Portrait

Wein zu Wasser

Wie Heinz Nitzsche Alkoholikern zu wahrer Freiheit verhilft.

Viele betrachten sie abschätzig: Sie scheinen zu stinken, zu nichts zu gebrauchen zu sein und nur Ärger zu machen – Alkoholiker. Aber Alkoholabhängigkeit ist ein weitaus größeres Problem, nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für Angehörige und die Gesellschaft. Innerhalb von Europa ist es besonders schlimm in der Ukraine, dort ist fast jeder Dritte der 25- bis 30-Jährigen schon alkoholsüchtig.

Eine von ihnen ist Tanja. Mit nur 33 kg Gewicht brach sie zusammen und landete im Krankenhaus in Mariupol in der Ukraine. Der Arzt diagnostiziert Aids und Leberzirrhose. Er entlässt sie, denn er kann nichts mehr tun. Ein Vierteljahr gibt er ihr noch. Tanja ist verzweifelt. Wo soll sie jetzt noch Hoffnung finden?

Ein Hoffnungsträger

Der deutsche Pastor Heinz Nitzsche ist Gottes Antwort auf ihren Hilferuf. 2001 kam er nach Mariupol, um für die ausgegrenzten Alkoholiker da zu sein, die ihr Leben am Rande der Gesellschaft fristen. Heinz Nitzsche gründete eine Suchthilfearbeit und gewann das „Blaues Kreuz“ als Träger. Neben der Hilfe für die Alkoholiker entwickelte sich hier auch eine Kinder- und Jugendarbeit, eine Hilfe für Obdachlose und für Aidskranke. Aber vor allem die Alkoholabhängigen hat Heinz Nitzsche auf dem Herzen.

Alkoholiker in der DDR

Begonnen hatte sein Dienst zu DDR-Zeiten. Alkoholiker wurden nicht gerne gesehen, denn durch Dienstausfälle schadeten sie dem Bauern- und Arbeiterstaat. Es hieß: Entweder arbeitest du richtig oder du kommst ins Arbeitslager. Heinz Nitzsche begegnete diesen Menschen, wollte helfen. Und so nahm er eine angebotene Stelle bei der Arbeitsgemeinschaft zur Abwehr der Suchtgefahren (AGAS) an und begann 1971 seinen Dienst in Serrahn, Mecklenburg-Vorpommern. Der junge Heinz Nitzsche baute voller Tatendrang das alte Pfarrhaus für Süchtige aus und nahm sie hier auf. Er wollte ihnen ganz praktisch aus der Sucht helfen, aber erzählte ihnen auch von Gottes Liebe und gab seinen Glauben weiter.

Doch seinen Glauben  so offen und furchtlos zu leben und weiterzugeben, war der sozialistischen Regierung ein Dorn im Auge. So kam es, dass Heinz Nitzsche einmal zehn Stunden lang von der Stasi verhört wurde, weil er einem russischen Soldaten eine Bibel überreicht hatte. Doch er schreckte davon nicht zurück und machte unerschrocken weiter.

Doch seinen Glauben  so offen und furchtlos zu leben und weiterzugeben, war der sozialistischen Regierung ein Dorn im Auge.

Die Liebe für die Ukraine erwacht

Heinz Nitzsche und  seine Frau Martina machten zu dieser Zeit  immer wieder Urlaub in der Ukraine. Wie dort mit den Alkoholabhängigen umgegangen wurde, erschütterte sie. „So kam es vor, dass ein LKW vorfuhr und die Betrunkenen, die am Straßenrand lagen, an Händen und Füßen gepackt auf den LKW geschwungen und in eine Ausnüchterungszelle gebracht wurden“, erinnert sich der deutsche Pastor. Er war schockiert und wollte vor allem den Gemeinden in der Ukraine und Russland zeigen, dass auch Alkoholiker Gottes Liebe brauchen. Heinz Nitzsche spürte, dass er etwas in diesem Land verändern wollte.

Blaues Kreuz Mariupol

2001 startete das Ehepaar Nitzsche einen Hilfsprojekt für Abhängige in der Ukraine. Das Projekt hat zwölf Mitarbeiter, die sich um die Armen und Hilflosen kümmern; auch Kinder werden hier gefördert, alte Menschen im Hospiz oder Altersheim betreut, die Aidskranken erfahren Zuwendung genauso wie die Minderheit der Roma und Sinti. Sie geben den Menschen das, was sie brauchen – Kleidung, Essen, Bildung.

Aber das Wichtigste, das sie ihnen neben der sozialen und humanitären Hilfen geben, ist Liebe und Gottes Hoffnung. Heinz Nitzsche sagt: „Der Glaube ist die Hauptsache, den Menschen die Liebe Gottes rüberzubringen. Man kann nicht vorpredigen und sie hungrig sein lassen, da gehört auch das soziale Denken dazu und dass wir sie rein menschlich versorgen.“ Er will eine Hoffnung über die Krankheit, die Armut und das Leid hinaus geben: Die Liebe Gottes und seine Hoffnung. Auf diese Weise können auch Alkoholiker von ihrer Sucht frei werden, meint Nitzsche. „Sie werden frei durch die rettende Botschaft von Jesus. Sie merken, dass sie die Droge oder den Alkohol nicht mehr brauchen. Und sie bekommen die Kraft davon loszukommen.“

Das Wichtigste, das sie ihnen neben der sozialen und humanitären Hilfen geben, ist Liebe und Gottes Hoffnung.

Hoffnung verändert

Auch Tanja hat diese Hoffnung erfahren. Als sie Heinz Nitzsche kennen lernt , erlebt sie Annahme und beschließt ein Leben mit Gott zu führen. Zwei Jahre lang lebt sie bei dem Ehepaar Nitzsche zuhause. Mittlerweile ist es 18 Jahre her, dass sie der Arzt aus dem Krankenhaus entließ und ihr nicht mehr als ein Vierteljahr zu leben gab. Ein Wunder ist geschehen, auch für ihre Familie. Tanjas Mann, der im Gefängnis gesessen hatte, kam zum Glauben. Sie wurde mit mehr als nur einer Hoffnung beschenkt, sie erlebt Gottes Freiheit in ihrem Leben und seine Güte. Und das, weil ein Mann bereit war sein Leben für andere zu geben, für Gott zu geben. Heinz Nitzsche erklärt sich das so: „Dort, wo man mit den Menschen Leben teilt, erlebt man Wunder. Wichtig ist, dass nicht nur fromm geredet, sondern Leben geteilt wird.“


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Kommentare

Von Wilhelm V. am .

Beeindruckend !

Von Ulrich H. am .

Was ein bewegender Bericht! Ich denke oft, dass ich doch selber nichts kann - dieser Bericht gibt Hoffnung!


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