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Brasilien ohne Rückflug

Acht Wochen Quarantäne und trotzdem glücklich – über einen außergewöhnlichen 75. Geburtstag.


Ihren 75. Geburtstag am 2. Mai 2020 musste Marli Spieker ganz anders feiern als geplant. Denn die Feier fand ohne große Party, Familie und Freunde statt. Die rüstige Dame und Gründerin der weltweiten Radiosendereihe „Women of Hope“ (Frauen mit Hoffnung) sitzt nun schon seit über einem Monat in einem großen Wohnkomplex in Südbrasilien fest und verlässt wegen der Coronapandemie kaum das Haus.

Marli Spieker und ihr Mann Edmund bei einem Spaziergang. (Bild: Marli Spieker)
Marli Spieker und ihr Mann Edmund bei einem Spaziergang. (Bild: Marli Spieker)

Dort hat die gebürtige Brasilianerin Anfang Mai auch ihren 75. Geburtstag begangen – nur mit ihrem Ehemann Edmund und fernab der Heimat in den USA, wo die beiden ihren Hauptwohnsitz haben. Der geplante Rückflug aus Brasilien wurde nämlich wegen Covid 19 gestrichen – ebenso wie alle weiteren entsprechenden Flüge. Doch von guter Laune und Kreativität lässt sich Marli Spieker trotz der aktuellen Einschränkungen in ihrem Alltag nicht abbringen.

Von guter Laune und Kreativität lässt sich Marli Spieker trotz der aktuellen Einschränkungen in ihrem Alltag nicht abbringen.

 

Engagement für Bedürftige

Die Brasilianer sind von Natur aus optimistisch und fröhlich. Obwohl die Pandemie viele Menschen in Brasilien schwer getroffen hat, spürt man davon nicht so viel – berichtet Marli Spieker.
 

 

Ein großes Problem hätten allerdings die sozial schwachen Menschen. Sie leiden besonders an der sich verschlechternden wirtschaftlichen Lage. Deshalb unterstützen Marli und ihr Ehemann Aktionen von Kirchengemeinden und Hilfswerken. Sie können das tun, ohne dafür ihre Wohnung verlassen zu müssen. Edmund telefoniert oft stundenlang, um Projekte für Bedürftige zu koordinieren. Von seinem sozialen Engagement kann ihn so leicht nichts abhalten!
 

Moderne Technologie als Segen

Was das ältere Ehepaar außerdem tut: Beide nutzen soziale Medien, E-Mails und Telefonate, um mit ihrer Lebenserfahrung seelsorgerlich und mit praktischen Ratschlägen Menschen in der Krise beizustehen. „Die Kommunikation mit moderner Technologie ist in dieser Situation ein großer Segen für uns geworden“, sagt Marli. Sie erzählt, dass sie sich während des Lockdowns bisher nie allein gefühlt habe, nicht einmal an ihrem Geburtstag. Freunde und Verwandte aus aller Welt haben ihr über das Internet „Happy Birthday“ gesungen.
 

Auch Sie können bei Women of Hope mitbeten. Jeden Monat veröffentlichen wir den WoH-Gebetskalender auch in deutscher Sprache. Im Juni geht es um das Thema „Flüchtlinge“. Hier zum Newsletter anmelden oder Gebetsbrief direkt als PDF downloaden.

Noch vor einigen Jahren hat die Rentnerin ein Projekt betreut, das sie selbst ins Leben gerufen hat: Women of Hope – eine weltweite Gebetsbewegung und Radiosendereihe für Frauen. Dadurch ist sie erfahren darin, moderne Technik zur Kontaktpflege zu nutzen. Doch die einfachste und schnellste Kommunikation bleibt für Marli Spieker immer das Gebet. Ein Gebet schafft auch in Zeiten der verordneten Distanz eine Beziehung zu Gott und gleichzeitig Nähe zwischen Menschen.

Die einfachste und schnellste Kommunikation bleibt für Marli Spieker das Gebet. Ein Gebet schafft auch in Zeiten der verordneten Distanz eine Beziehung zu Gott und gleichzeitig Nähe zwischen Menschen.

 

Auch körperlich hält sich die 75-jährige fit. Begeistert erzählt sie, dass sie täglich bis zu 12.000 Schritte im Wohnkomplex zurücklegt – als Sportersatz. Der digitale Schrittzähler motiviert sie dabei.
 

Ausbruch aus der Quarantäne

52 Tage haben Marli und Edmund ununterbrochen in der Wohnanlage verbracht – inklusive Social Distancing. Weil Besuche nicht erlaubt sind, hält Marli Verbindungen aufrecht, indem sie Nachbarn selbst gebackene Kekse vorbeibringt. Das macht sie auch als kleines Dankeschön für die jungen Leute, die ihr Einkäufe mitbringen und vor die Haustür stellen.
 

Ein Strandausflug (Bild: Marli Spieker)
Ein Strandausflug (Bild: Marli Spieker)

Trotzdem wollte sie sich nach so langer Zeit unbedingt auch selbst einmal ein paar Schritte weg von ihrer Haustür wagen. Deshalb sind Marli und Edmund am 53. Tag ihrer Quarantäne für neun Stunden „ausgebrochen“ – rausgefahren in die Berge, zum atlantischen Regenwald und direkt ans Meer. Weil man den Strand nicht betreten darf, haben sie im Auto ein Picknick gemacht – genau dort, wo sie vor 54 Jahren ihre Flitterwochen verbracht haben. „Es war herrlich. Dieser eine Tag, an dem wir durch die Gegend gefahren sind und die Natur bestaunt haben, kam mir wie ein langer Urlaub vor!“, erinnert sich Marli.

Sie bleibt trotz der aktuellen Einschränkungen optimistisch: „Ich wünsche, dass wir hoffnungsvoll auf unser Leben schauen. Am Ende könnten wir dankbarer aus dieser Krise herausgehen als vorher. Wir sind uns dann vielleicht noch mehr bewusst darüber, dass Gott, unser Schöpfer, die Kontrolle über das Universum behält und dass unser Leben in seinen Händen liegt.“

Ich wünsche, dass wir hoffnungsvoll auf unser Leben schauen. Am Ende könnten wir dankbarer aus dieser Krise herausgehen als vorher. – Marli Spieker, Gründerin Women of Hope

 

Marli und ihr Mann Edmund beeindrucken mit ihrer positiven Lebenseinstellung. Sie machen deutlich: Im Notfall können wir auf so manches verzichten, nicht aber auf Dankbarkeit und kreative Ideen!
 


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