Porträt Lesezeit: ~ 4 min

„Du bist ein hoffnungsloser Fall“

Sabine Ruocco bricht 14 Drogenentzüge ab. Nur noch ein Wunder kann sie retten.

 

Sabine Ruocco (Foto: privat)
Sabine Ruocco (Foto: privat)

14 Mal ist sie gescheitert. 14 Mal ist sie zu Beratungsstellen gegangen und hat sich freiwillig in eine Klinik begeben. Doch das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe: Sabine Ruocco rennt weg. Sie schleicht aus dem Krankenzimmer und läuft zurück auf die Straße. Zurück zu ihren Freunden, zurück zu ihren Drogen. Doch dieses Mal macht ihr ein Unfall einen Strich durch die Rechnung: Bei ihrem 15. Entzugsversuch will sie über den Balkon abhauen. Er ist nicht so hoch, sie hätte ohne Probleme runterspringen können. Doch sie bleibt mit einem Fuß hängen,  schlägt auf dem Boden auf und wird bewusstlos. Sie wird in die Psychiatrie eingeliefert. Die Ärzte dort sagen ihr nur: „Du bist ein hoffnungsloser Fall.“ Doch damit will sich Sabine Ruocco nicht abfinden.
 

„Ich war naiv“

Sabine Ruocco wächst wohlbehütet in der Schweiz auf. Als sie zehn Jahre alt ist, lassen sich ihre Eltern scheiden und ihre kleine heile Welt bricht zum ersten Mal zusammen. Ihr Vater hat wenig Zeit für sie, ihre Mutter scheint das Defizit ausgleichen zu wollen. Sabine fühlt sich überbehütet. Aus der Sicht ihrer Mutter wird Sabine als Teenager rebellischer, will das enge Korsett abstreifen. Nach ihrem Schulabschluss hat sie ihren ersten Freund. Neuer Freund, neuer Freundeskreis, neues „Hobby“: Kiffen. „Es gab keinen Gruppendruck“, beschreibt Sabine Ruocco im Nachhinein. „Aber ich war naiv, auf der Suche nach dem ‚Mehr im Leben‘ und wollte ausbrechen.“

Die Einstiegsdroge macht ihrem Namen alle Ehre und führt Sabine Ruocco tiefer in die Drogenwelt. Der Kick durch das Hasch reicht irgendwann nicht mehr, sie experimentiert mit LSD und Ecstasy. „Innerlich wusste ich, dass es nicht gut für mich ist. Aber die Sucht ist stärker.“ Denn genau an diesem Punkt ist sie angekommen: Sabine ist süchtig. Und der Weg zurück wird immer schwerer. Stattdessen öffnet sie sich für die nächsthärteren Drogen und wird schließlich abhängig von Heroin. Ihr ganzes Leben dreht sich darum, an die Drogen zu kommen. Ob sie dafür stehlen muss, ob sie auf der Straße lebt – alles nimmt sie in Kauf. „Es war ein Spiel mit Leben und Tod“, sagt Sabine Ruocco im Rückblick. Aber eigentlich will sie leben.

Immer wieder geht sie zurück zu ihrer Mutter. Auch wenn sie sich wochenlang nicht gemeldet hat und mit ihren Freunden in Zürich war: Ihre Mutter ist immer für sie da. Sie will und kann ihre Tochter nicht aufgeben. Aber die Sorge um Sabine treibt sie in die Verzweiflung. Sie sucht nach einem Anker und findet ihn im Glauben an Gott. Mit ihm teilt sie ihre Sorgen, zu ihm schreit sie um Hilfe.
 

„Sabine, ich will nicht, dass du auf der Straße stirbst!“

Dann befindet sich Sabine Ruocco wieder in einer Entzugsklinik. „Wenn ich meinen 30. Geburtstag erleben will, dann muss sich etwas ändern“, sagt sie sich. Und doch verliert sie den Kampf gegen die Sucht. Als dieser 15.  Fluchtversuch scheitert und sie in der Psychatrie landet, scheint die Situation auswegslos. Dass es keine Hoffnung mehr für sie gebe, lässt Sabine so nicht stehen. Stattdessen wendet sie sich an eine andere Stelle. „Gott, wenn es dich wirklich gibt, wenn es stimmt, was die Christen sagen, dann hilf mir jetzt“, betet sie. Und tatsächlich passiert etwas. Sabine beschreibt, wie ihr Herz plötzlich voll mit Liebe war. Und sie hört eine Stimme, die zu ihr sagt: „Sabine, ich will nicht, dass du auf der Straße stirbst! Ich habe ein neues Leben für dich! Ich liebe dich und habe einen Plan für dein Leben.“

Gott, wenn es dich wirklich gibt, wenn es stimmt, was die Christen sagen, dann hilf mir jetzt. – Sabine Ruocco

 

Dann ist Sabine Ruocco clean. Einfach so. Und auch die Wunde, die sie durch den Sturz am Kopf hatte, ist geheilt. Als Sabines Mutter sie am nächsten Tag in der Klinik besucht, beten die beiden zusammen. Und damit beginnt ein ganz neuer Lebensabschnitt in Sabine Ruoccos Leben.
 

Zurück in die Freiheit

Erst muss Sabine Ruocco zurück ins Leben finden. Sie weiß nicht mehr, wie es ist, einen geregelten Alltag zu haben, arbeiten zu gehen. Zwei Ausbildungen hatte sie abgebrochen, die Drogen haben ihren Lebensrhythmus bestimmt. Zwei Jahre lang lebt Sabine in einem christlichen Wohnprojekt, nimmt Seelsorge in Anspruch und findet durch kleine, verantwortungsvolle Aufgaben rund um die Wohnstätte wieder zurück in ein geordnetes Leben. Später arbeitet sie in einer Einrichtung für körperlich behinderte Menschen.

Dann lernt Sabine Paolo kennen. Die beiden verlieben sich, gehen eine Beziehung ein, heiraten, wollen Familie gründen. Es könnte das lang ersehnte Happy End sein. Doch nach einigen Jahren schleicht sich eine zweite Krise in Sabines Leben ein. Sie beginnt Alkohol zu trinken – und langsam, aber sicher wird er zu ihrem treuen Alltagsbegleiter. Dazu gesellen sich Ängste und Blockaden. „Obwohl ich immer Kinder wollte, hatte ich dann Angst davor, eine Mutter zu sein, die Verantwortung zu tragen.“ Sabine traut sich nichts mehr zu, alte Selbstzweifel kommen hoch. Doch sie hat einmal Freiheit geschmeckt und weiß, dass es sie gibt. „Ich wusste, dass Jesus mich auch dieses Mal frei machen kann.“ Aber dafür ist es nötig, dass Sabine wichtige Schritte geht. Wieder nimmt sie Seelsorge in Anspruch, auch wenn ihr Stolz ihr anfangs im Weg steht. Sie geht zu Treffen des Blauen Kreuzes und verabschiedet sich vom Alkohol. Und sie widmet jeden einzelnen Lebensbereich neu Gott, der sie schließlich in die komplette Freiheit führt. Heute lebt Sabine Ruocco glücklich mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Schweiz und fühlt sich „vollkommen frei“. Erarbeiten konnte sie es sich nicht, die Freiheit kam als Geschenk.


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Kommentare

Von Die Redaktion am .

Hallo Michael,
ja, die Geschichte gibt es auch bald bei ERF MenschGott.

Von Michael am .

Gibbet diese Geschichte auch demnächst bei Mensch Gott?


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