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23.03.2021 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 5 min

Autor: Cornelia Mandt

An der Schwelle zur Ewigkeit

Wie übersteht man den Tod eines geliebten Menschen? Trotz aller Fragen hat Cornelia Mandt erlebt, wie Gott hilft.

 

 

Im November 2018 kam mein Mann Martin mit stark erhöhten Entzündungswerten ins Krankenhaus. Nach einigen Untersuchungen bekam er an seinem 48. Geburtstag die Diagnose Krebs, ein aggressiver Tumor. Mein Mann fragte den Arzt, wie seine Chancen stehen. Die Antwort: 80 Prozent der Patienten sterben innerhalb von drei Jahren. Wir waren sprachlos.

Trotz der niederschmetternden Diagnose wollten wir kämpfen. Mein Mann mobilisierte Freunde, Verwandte, Bekannte und Kollegen zum Beten und erstellte dafür eine WhatsApp-Gruppe. Mehr als einhundert Leute beteiligten sich und beteten für ihn um Gesundheit und für mich um Kraft, diese schwere Situation mitzutragen. Ich war oft wie gelähmt und habe nur noch funktioniert: gearbeitet, Martin im Krankenhaus besucht, gegessen und geschlafen. Monatelang.

Gott hat Martin trotz allem am 31. Juli 2019 zu sich geholt. Warum? Das verstehe ich bis heute nicht. Doch gerade in dieser schweren Zeit habe ich Gott besonders erlebt. Von fünf Erfahrungen möchte ich Ihnen erzählen.
 

Gott sorgt für mich

Im Juli 2019 hatte ich einen Tag, an dem ich sehr verzweifelt war. Als ich abends nach Hause kam, fand ich vor unserer Haustür zwei Päckchen, gefüllt mit Ermutigungen. Ich war überwältigt, wie Gott genau zum richtigen Zeitpunkt für mich sorgte. An diesem Tag brauchte ich Ermutigung und ich bekam sie gleich im Doppelpack.

In einem Päckchen war ein Schmuckset mit der Aufschrift: „Don´t be afraid, just believe.“ Ich schlug die Stelle in der Bibel nach und las: „Verzweifle nicht! Vertrau mir einfach!“ (Markus 5,36). Okay, Gott, ich habe verstanden. Es waren genau diese Worte, die ich in dieser Situation brauchte. Ich war verzweifelt, mein Vertrauen war ins Wanken geraten. Doch die Kette erinnerte mich auch in den folgenden Tagen immer wieder an Gottes Aufforderung, ihm einfach zu vertrauen.
 

Gott schenkt mir Frieden

Es ist für mich ein Wunder und übersteigt meinen Verstand: Während der gesamten Zeit, in der ich Martin begleitet habe, fühlte ich einen tiefen Frieden in mir (vgl. Philipper 4,7). Es gab zwar Momente, in denen ich nicht beten konnte. Ich wusste aber, dass viele andere für uns beten. Das hat uns beide durchgetragen.

Mitte Juli sagte man mir, Martin sei medizinisch gesehen „austherapiert“. Die Ärzte konnten nichts mehr für ihn tun. Es war dieser schon genannte Tag, an dem ich verzweifelt war. Wie sollte es weitergehen? Genau an diesem Nachmittag war Martin noch einmal recht wach und betete mit mir. Es geschah etwas Wunderbares: Die Angst schwand, ich wurde ruhig und der tiefe Frieden kehrte wieder bei mir ein.

An Martins letztem Tag konnte ich erstaunlich ruhig und gelassen seinen Sterbeprozess begleiten. Sehr eindrücklich finde ich es im Nachhinein, dass ich intuitiv zum richtigen Zeitpunkt das Gebet für Sterbende und den Abschiedssegen gesprochen habe. Gott führte und begleitete uns in seinem Frieden bis zu Martins letztem Atemzug.
 

Gott ist gut

Trotz meiner Erfahrungen, weiß ich, dass Gott gut ist. Ich verstehe es zwar noch immer nicht, was daran gut sein soll, dass Martin gestorben ist. Ein Vergleich von Corrie ten Boom hilft mir aber dabei. Sie hat ihn gebraucht, um unverständliche und schwere Abschnitte unseres Lebens einzuordnen. Sie besaß ein Stickbild mit einer wunderschönen Krone. Von vorne betrachtet fügt sich jeder Faden ins Bild und ist am richtigen Platz. Das ist Gottes Perspektive. Unsere Perspektive ist die Rückseite. Dort sieht man ein großes Fadenwirrwarr und viele Knoten. Es herrscht das reinste Chaos und ist nicht schön anzusehen.

Was mache ich, wenn ich schwere Wege nicht verstehe? Verzweifeln, weil ich nur den Blick von der Rückseite auf das Durcheinander habe? Nein! Ich entscheide mich dafür, Gott zu vertrauen, weil er das große Ganze überblickt. Gott ist gut. Jesus bestätigt das in Markus 10,18. »Nur Gott allein ist gut.« Auch im Schöpfungsbericht steht: „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“ (1. Mose 1,31). Gott macht es gut. Auch mit mir.
 

Gott bereitet vor

Im Rückblick kann ich sagen, dass Gott mich auf diese Ausnahmesituation gut vorbereitet hat. Eine ehemalige Kollegin sagte mir Ende 2018 den Satz „Gott ist gut und etwas anderes will ich nicht glauben.“ Dieser Satz hat sich in mir verankert und war da, als ich ihn brauchte. Ebenso wie die Worte aus Psalm 23, der mich schon einige Jahre begleitet. Dort steht: „Mir wird nichts mangeln“. Auch im dunklen Tal ist Gott bei mir. Beides habe ich erlebt. Außerdem hatte ich mich im November 2018 mit Psalm 121 beschäftigt, wo zu lesen ist: „Woher wird meine Hilfe kommen? Meine Hilfe kommt von dem Herrn.“ Genau das wurde wahr.

Das alles durfte ich erleben in den Monaten nach Martins Tod, mit all den umwälzenden Veränderungen und Umstellungen. Ich habe oft gebetet: „Jesus hilf mir!“ Und? Gott war da und hat mir immer wieder Helfer geschickt, die mich bei notwendigem Papierkram unterstützt oder mir beim Umzug zu Corona-Zeiten geholfen haben. Überall durfte ich sein Eingreifen und seine Hilfe erleben. Vieles geschah genau zum richtigen Zeitpunkt.
 

Gott schenkt neue Prioritäten

Die veränderte Situation hat mich näher zu Gott gebracht. Wo ich mich vorher oft auf meinen Mann verlassen habe, ist jetzt Gott an diese Stelle getreten. All das macht mich sehr dankbar, und das sage ich Gott jeden Abend. Ich schaue auf die Dinge, die gut sind, oder die Situationen, in denen ich erlebt habe, wie er mich versorgt.

Die unmittelbare Berührung mit dem Tod hat mich verändert. Ich versuche, den Augenblick zu genießen und ganz bewusst im Hier und Jetzt zu leben und mich den Menschen ganz zu widmen, denen ich gerade begegne. Mir sind Freundschaften wichtiger geworden. Und ich lese wieder regelmäßiger in der Bibel.

Im letzten Vers von Psalm 121 heißt es übrigens: „Der Herr behütet dich, wenn du kommst und wenn du wieder gehst, von nun an bis in Ewigkeit.“ Ich durfte erleben, dass Gott meinen Mann bis zum Ende begleitet hat. Und ich bin sicher, an der Schwelle des Todes hat er ihm die Hand gereicht, um ihn mit in die Ewigkeit zu nehmen.


Cornelia Mandt arbeitet bei ERF Medien im Bereich IT & Services im Helpdesk und ist u. a. für den zentralen Einkauf zuständig.


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Ihr Kommentar

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Kommentare (3)

Ulrich G. /

Vielen Dank für Ihren Beitrag, der mir Mut macht. Am 7.FEB ist meine Mutter gestorben und mein Vater hatte Corona und war lebensbedrohlich erkrankt - Gott sei Dank hat er überlebt und ist nun wieder mehr

Brigitte S. /

Herzl. Dank, mir wurde neu bewusst, dass ich immer auf Gottes Wort hören soll, egal in welcher Situation ich mich befinde. Der Psalm 121 wird mich künftig begleiten, gerade in der jetzigen Krise, wenn die Familie nur selten und nicht kpl. Zusammen kommen darf.

Antonietta L. /

Danke für Ihren wertvollen Bericht, der mich in einer ähnlichen Situation sehr bestärkt.

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