21.02.2026 / Bibel heute

Abgeben, Freude und der rote Faden dazwischen

Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, und es einnimmst und darin wohnst, so sollst du nehmen die Erstlinge aller Feldfrüchte, die du von deinem Lande einbringst, das der HERR, dein Gott, dir gibt, und sollst sie in einen Korb legen und hingehen an die Stätte, die der HERR, dein Gott, erwählen wird, dass sein Name daselbst wohne, und sollst zu dem Priester kommen, der zu der Zeit sein wird, und zu ihm sagen: Ich bekenne heute dem HERRN, deinem Gott, dass ich gekommen bin in das Land, das der HERR, wie er unsern Vätern geschworen hat, uns geben wollte.[...]

5. Mose 26,1–15

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 Gottes Großzügigkeit – Wenn Geben zur Freude wird

„Darbringung der Erstlingsfrüchte und des Zehnten", bei dieser Überschrift in der Bibel dachte ich zuerst „Du meine Güte, wen interessiert das? Wer wird diesen Bibeltext heute lesen?" Den ersten Teil der Überschrift brauchen wir heute nicht mehr und den zweiten Teil der Überschrift wollen viele nicht.

Bei beiden geht es mir ans Portemonnaie, ans liebe Geld. Da leide ich noch mehr als sonst Gottes Wort gegenüber unter chronischer Schwerhörigkeit. Also die heutigen Bibelverse am besten abhaken. – Doch einen kurzen Moment noch, bitte!

Gott kennt einen jeden von uns, Sie und mich, und somit auch diese ablehnende Haltung, wenn es um das Abgeben geht – auch im Reich Gottes. Da muss Gott ganz besonders die Werbetrommel rühren, mit einer ganz besonderen Art mir seine Worte als gewinnbringend verkaufen, sonst höre ich ihm gar nicht erst zu. Und Gott lässt sich in seiner unvorstellbaren Liebe zu seinem Volk des Alten und des Neuen Bundes darauf ein. In einer Art göttlicher Pädagogik versucht Gott zu bewirken, dass das Geben gerne geschieht, von Herzen kommt und das immer aufs Neue. Das macht mich doch schon wenigstens ein bisschen neugierig, wie er das bewerkstelligen will.

Gott beginnt das Kapitel mit einem Paukenschlag. Es fängt mit einer unumstößlichen Tatsache an, einer tiefgreifenden Erfahrung, die das Volk Israel und die Gemeinde Jesu immer und immer wieder gemacht haben. Einer Erfahrung, die Gott als den gütigen Gott der Bibel ausweist: Gott schenkt immer mehr und zuerst, bevor er etwas fordert (Matthäus 19,29). D.h.: Ich werde nicht mit leeren Taschen dastehen, nicht den Kürzeren ziehen, wenn ich mich auf Gottes Wort einlasse; tue, was er mir sagt; seinem Wort schlicht gehorsam bin.

Bevor es um Ernteerfolge und volle Portemonnaies geht, lenkt Gott den Blick also auf etwas, was die Israeliten damals und ich heute schnell aus den Augen verlieren. Bevor Gott die Erstlinge aller Feldfrüchte als Abgabe von den Israeliten fordert, soll sich jeder Israelit den Segen vor Augen führen, mit dem er von Gott beschenkt wurde. Ohne diesen Segen, wäre Abgeben gar nicht möglich:
 

Gottes vierfache Zusage an sein Volk

1. Wenn du in das Land kommst, darin Milch und Honig fließt.

Das Land, darin Milch und Honig fließt, trägt Gott da nicht ein bisschen dick auf? Wenn ich heute Bilder von Israel sehe, scheint mir der Vergleich sehr gewagt. Wie viel Einöde, Berge, Wüste gibt es in Israel! Nur gut, dass der Prophet Jeremia (Jeremia 32,22) das Eintreffen dieser Zusage Gottes an sein Volk zu Moses Zeiten bestätigt: „und hast ihnen dies Land gegeben, wie du ihren Vätern geschworen hattest, … ein Land, darin Milch und Honig fließt". Also: Gott hält Wort! Auf ihn ist Verlass!
 

2. … und es einnimmst:

Dieser Aussageteil hat es in sich, weil eins klar ist: die damaligen Bewohner werden ihr Land nicht kampflos und freiwillig hergeben. Und dann noch: Da kämpft auf der einen Seite das Volk Israel, kriegsunerfahrene Ex-Sklaven ohne nötiges militärisches Gerät & Strategie gegen die Allianz von fünf kampferprobten, ortskundigen, hochgerüsteten Völkern und Satellitenstaaten. „Wenn dich nun der HERR bringen wird in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Hiwiter und Jebusiter, das er dir geben wird, wie er deinen Vätern geschworen hat" (2. Mose 13,5). Dann ist das Losgehen kein Himmelfahrtskommando, kein Harakiri, keine wahnhafte Unternehmung, sondern das unbeugbare Wissen, dass Gott auf ihrer Seite, in ihrer Mitte ist (Bundeslade) und vor ihnen hergeht (Wolken- und Feuersäule). Darum wird Israel gewiss siegen.

Die Zusage ist vergleichbar dem gelassen machenden Wissen der Gallier in Asterix gegenüber der Übermacht der Römer. Sie wissen: Wir haben den Zaubertrank. Uns kann nichts passieren. Juden und Christen haben keinen Zaubertrank. Sie haben Gott. Deshalb singen Christen zurecht, was Gerhard und Elisabeth Schnitter formuliert haben: „Aber der Herr ist immer noch größer – größer als ich denken kann. Er hat das ganze Weltall erschaffen. Alles ist ihm untertan." Großartig!

3. … das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird

Das von Gott seinem Volk Israel geschenkte Land gehört nicht nur heute Israel, sondern auch morgen, ja in alle Zeit. Gott, das Land Israel und das Volk Israel gehören untrennbar zusammen, bilden eine Einheit. Das eine gibt es nicht ohne das andere. Und Gott hat Anspruch und Hoheit über beide – über Land und Volk. Und so gehört das Land, von dem Mose hier spricht, ganz und allein Gott und damit den Juden. Kein anderes Volk hat nach meinem Verständnis Anspruch oder Anrecht auf das Land Israel – weder gestern, geschweige denn heute, noch morgen!

4. … und du darin wohnst

Noch ist das alles Zukunftsmusik – noch gilt es die Herausforderungen davor zu bestehen. Noch steht das Volk Israel jenseits von Israel an den Ufern des Jordan. Noch haben sie keinen Fuß in das gelobte Land gesetzt. Noch müssen sie durch den Fluss hindurch.

Mose redet prophetisch. Er beschreibt die Zukunft so, als wäre sie heute bereits Gegenwart. So wird Gott seine Zusagen erfüllen, nicht nur dreiviertel, sondern ganz. Israel wird erleben, wie Gott sie bei der Landeinnahme erfolgreich sein lässt und nichts ihren Siegeszug aufhalten kann.
 

Die Antwort des Volkes auf Gottes Treue

An diese vierfache Grunderfahrung soll Israel sich alljährlich erinnern:

Von der Zusage zur täglichen Nachfolge

Das Verhältnis von 4 zu 1 ist im Neuen Testament vergleichbar durch das Erlösungswerk Jesu. In der Vergebung am Kreuz, dem neuen Leben durch die Auferstehung Jesu von den Toten, dem Empfang des Heiligen Geistes und dem Leben in Gottes heutiger und zukünftiger neuer Welt (1. Petrus 1,3ff). All das ist unser Erbe durch das Vertrauen in Jesus. Anmerkung: Die Formulierung „Verhältnis von 4 zu 1" könnte für Leser ohne Kontext unklar sein – gemeint ist: Gottes vierfache Gabe steht der einen Antwort des Menschen gegenüber.

Damit stehe ich jeden Tag neu vor der „4" Gottes. Und was ist dann meine tägliche „1"?

Auch wenn ich weiß, dass Gott mir den ganzen Tag zur Verfügung steht, sollen ihm konkret 2,4 Stunden gehören. Anmerkung: Die Zahl „2,4 Stunden" erscheint ohne Herleitung – worauf bezieht sich dieser Wert? Auf den Zehnten eines Tages?

Möge Gott Sie und mich dann so segnen, wie er es in diesem Text sagt!

Autor/-in: Pastor Achim Brückel