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Von der Sehnsucht nach Gottes Welt

Susanne Hohmeyer-Lichtblau zeigt, wie man Gottes übernatürliches Handeln erfahren kann.


Die Bibel ist voll von übernatürlichen Begegnungen und Phänomenen. Gibt es die auch heute noch? Und wenn ja: Warum erlebe ich so wenig davon? Eine Ermutigung von Susanne Hohmeyer-Lichtblau, Gottes übernatürliches Wirken im Alltag zu erleben.

Weinend sitzt Michael Appel im Gottesdienst. Die Trauer um seinen Sohn, der mit 19 Jahren unerwartet gestorben ist, überwältigt ihn. Plötzlich öffnet sich ein Fenster in die geistliche Welt, und er sieht seinen Sohn, hört seine Stimme und weiß, dass es ihm gut geht. Immer wieder erzählen unsere Studiogäste bei ERF MenschGott von solchen oder ähnlichen Erfahrungen. Das sind besondere Momente, heilige Momente. Wir nennen sie Momente, in denen der Himmel die Erde berührt.

Gott ist übernatürlich, und er handelt übernatürlich. Leider haben sogar einige Kirchen diesen Aspekt aus den Augen verloren. Als Resultat bleibt die tiefe Sehnsucht nach erfüllender Begegnung in vielen Menschen unbefriedigt. Sie suchen weiter an Orten, die ihnen nicht gut tun. Manche konzentrieren sich auf Karriere und materiellen Wohlstand. Andere Menschen lassen sich auf okkulte oder esoterische Praktiken ein.

Gott ist übernatürlich, und er handelt übernatürlich. Leider haben sogar einige Kirchen diesen Aspekt aus den Augen verloren. Als Resultat bleibt die tiefe Sehnsucht nach erfüllender Begegnung in vielen Menschen unbefriedigt.

 

Übernatürliches in der Bibel – und heute

Die Bibel berichtet von einem Dornbusch, der nicht verbrennt, Begegnungen mit Engeln, Krankenheilungen, Entrückungen an andere Orte, Totenauferstehung und vielem mehr. Wir lesen von vielen Wundern, die Jesus gewirkt hat. Aber gerade das Neue Testament schreibt diese Phänomene nicht nur besonderen Menschen zu, sondern jedem Anhänger Jesu. Jesus versichert seinen Jüngern, dass sie dieselben und größere Dinge tun werden (Johannes 14,12). Er schickt sie los mit dem Auftrag:

Geht und verkündet ihnen, dass das Himmelreich unmittelbar bevorsteht. Macht die Kranken gesund, erweckt die Toten zum Leben, heilt die Aussätzigen und treibt böse Geister aus. Teilt eure Gaben genauso großzügig aus, wie ihr sie geschenkt bekommen habt! (Matthäus 10,7-8).

 

Darin steckt eine Aufforderung an alle Christen. Genauso erfahren wir in der Bibel von den übernatürlichen Begabungen, die der Heilige Geist bewirkt. Im ersten Korintherbrief nennt Paulus unter anderem die Gabe der Heilung und Wunder zu bewirken, prophetisches Reden, Geisterunterscheidung und die Sprachenrede (1. Korinther 12,8-10).

Diese Bandbreite an übernatürlichen Phänomenen könnte einschüchtern oder gar Leistungsdruck erzeugen. Allerdings ist es nicht menschliche Kraft, die diese Dinge bewirkt, sondern Gottes souveränes Handeln. Wenn Christen anderen die Hände auflegen und beten, dann ist es Gott, der heilt, nicht der Mensch. Die Berichte der Bibel sollen vielmehr ermutigen. Sie zeigen uns, wie nah die übernatürliche Welt der unsrigen ist – und dass wir in dieser Übernatürlichkeit und mit dieser geistlichen Dimension leben können. Das heißt nicht, dass jeder immer alles erlebt. Es geht um die Offenheit und die Erwartung, dass Gott übernatürlich handelt.

Die Berichte der Bibel sollen vielmehr ermutigen. Sie zeigen uns, wie nah die übernatürliche Welt der unsrigen ist – und dass wir in dieser Übernatürlichkeit und mit dieser geistlichen Dimension leben können.

 

Warum erlebe ich so wenig?

Oft fragen Zuschauer von ERF MenschGott, warum sie nicht die Dinge erleben, von denen unsere Gäste berichten. Die Gründe dafür sind sicher vielschichtig. Oft aber passieren außergewöhnliche Dinge in außergewöhnlichen Situationen. Gott weiß, wie er einen Menschen in einem bestimmten Moment auf übernatürliche Weise ansprechen muss, damit der es versteht. Und was die meisten vergessen: Niemand hat diese besonderen Erlebnisse jeden Tag. Sie lassen sich auch nicht produzieren, beispielsweise durch ein bestimmtes Gebet. Die Aufgabe von uns Menschen ist es, bereit zu sein und Gott Großes zuzutrauen. Wie er dann wirkt, ist seine Sache. Natürlich erleben die meisten Menschen weniger, als sie sich wünschen. Wer aber aus Angst vor Enttäuschung beispielsweise gar nicht erst anfängt für Kranke zu beten, wird auch nie Zeuge einer Heilung werden.

Die Aufgabe von uns Menschen ist es, bereit zu sein und Gott Großes zuzutrauen. Wie er dann wirkt, ist seine Sache.

 

Man wird also wahrscheinlich nicht jeden Tag spektakuläre Wunder erleben. Aber vermutlich wird man auch im Alltag Gottes übernatürliches Handeln wahrnehmen, wenn man bewusst auch auf die kleinen Dinge achtet. Schon beten ist eine absolut übernatürliche Handlung. Man tritt in Kontakt mit Gott, dem Schöpfer des Universums, und kann seine Stimme hören. Nur selten klingt sie laut wie ein Donner. Gott spricht meist leise. Manche spüren einfach seinen Frieden oder einen Impuls, etwas Bestimmtes zu tun. Andere hören ihn durch die Bibel, durch Bücher, Predigten oder andere Menschen. Jesus sagt dazu: „Meine Schafe hören meine Stimme.“ (Johannes 10,27) Das gilt für jeden, der zu Gott gehört. Diese tägliche Nähe und Vertrautheit ist es, die die tiefe Sehnsucht nach Gottes Welt stillt.

Ein wichtiger Gedanke in diesem Zusammenhang ist die Frage, wozu ich das erleben möchte. Übernatürliche Phänomene sind nicht dafür da, um sich gut zu fühlen oder einen geistlichen Kick zu bekommen. Das alles passiert, um Gott die Ehre zu geben und Menschen zu dienen. Und weil übernatürliche Erlebnisse keine Belohnung oder Auszeichnung für fromme Leistung sind, hängt auch meine Beziehung zu Gott nicht davon ab. Ich bin nicht mehr geliebt, wenn ich mehr erlebe. Wer anders denkt, hat Gottes Liebe und Gnade noch nicht verstanden.
 

Keine Angst!

Manche Christen sehnen sich zwar nach mehr übernatürlichen Erfahrungen, aber sie haben Angst, sich mit der „falschen Seite“ einzulassen, also okkulten Phänomenen zu begegnen. Sabine Rehkopf, die selbst Geistheilerin war, erzählt beispielsweise in einer ERF MenschGott Sendung, dass sie Kunden die Hände aufgelegt hatte und diese gesund wurden. Allerdings ging es ihr selbst dabei immer schlechter. Heute betet Sabine Rehkopf für Menschen und erlebt immer noch, dass sie gesund werden – aber es geht ihr gut dabei, und sie weiß, dass die Heilung von Jesus Christus kommt. Manchmal sehen Dinge ähnlich aus, speisen sich aber aus unterschiedlichen Quellen.

Angst ist also verständlich, aber sie ist ein schlechter Berater. Denn sie schneidet uns ab von der Erfüllung unserer Sehnsucht nach Gottes übernatürlichem Handeln. Hunderte Male steht in der Bibel die Aussage „Hab keine Angst“ oder „Fürchte dich nicht“ – gerade im Zusammenhang mit übernatürlichen Begegnungen. Wer also unsicher ist, kann bewusst Gott um Schutz bitten. Ich kann ihm die Sehnsucht nach seinem übernatürlichen Eingreifen nennen und ihn bitten, dass er sie stillt. Und ich darf vertrauen, dass der Heilige Geist mich warnt, wenn etwas nicht von ihm ist.

Ich kann ihm die Sehnsucht nach seinem übernatürlichen Eingreifen nennen und ihn bitten, dass er sie stillt. Und ich darf vertrauen, dass der Heilige Geist mich warnt, wenn etwas nicht von ihm ist.

 

Manchmal sind Gottes übernatürliche Phänomene auch schlicht noch ungewohnt und damit im ersten Moment vielleicht ein wenig befremdlich. Wenn jemand z. B. noch nie Sprachengebet gehört hat, kann das am Anfang irritierend sein. Dann hilft es, die Bibel zu kennen und zu wissen: Ja, das gibt es. Ich muss mich nicht ängstlich verschließen, sondern kann offen bleiben und andere Christen so stehen lassen, wie sie sind.

Neben guter Bibelkenntnis hilft es auch zu wissen, wie Gott ist, seinen Charakter zu kennen. Dann kann ich bei allem, was mir begegnet, fragen: Hört sich das nach Gott an? Bekommt Jesus die Ehre oder Menschen? Würde so ein guter Hirte reden? Welche Frucht entsteht in diesem Dienst oder dieser Gemeinde? Dann können übernatürliche Dinge passieren, und wir können gut damit umgehen.
 

Wie erlebe ich mehr davon?

Die vertraute und liebevolle Beziehung zu Gott ist also die entscheidende Grundlage unseres geistlichen Lebens. Auf dieser Basis dürfen wir uns wünschen, mehr und auch spektakulärere Dinge zu erleben.
Nur, wie geschieht das? Hier ein paar praktische Tipps:

 

  1. Bitten Sie Gott darum, mehr mit ihm zu erleben

Dieser erste Tipp klingt banal, er ist es aber nicht. Manche trauen sich nicht, diesen Wunsch vor Gott zu formulieren, weil sie es vielleicht vermessen finden. Aber Gott fordert uns heraus und freut sich, wenn wir mehr von seiner Kraft entdecken wollen. So wie Petrus, der Jesus aufgefordert hat, ihn aus dem Boot auf das Wasser zu rufen. (Matthäus 14, 28)
 

  1. Beschäftigen Sie sich auch aktiv mit dem Heiligen Geist und den Geistesgaben

 Haben Sie schon mal einen Gabentest gemacht? Lassen Sie sich gute Bücher empfehlen. Schauen Sie aktiv nach Vorträgen oder Seminaren in Ihrer oder in anderen Gemeinden.
 

  1. Üben Sie

 Gibt es in Ihrer Gemeinde oder in Ihrem Umfeld z. B. eine Gruppe, die für Kranke betet? Und suchen Sie sich einen Mentor. Jemand, der mehr Erfahrung auf dem Gebiet hat als Sie selbst und von dem Sie lernen können.
 

  1. Kein Neid

 Steve Zschunke erzählte in einer ERF MenschGott Sendung von seiner besonderen Begegnung mit Jesus. Wir haben ihn gefragt, was er anderen rät, die so etwas nicht erleben. Die Antwort: „Nicht vergleichen! Wenn ich verstanden habe, dass Jesus für uns alle den gleichen Preis bezahlt hat, dann kann ich die Begegnung, die jeder individuell mit Gott hat, nicht werten.“
 

  1. Machen Sie sich bewusst, wie Gott schon mit Ihnen gesprochen hat und welche Impulse er Ihnen gegeben hat

Schreiben Sie alles auf, damit die Lüge „Ich kann Gott nicht hören“ in Ihnen keinen Raum gewinnt.
 

  1. Rechnen Sie bewusst damit, dass etwas Übernatürliches passiert

In unserem griechisch geprägten Weltbild trennen wir oft stark zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Welt. In der jüdischen Kultur ist das ganz anders (z. B. Apostelgeschichte 12,15).
 

  1. Besorgen Sie sich etwas, das Sie an Gottes übernatürliche Welt im Alltag erinnert

 Ich habe mir einen Kettenanhänger in Form eines Engelsflügels gekauft. Er erinnert mich, dass ich permanent auch in der geistlichen Realität leben und mit ihr rechnen kann. Was erinnert Sie an Gottes Welt?

 

In diesem Bewusstsein können wir übrigens auch Weihnachten feiern. Denn der großartigste Moment, in dem jemals der Himmel die Erde berührt hat, war die Geburt von Jesus Christus. Der Moment, in dem der große übernatürliche Gott in einem kleinen Kind auf diese Erde kam.


Susanne Hohmeier-Lichtblau (Foto: ERF Medien)

Susanne Hohmeyer-Lichtblau verantwortet das TV-Format ERF MenschGott. Es ist ihre Leidenschaft, Menschen zu befähigen, GottesReden und Wirken wahrzunehmen.



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