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Leben unter neuem Vorzeichen

Ungewollt von den eigenen Eltern erlebt Oibek, dass Gott Großes mit ihm vorhat.


Er kam zum falschen Zeitpunkt. Er war eine Last. Unpassend. Also weg mit ihm. Wie ein Paket wurde er vor einer fremden Haustür abgelegt. Nur war seine Mutter keine Postbotin und er keine bestellte Lieferung.

Unerwünscht zu sein – das ist das Vorzeichen, unter dem Oibeks* Leben in Zentralasien begann.

Trotzdem hatte er Glück. Es gab eine Familie, die ihn aus dem Kinderheim mitnahm und  adoptierte. Bei ihnen fand er ein Zuhause. Trotzdem hatte er immer gespürt, dass etwas nicht stimmte.
 

Verbitterung und Rache

Als er später die Wahrheit über seine Herkunft erfährt, ist auf einmal nichts mehr, wie es war. Die Ablehnung sitzt tief. Oibek fühlt sich ungeliebt und wertlos. Er fühlt sich ungerecht behandelt und wird wütend auf diese zwei Menschen, die seine Eltern hätten sein müssen. Denn er war doch ihr Baby und ihnen anvertraut.

Aber sie wollten ihn nicht. Sie hatten ihn allein gelassen. Am liebsten will Oibek ihnen alles sagen, ihnen ihr Versagen und ihre Schuld vorhalten. Seine Enttäuschung wird immer größer. Schließlich beginnt er seine leiblichen Eltern für das zu hassen, was sie ihm angetan haben. Er schmiedet Rachepläne und macht sich auf die Suche nach ihnen. Er will Gerechtigkeit. 
 

Eine neue Perspektive

Mitten in dieser Situation passiert etwas Unerwartetes: Oibeks ganzes Leben schlägt plötzlich eine neue Richtung ein. Durch einen Freund aus seinem Wohnblock hört er das erste Mal von Jesus. Er erfährt, dass Jesus jeden Menschen liebt und für alles Leid, alle Enttäuschung, jeden Fehler gestorben ist. Dadurch ist es möglich als Gottes Kind zu leben. Oibek ist sofort begeistert. Bedingungslos geliebt und angenommen werden, das will er unbedingt. Oibek entscheidet sich, sein Leben mit Jesus zu führen und so ein Kind Gottes zu werden. Endlich ist da ein wirklicher Vater; einer, der ihn liebt, ja, der ihn geschaffen hat und ihn wollte – von Anfang an.

Endlich ist da ein wirklicher Vater; einer, der ihn liebt, ja, der ihn geschaffen hat und ihn wollte – von Anfang an. – Oibek aus Zentralasien

 

Dieses neue Leben hat Auswirkungen: Oibek spürt, wie die Hassgefühle gegen seine Eltern schwächer werden und seine Verbitterung verraucht. Als er seine Mutter endlich findet, will er sich immer noch mit ihr aussprechen. Aber jetzt nicht mehr, um ihr Vorwürfe zu machen. Schließlich lernen sie sich kennen und Oibek kann ihr sagen, wie sehr er darunter leidet, dass sie nichts mit ihm zu tun haben wollte. Dann geschieht ein Wunder: Er kann seiner Mutter vergeben und mit seiner Kindheit Frieden schließen.
 

Verdächtigt

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Nach seiner Bekehrung hatte Oibek sich einer kleinen christlichen Gemeinde angeschlossen, die sich schnell vergrößert. Diese brauchen nun einen Pastor. Das ist meine Aufgabe, spürt Oibek. Er wird in das Pastorenamt berufen und engagiert sich als Gemeindegründer. Menschen von Jesus zu erzählen und sie im Glauben zu fördern wird zu seiner großen Leidenschaft.

Aber es passt den staatlichen Behörden gar nicht, dass Oibek den Menschen von Jesus erzählt. Unter fadenscheinigen Gründen wird er verhaftet und auf das Polizeirevier gebracht. Die Beamten fragen ihn, warum er Christ geworden ist und nicht mehr nach der Religion des Landes lebt. Oibek nutzt die Gelegenheit, um davon zu erzählen, wie er durch Jesus zu jemandem wurde, der Menschen liebt anstatt sie zu hassen. Oibek kann keine Schuld nachgewiesen werden und er darf wieder gehen. Er ist noch einmal mit dem Schrecken davon gekommen.

Aber von nun an ist klar: Mit seinem Glauben erregt Oibek Aufmerksamkeit. Die Polizei hat ihn im Visier. Es dauert nicht lange, da stehen Polizeibeamte mit einem Durchsuchungsbefehl vor seinem Haus. Auf der Suche nach verbotenem Material reißen sie Wände und Böden auf. Sein Computer und diverse Literatur werden beschlagnahmt. Oibek wird unruhig. Was, wenn sie ihn wegen der gespeicherten Predigten auf seinem PC und der christlichen Bücher zu einer Haftstrafe verurteilen? Wird das hier das Ende seiner Gemeindearbeit sein?
 

Auf der Flucht

Oibek will sich nicht geschlagen geben. Jetzt oder nie, denkt er. Impulsiv nutzt er einen Moment der Unaufmerksamkeit. Er flüchtet aus seinem Haus, nur mit der Kleidung, die er trägt. Ab jetzt gilt er als Terrorist und wird zur Fahndung ausgeschrieben. Wieder bekommt Oibek zu spüren: Er ist nicht erwünscht. Und wieder hat Oibek Glück. Er findet Unterschlupf bei Freunden. Nun steht er vor einer schwierigen Entscheidung: Soll er fliehen und seine Familie zurücklassen? Oder soll er bleiben und sich verhaften lassen? Seine Freunde raten ihm zu fliehen.

Durch wundersame Begebenheiten gelingt es ihm tatsächlich, das Land zu verlassen. Es dauert lange, bis die Ausreise seiner Familie geregelt ist. Nach einem Jahr können sie in die neue Heimat nachkommen. Endlich hat er sie wieder! Die Freude ist groß und die Familie beginnt ein neues Leben. Aber die Vergangenheit holt Oibek auch an diesem Ort ein. Eines Tages wird er vor seiner Haustür abgepasst. Seine Frau beobachtet bestürzt vom Küchenfenster aus, wie bewaffnete Männer ihn niederschlagen und ihm einen Sack über den Kopf stülpen. Dann schubsen sie ihn in einen Bus und nehmen in mit. Niemand weiß, wohin Oibek gebracht wird. Die nächsten Tage sind für seine Frau kaum zu ertragen. Sie macht sich große Sorgen um ihren Mann und hat Angst, ihn niemals wiederzusehen. Doch nach einigen Tagen steht ihr Mann wieder vor der Haustür. Oibek wurde frei gelassen, denn die Kidnapper haben erkannt, dass er kein Terrorist, sondern Christ ist.
 

Leben unter dem Vorzeichen Jesu

Trotz solcher Gefahren lässt Oibek sich nicht einschüchtern oder entmutigen. Er hat in seiner neuen Heimat wieder eine Gemeinde gegründet und produziert eine Reihe von Radioprogrammen in seiner Muttersprache, die in seiner alten Heimat ausgestrahlt werden. Trotz der Bedrohungen lebt Oibek weiter mutig seinen Glauben. Denn er ist begeistert davon, dass Jesus sein Leben unter ein neues Vorzeichen gestellt hat. Jesus hat bedingungslos und zu hundert Prozent „Ja“ zu Oibek gesagt, obwohl seine Eltern damals „Nein“ sagten. Diese neue Perspektive will Oibek auch anderen Menschen weitergeben.

Jesus hat bedingungslos und zu hundert Prozent „Ja“ zu Oibek gesagt, obwohl seine Eltern damals „Nein“ sagten. Diese neue Perspektive will Oibek auch anderen Menschen weitergeben.

 


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