Interview Lesezeit: ~ 3 min

Jung verheiratet und krebskrank

Dr. Andreas Penno erzählt, was ihm nach der Diagnose Hoffnung gegeben hat.

2002 macht Dr. Andreas Penno Flitterwochen am Mittelmeer. Zehn Wochen lang ist das frischgebackene Ehepaar mit dem VW-Bus und Surfbrettern unterwegs an Europas Stränden. Traumhaft schön – doch während des Urlaubs bemerkt der junge Mediziner einen auffälligen Lymphknoten. Wieder zuhause lässt sich Dr. Penno untersuchen und bekommt die Diagnose: Krebs.
 

ERF Medien: Wie ging es Ihnen, als Sie von der Krebs-Diagnose erfahren haben?

Dr. Andreas Penno (Bild: Carsten Meier / ERF Medien)
Dr. Andreas Penno wird plötzlich selbst Patient. (Bild: Carsten Meier / ERF Medien)

Dr. Andreas Penno: Es war wirklich ein Schock. Anfangs wollte ich es nicht wahr haben. Ich habe mich immer gewundert, warum ich beim Surfen wenig Kondition hatte und schon nach zehn Minuten aufhören musste. Eines Tages habe ich einen Knoten unter dem Arm entdeckt, eine schmerzlose Schwellung. Zuerst meinte ich, es sei irgendetwas Harmloses. Aber schon bald stand die Diagnose fest. Es wurden auch zwei weitere Herde in der Leber gefunden. Schließlich wurde ein hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Also eine ziemlich bösartige Form von Lymphdrüsenkrebs, die schnell wächst und sich schnell ausbreitet. Aber Gott sei Dank konnte man diesen Krebs schon damals gut behandeln. Also mit hoch dosierter Chemotherapie und Zytostatika.

Ein Arzt wird Patient
 

ERF Medien: Wie sah die Prognose der Ärzte aus?

Dr. Andreas Penno: Ich bekam eine Fifty-Fifty-Prognose: Wenn die Medikamente anschlagen und die Herde einschmelzen würden, hätte ich die Chance zu überleben. Das war wie ein Schlag vor den Bug. Meine Frau wäre vielleicht bald eine junge Witwe. Ich habe dann Chemotherapie gemacht, sechs Zyklen mit allem, was gut und giftig ist. Das war eine echt harte Zeit, in der ich teilweise auf allen Vieren ins Bad gekrochen bin. Außerdem hatte ich eine offene Mundschleimhaut und konnte kaum etwas essen und trinken. Also ich kann jeden verstehen, der unter dieser Therapie leidet. Aber es hat sich gelohnt. Ich habe es überlebt. Und seitdem – das ist jetzt 16 Jahre her - gelte ich als geheilt.

„…dann bist du eben der erste von uns im Himmel.“
 

ERF Medien: Was hat Ihnen in der Zeit des Überlebenskampfes Hoffnung gegeben?

Dr. Andreas Penno: Ein Freund sagte damals zu mir: „Andreas, wenn du das hier nicht schaffst. dann bist du eben der erste von uns im Himmel.“ Ich fand das zwar ein bisschen hart, aber er hatte Recht. Im Angesicht des Todes hat mich diese Hoffnung auf das Paradies wirklich getröstet. Ich wusste, egal wie es ausgeht: für mich ist gesorgt. Sei es im Diesseits durch die Liebe meiner Frau oder im Jenseits durch eine Wohnung im Himmel – dann erlöst von allen Schmerzen und Leiden. Ich war damals noch jung, zu jung zum Sterben – denkt man. Aber es gibt genügend Geschichten von Menschen, denen kein langes gesundes Leben gegönnt ist.

Für meine Frau wäre es sehr hart gewesen, wenn ich gestorben wäre. Sie ist die Liebe meines Lebens. Wir haben den Kampf gegen den Krebs gemeinsam durchgestanden und sind dadurch enger zusammen gewachsen.

ERF Medien: Wie haben Sie Gott in dieser Zeit erlebt?

Dr. Andreas Penno: Ich habe Gott als unterstützenden Faktor erlebt. Mir war bewusst: Christen passiert das genauso, wie allen anderen Menschen auch. Sie werden krank. Sie erleben Schicksalsschläge. Aber Gott ist daran nicht schuld und auch ich selbst bin nicht daran schuld.

ERF Medien: Es gibt ja auch Menschen, die machen Gott Vorwürfe. Warum ausgerechnet ich? Warum bin ich so krank geworden?

Dr. Andreas Penno: Auf solche Gedanken bin ich gar nicht gekommen. Irgendwie war es vielleicht auch schon der tiefe Friede der vorausgenommenen Genesung, dass ich ahnte, es geht gut aus. Und wenn nicht, dann bin ich eben im Himmel.

Coach statt „Halbgott in Weiß“
 

ERF Medien: Hat diese schwere Erfahrung Ihre Arbeit als Allgemeinmediziner verändert? Gehen Sie mit Ihren Patienten nun anders um?

Dr. Andreas Penno: Ja, auf jeden Fall. Es war sehr heilsam. Also es hat mich vor allen Dingen demütiger gemacht. Ich behandele meine Patienten nicht von oben herab, unsere Begegnungen finden auf Augenhöhe statt. Ich bin nicht der belehrende „Halbgott in Weiß“, der ihnen sagt, was gut und richtig ist, sondern eher ihr Coach. So kann ich Patienten zum Experten ihrer eigenen Erkrankung machen. Jeder hat ja auch ein Selbstbestimmungsrecht und kann entscheiden, ob er die Medikamente einnimmt, die ich ihm verschreibe oder nicht. Das respektiere ich. Tatsächlich hat sich mein Verhältnis zu den Patienten sehr verändert.

ERF Medien: Dr. Andreas Penno, vielen Dank für das Gespräch.
 

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