte, und ich weiß, wie es mit Jesus weitergeht. Ja, er muss einen furchtbaren Tod sterben, den grausamen Tod am Kreuz. Ja, und die Traurigkeit und wohl auch die Ratlosigkeit der Jünger ist groß. Ängstlich ziehen sie sich zurück.

Doch dann begegnet ihnen der auferstandene Jesus. Ja, wirklich: Der Gekreuzigte ist auferstanden und zeigt sich den Jüngern. „Er trat mitten unter sie“, so heißt es in der Bibel. Und aus der Traurigkeit wird Freude. Was Jesus seinen Jüngern vorhergesagt hat, das tritt ein. Die Jünger freuen sich darüber, dass sie Jesus sehen.

Und dann lese ich in der Bibel davon, dass die Jünger zu Boten der Freude und des Trostes werden, weil Jesus, der Gekreuzigte, auferstanden ist, weil er bei ihnen ist.

Als meine Frau und ich uns von unserer Tochter verabschiedeten, war es für uns der größte Trost, dass wir uns im darauffolgenden Sommer wiedersehen. Und so war es auch. Riesengroß war die Freude des Wiedersehens. Wie schön, dass wir unsere Tochter wieder in die Arme schließen konnten! Wie sehr haben wir uns gefreut!

Ein Abschied fällt nicht so schwer, wenn ich weiß: Es gibt ein Wiedersehen. Die Freude auf das Wiedersehen geht mit.

Wenn Jesus seinen Jüngern sagt: „Ich will euch wiedersehen“, dann ist das auch ein Hinweis darauf, dass wir, die an ihn glauben, ihn in der Ewigkeit sehen werden. Das ist unsere Hoffnung als Christen und wirklich ein Grund zur Freude. 

Autor/-in: Bernhard Berends