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Kurde lernt Jesus kennen

Wieso Joshua Oktay für Jesus einen Burger aß.

Joshua Oktay tritt in die Pedale seines klapprigen alten Fahrrads. Er ist unterwegs zur Wohnung seines Bruders, wo die Familie auf ihn wartet. Sein Herz schlägt bis zum Hals. Nicht vor Anstrengung, sondern vor Angst. Er weiß nicht, ob er dieses Treffen überleben wird, denn er hat die Ehre seiner Familie auf das Schlimmste verletzt.

Joshua Oktay ist Sohn einer stolzen kurdischen Familie. Sein Vater kommt 1969 als Gastarbeiter nach Deutschland. Sie leben in einem Viertel, in dem die Deutschen in der Minderheit sind. „Das war Kurdistan mitten in Deutschland. Ich bin hier geboren, aber als ich in die Schule kam, konnte ich noch nicht mal Deutsch“. So wächst er zwischen zwei Kulturen auf, muss sich immer wieder anpassen. Doch entscheidend sind für ihn die Traditionen und Werte seiner Familie.
 

Abkehr vom muslimischen Glauben

Joshua Oktay (Foto: ERF Medien)
Joshua Oktay (Foto: ERF Medien)

„Ehre und Respekt spielen bei uns eine große Rolle. Dazu gehörte z.B., dass man zur Begrüßung die Hand des Vaters küsst und sie anschließend zur Stirn führt. In Diskussionen hatte der Vater immer das letzte Wort. Er war in allem die entscheidende Instanz. Niemand hätte gewagt, gegen das aufzubegehren was er sagt.“

Mit 12 Jahren schicken die Eltern ihn dann zum Koranunterricht. Joshua Oktay freut sich. Er glaubt an Gott und hat viele Frage an seinen Lehrer, z.B.: Werde ich lernen mit Gott zu sprechen, ihn zu hören oder zu sehen? Der Lehrer verneint entsetzt. „Er hat gesagt: ‚Hör auf mit solchen blasphemischen Fragen, du wirst Gott nicht hören, du wirst nicht mit ihm sprechen können und du wirst ihn nicht sehen, tu was der Islam dir befiehlt, lerne die Gebote und wenn du gestorben bist, wirst du all das machen können, was du dir wünschst.‘“ Joshua Oktay ist enttäuscht. Ihm ist klar, dass es einen Gott gibt, aber offenbar gibt es keine Möglichkeit, ihn hier auf der Erde zu erleben. Mit 16 Jahren wendet er sich deswegen von seinem muslimischen Glauben ab. „Ich habe gedacht, ich verschiebe das mit Gott bis ich so etwa 50 bin. Dann kann ich mich wieder dem Islam unterordnen, die Gebote befolgen, ‘ne Mekka-Reise machen und Buße tun.“

Von nun an besteht sein Leben aus Feiern und Spaß haben, aus viel Alkohol, Bordellbesuchen, Betrügereien und Gewalt. Mit 19 hat er zwei Jobs, unter anderem als Türsteher in einem der angesagtesten Clubs der Stadt. Mit 21 zieht er mit einem Freud ein Geschäft mit kostenpflichtigen Telefonhotlines auf. Er verdient innerhalb kürzester Zeit ein halbe Million Mark, fährt einen Jaguar und bekommt endlich auch die ersehnte Anerkennung von seinem Vater.
 

Hoffnung statt Selbstmord

Doch die Frage nach Gott holt ihn wieder ein. In seinen Gedanken ist immer der gleiche Satz: „Was würde Gott dazu sagen?“. Egal ob Alkoholexzesse, Prügeleien oder unsaubere Geschäfte – immer ist diese Frage in seinem Kopf. Aber wer ist Gott und kann man nicht doch irgendwie mit ihm in Kontakt kommen? Dass er auf diese Frage keine Antwort hat, quält ihn zunehmend. Er spürt, dass sein Leben in eine Sackgasse geraten ist, ohne Perspektive. Welchen Sinn macht es, so weiter zu leben? Joshua Oktay wird immer depressiver. „Ich war innerlich total leer. Äußerlich hatte ich alles: gute Jobs, viel Geld, Erfolg, Frauen, Anerkennung. Aber wenn ich allein im Zimmer war und in den Spiegel geguckt habe, dann hab ich nur gesagt: ‚Junge, du bist nicht mehr wert, als ‘ne Kakerlake, die sich im Dreck wohlfühlt, du bist nichts wert, du bist nur Dreck‘.“

So kann und will Joshua Oktay nicht weiterleben. Langsam geht er durch sein Zimmer Richtung Fenster. Er will sich rausstürzen, seiner scheinbar sinnlosen Existenz ein Ende machen. Da fällt sein Blick auf seinen Schreibtisch. Ein kleines Heftchen liegt dort, das ihm irgendjemand in der Fußgängerzone in die Hand gedrückt hatte. Eigentlich wollte er es gleich wegwerfen, aber da war kein Mülleimer und so hatte er es eingesteckt. Irgendetwas zieht ihn an und er beginnt zu lesen. Darauf steht: ‚Jesus, deine letzte Hoffnung‘. Mit dem christlichen Glauben kann Joshua Oktay nichts anfangen.

Für mich war das Kreuz das Symbol des christlichen Glaubens. Aber wenn ich gesehen habe, wer alles ein Kreuz um den Hals hat, bis hin zu Prostituierten, bei denen ich war, dann wollte ich mit diesem christlichen Glauben nichts zu tun haben. – Joshua Oktay

 

Und nun hält er dieses Heft in der Hand und da ist die Rede von Hoffnung. In seinem Herz ist es so dunkel, dass er trotz aller Vorurteile zu lesen beginnt.
 

Jesus macht ihn frei von der Sucht nach Zigaretten

„Da waren Bilder die zeigten, dass zwischen Menschen und Gott ein unüberwindlicher Abgrund aus Schuld ist. Aber dann war das Kreuz über diese Schlucht gelegt, so dass der Weg wieder offen war. Auf der letzten Seite war dann ein Gebet, das man sprechen konnte. Der erste Satz hat alles ausgedrückt, was ich die ganze Zeit auf dem Herzen hatte: ‚Lieber Gott, ich bin ein Sünder und brauche Vergebung!‘ Ich habe mir nichts mehr auf dieser Welt gewünscht als Vergebung und dass ich endlich wieder Frieden in meinem Herzen habe. Das Gebet ging dann weiter: Herr Jesus Christus, du bist für mich am Kreuz gestorben, dein Blut macht mich rein von der Sünde, komm in mein Leben, sei du mein Retter, mein Herr und Gott, Amen.“

Als Joshua Oktay das liest beginnt ein Kampf in seinem Inneren. Jesus als seinen Retter einladen? Das kann er doch nicht beten, er ist schließlich Moslem. Oder nicht? Und dann diese Christen, die er zutiefst verachtet. Wie sollte er je einer von ihnen werden. Mal ganz abgesehen davon, was seine Familie sagen würde. Wenn er Christ wäre, würde er ihre Ehre massiv verletzen. Unverzeihbar. Lebensgefährlich! Doch schließlich ist seine Sehnsucht nach Gott, nach Frieden und Vergebung stärker als alle Ängste und Zweifel.

Ich habe erkannt, dass es nicht darum geht, Christen eine Chance zu geben, sondern Christus. Ich dachte, ich habe nichts mehr zu verlieren. Bevor ich aus dem Fenster springe, versuche ich es mit Jesus. – Joshua Oktay

 

Joshua Oktay betet dieses sogenannte Übergabegebet. Völlig erschöpft legt er sich ins Bett und schläft ein.

Joshua Oktay zu Gast bei ERF MenschGott (Foto: ERF Medien)
Joshua Oktay zu Gast bei ERF MenschGott (Foto: ERF Medien)

In den nächsten Tagen denkt er immer wieder über dieses Gebet nach. Ist Jesus wirklich Gott? War es richtig, was er getan hat? Plötzlich hört er in sich eine Stimme: ‚Wie kann ich dir beweisen, dass ich Jesus bin?‘ Joshua Oktay ist perplex. War er verrückt geworden oder war das wirklich Jesus? Er hatte diese Stimme vor einigen Monaten schon mal gehört. Damals hatte sie ihn davor bewahrt, auf der Straße überfahren zu werden. Deswegen vertraut er dieser Stimme und denkt über die Frage nach. „Mir kamen meine ganzen Abhängigkeiten in den Sinn. Ich war so süchtig, dass ich nicht mal essen konnte, ohne dabei zu rauchen. Und ich habe an meine Depressionen gedacht. Deswegen habe ich gesagt: Wenn du mir diese Sachen wegnimmst, dann weiß ich, dass du, Jesus, wirklich Gott bist, denn niemand anderes kann mich von diesem ganzen Dreck befreien.“

Zwei Tage später wacht er morgens auf und kann nur noch staunen. „Ich hab aus dem Fenster geguckt, aus dem ich vor Kurzem noch rausspringen wollte und alles war plötzlich mit Leben erfüllt. Auch meine Zigarettensucht war verschwunden. Das war unbeschreiblich. Ich hatte vorher Todesgedanken – und dann wache ich auf und genieße das Leben. Das schafft kein Psychologe und auch keine Medikamente, das schafft nur Gott. Er hat eingegriffen und mir diese Last weggenommen. Und da wusste ich: Man kann doch mit Gott reden und er antwortet!“
 

Burger essen für Jesus

Immer wieder hört Joshua Oktay nun diese Stimme. Einmal bekommt er sogar einen neuen Namen. Sein kurdischer Name ist Oktay, nun gibt Jesus ihm einen weiteren, nämlich ‚Joshua‘.

Einige Tage später geht er durch die Stadt, als er wieder diese Stimme hört, die ihn fragt: „Willst du mir beweisen, dass du mir folgen willst?“ Joshua Oktay antwortet sofort: „Okay, sag mir, was ich tun soll und ich werde es tun, egal was es ist.“ Mit allem hätte er gerechnet, nur nicht mit dem was er dann hört: ‚Geh jetzt in McDonald‘s und iss ‘n McRib‘.

„Das war das Einzige, was ich niemals bestellt habe, denn es war Schweinefleisch. Mir war klar, dass das Gott ist, denn er wusste, dass das wirklich das einzige war, was ich als Moslem nie getan habe. Ich hab jeden Mist gemacht, aber ich hab kein Schweinefleisch gegessen. Ich dachte, nur schwache Menschen, Menschen zweiter Klasse, essen dieses Fleisch. Und jetzt verlangte Jesus genau das von mir, weil es in der Bibel keine Speisevorschrift mehr gibt.“

Joshua Oktay beginnt zu schwitzen. Langsam geht er auf die Eingangstür des Schnellrestaurants zu, stellt sich in die Schlange und hofft, dass es möglichst lange dauert. „Ich habe ein Menü bestellt und dann erst mal die Pommes gegessen und die Cola getrunken. Und dann saß ich da mit diesem McRib und es war für mich so eklig, da jetzt rein zu beißen. Es ging nicht um Schweinefleisch, sondern um mein Leben. Denn damit habe ich glasklar gezeigt, dass ich kein Moslem mehr bin, sondern dass ich Christ bin und es für mich keine Speisevorschriften mehr gibt.“ Minutenlang sitzt Joshua Oktay da und starrt den Burger an. Dann atmet er tief durch, beißt hinein und weiß, jetzt gibt es kein Zurück mehr.
 

Konfrontation mit der Familie

Joshua Oktay lebt sein Christsein acht Monate lang im verborgenen, hat die Bibel unter der Matratze versteckt. Er hat Angst vor der Reaktion seiner Familie. Doch ihm ist klar, dass er es nicht für immer verheimlichen kann. Seiner Schwägerin fällt auf, dass sein Verhalten sich massiv verändert hat. Er betrügt nicht mehr, kann sich entschuldigen, ist freundlich. So kommt es, wie es kommen muss – seine Familie erfährt, dass Oktay seinen Glauben verraten hat. „Ich wusste, dass es in solchen Fällen in unserer Tradition nur zwei Möglichkeiten gab: Entweder der Abtrünnige kehrt zurück zum Islam oder er muss sterben. Nur so war die Ehre wieder herzustellen.“

Nun ist also der Familienrat zusammengekommen und Joshua Oktay muss Rede und Antwort stehen. Die Reaktion seines Vaters ist wie erwartet. Er brüllt ihn an: ‚Geh auf die Knie und bekenne dich wieder zum Islam‘. Doch Joshua Oktay tut das Unvorstellbare: Er widersetzt sich seinem Vater. Nun rechnet er mit dem schlimmsten. Er hört ihn noch sagen: ‚Lieber sollen die Leute erzählen, dass ich einen toten Sohn habe als einen Christensohn‘. Dann sieht er vor seinem inneren Auge eine kurze Vision, in der sein Vater nach dem schweren Aschenbecher greift und zuschlägt. Tatsächlich steht sein Vater auf und geht wütend fluchend auf den Aschenbecher zu. Joshua Oktay ist äußerlich ganz ruhig, aber innerlich schreit er zu Jesus. „Und als mein Vater kurz vorm Aschenbecher war, war er mit einem Mal still. Er hat sich zurückgezogen, schaute mich ungefähr 30 Sekunden an und sagte dann: ‚Mein lieber Sohn, wenn der Weg, den du gehst, der richtige Weg ist, dann geh ihn weiter. Aber du kannst jederzeit zurück kommen. Möge Gott dich beschützen. Und denk immer daran, dass ich dich liebe und dass deine Familie dich liebt. Komm´ uns oft besuchen ‘.

Als mein Vater das gesagt hat, war es auch das erste Mal, dass er zu mir gesagt hat, dass er mich liebt. Jesus hat das Herz meines Vaters verändert aber auch mein Herz. Es gab vorher Dinge, die ich ihm nicht vergeben konnte. Aber durch dieses Ereignis konnte ich ihm vergeben und unser Verhältnis hat sich radikal verbessert. Seit dem haben wir mehr geredet, als in den Jahrzehnten zuvor. Er hat gespürt, dass etwas in meinem Leben anders ist und dass das der lebendige Gott ist!“ 


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