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Angefochten, aber nicht verlassen

Es lohnt sich, Gott trotz Widerständen und Verfolgung zu vertrauen. Eine Hörergeschichte aus der Ukraine.

Das Leben fordert uns oft heraus, Entscheidungen mit großer Tragweite zu treffen. Sich für Gott zu entscheiden, fällt nicht jedem Menschen leicht; vor allem dann nicht, wenn er in einem sowjetischen Staat lebt und als Konsequenz seiner Entscheidung etwas anderes opfern muss: Ansehen bei Mitmenschen, Gleichberechtigung in Schule oder am Arbeitsplatz. Trotzdem hat Mykhailo Pishtoi sich schon früh für Jesus entschieden und das nie bereut.

Mykhailo wurde im Süden der Ukraine geboren. Als er ein Jahr alt war, kamen seine Eltern zum Glauben. Was das in der sowjetischen Ukraine bedeutete, erfuhr er schon früh. Den ersten Glaubenstest erlebte Mykhailos Familie, als seine Eltern an einem öffentlichen Tauffest teilnahmen. Der Führer der kommunistischen Partei des Dorfes befahl den Gläubigen aufzuhören, zog seine Pistole und begann ziellos in die Luft zu schießen. Die Gläubigen setzten das Tauffest mutig fort. Gott sei Dank wurde niemand verletzt.

Spott, psychischer Druck und schlechte Noten

Als Mykhailo in der siebten Klasse war, entschieden die Lehrer, ihre gläubigen Schüler zum kommunistischen Standpunkt umzuerziehen. Jeden Tag musste Mykhailo den Spott seines Schuldirektors ertragen. „Mein Direktor merkte nicht einmal, dass sein täglicher Spott nur dazu führte, dass ich meine Bibel noch sorgfältiger las,“ sagt Mykhailo heute. Eines Tages zitierte ihn der Direktor zu sich ins Büro. „Ich werde eine andere Methode gegen dich anwenden. Ich werde deine Religion aus dir herausschlagen“, sagte er zu dem Jungen.

Er tat es letztlich nicht. Stattdessen übte er enormen psychischen Druck auf Mykhailo aus. Dieser Druck lastete während seiner gesamten Schulzeit auf dem jungen Schüler. Weil er aus einer christlichen Familie kam, gaben ihm die Lehrer schlechte Noten. Bei seinem Schulabschluss erhielt Mykhailo ein Papier mit einem kurzen Vermerk, das ihn für sein Leben charakterisierte: „Seine Eltern sind Baptisten.“ Mit diesem Vermerk würde ihn keine Universität oder ein anderes Institut für ihr Bildungsprogramm akzeptieren. „Du bist ein Feind unseres Staates. Mit so einem Papier kannst du nur ins Gefängnis gehen,“ erklärt Mykhailo rückblickend.

Gebet im Angesicht des Todes

Nach seinem Schulabschluss begann Mykhailo in einer Baubrigade zu arbeiten, wurde aber nur kurze Zeit später ohne jegliche Erklärung gekündigt. Mykhailo wusste, dass es wegen seines Glaubens war.

Dann kam für ihn die Zeit, seinen Militärdienst abzuleisten. Der KGB Major versuchte oft, ihn zu überreden, seinen Glauben aufzugeben. Es war eine sehr schwierige Zeit für Mykhailo. Man erzählte ihm permanent, dass er ein Feind des sowjetischen Volkes sei. „Dir fehlt nicht nur das Recht in einem sowjetischen Land zu leben, du hast überhaupt kein Recht zu leben“ bekam er zu hören.

In einer dunklen Nacht wurde er von drei Soldaten geweckt. Sie schleppten ihn nach draußen, an einen Ort in der Nähe einer Baracke. Dann fragten sie ihn, ob er Baptist sei. Mykhailo antwortete: „Ich bin es, und ihr wisst das.“ Einer der Soldaten attackierte ihn mit einem Messer in den Rücken, und ein anderer Soldat sagte: „Du hast eine Minute, um nachzudenken. Du wirst entweder deinem Glauben abschwören und einer von uns werden, oder wir bringen dich um.“ Mykhailo antwortete: „Ich danke euch. Diese Minute möchte ich nutzen, um zu Gott zu beten – für mich und für euch. Sobald ich ‚Amen‘ sage, könnt ihr machen, was ihr wollt.“ Daraufhin schlugen die Soldaten ihm in den Rücken und gingen weg. Gott hatte Mykhailos Leben bewahrt.

TWR-Programme als Bibelstudium

Während dieser Zeiten der Verfolgung hörten Mykhailo und seine Familie regelmäßig christliche Radiosendungen. „Wenn wir freie Zeit hatten und nicht arbeiten mussten, hörten wir immer die TWR Programme. Sie inspirierten uns. Die TWR Sendungen waren etwas Besonderes, denn ich wollte wirklich die Bibel studieren, doch ich hatte keine Möglichkeit, meinen Traum wahrzumachen. Durch die Sendungen bekam ich geistliche Unterstützung. Es ist bemerkenswert, dass mir selbst in der Armee einige Soldaten ein Transistorradio brachten, um ukrainische und russische Volkslieder zu hören, die ich ebenfalls liebte. So konnte ich die Sendungen von TWR selbst in der Armee hören.“

Für eine lange Zeit waren die TWR-Programme für Mykhailo die einzige Möglichkeit, die Bibel intensiver kennenzulernen und zu studieren. Viele Jahre später, als der Eiserne Vorhang fiel und die Ukraine unabhängig wurde, ging Mykhailos Traum dann schließlich in Erfüllung. Er durfte die Bibel noch einmal an einem Bibelinstitut studieren. Mykhailo Pishtoi wurde Pastor und arbeitet heute als Prediger und christlicher Berater.

Hoffnung und Versöhnung für die Ukraine

Zu diesem Zeitpunkt hatte er auch die Möglichkeit, seine ehemaligen Schullehrer noch einmal zu treffen. Einige von ihnen baten ihn um Vergebung. Andere gaben ernsthaft zu, dass sie ihn und andere gläubige Kinder hassten. Mit einigen dieser Lehrer betete Mykhailo und bat Gott, ihnen zu vergeben. Denn als Christ weiß Mykhailo: Versöhnung ist wichtig!

ERF Medien fördert mehrere Radiosendungen unseres ukrainischen Partners. Eine dieser Sendungen richtet sich an Menschen mit Behinderungen. Lesen Sie hier ein Interview mit der Produzentin dieser Sendung. Gerne können Sie unsere Arbeit durch eine Spende unterstützen.

Vergebung und Versöhnung sind auch heute noch ein großes Thema in der Ukraine. Viele Menschen leiden unter der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den prorussischen Separatisten und dem ukrainischen Militär. Deswegen strahlt TWR Ukraine auch die Sendung „Your Chance for Regeneration“ aus. In der Sendung geht es darum, wie man zu einer Haltung der Vergebung und Versöhnung finden kann. Gleichzeitig wird aber auch das Thema, wie man mit dem Verlust geliebter Menschen umgeht, darin nicht ausgelassen.

Durch diese Sendung, aber auch durch ihre anderen Radioprogramme möchte TWR die Menschen in der Ukraine ermutigen und ihnen zeigen, dass Jesus ihnen in jeder Lebenslage neue Hoffnung schenken kann. Mykhailo Pishtoi ist ein lebendes Beispiel, dass dies stimmt.


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