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Die Robin Hoods des Wassers

Mit Wasser etwas Gutes tun. Dirk Krumpholz und Björn Bach glauben an ihre Idee.

Über zwei Männer, die auszogen, um jenen eine Kampfansage zu machen, die sich an dem Allgemeingut „Wasser“ eine goldene Nase verdienen.

Die Robin Hoods im Sherwood Forrest der Wasserkartelle. So könnte man Dirk Krumpholz und Björn Bach beschreiben. Die beiden Mittdreißiger aus Netphen verkaufen Wasser, „57 Wasser“. Das Besondere: Im Gegensatz zu vielen Großkonzernen verfolgen die beiden mit ihrem Mineralwasser keine Profitabsichten, sondern wollen einen Teil ihres Umsatzes für soziale Projekte spenden, über die jeder auf Facebook abstimmen kann.

Die Idee für „57 Wasser“ hatte Krumpholz auf einer Geschäftsreise in China. Dort fühlt er sich abgeschnitten von der Welt. In der Provinz sprach niemand flüssig Englisch, das Internet war abgeriegelt, ein Informationsaustausch nicht möglich. Zwischen seinen geschäftlichen Terminen hatte Krumpholz viele Stunden Zeit, um nachzudenken. „Man geht abends mit dem Hamsterkostüm ins Bett, damit man am anderen Morgen schneller ins Rad kommt!“, beschreibt er seine damalige Situation. „Schuften wie ein Tier, nur damit man sich einen noch flacheren Smart TV und ein dickeres Auto leisten kann.“ Das reicht Dirk Krumpholz einfach nicht.

Während er, mitten in China, in seinem Hotelzimmer saß, beschloss er, ein Projekt zu starten, das „Sinn“ ergibt. Angestoßen von den Wasserkämpfen in Zentralasien und der damaligen aktuellen Debatte zur UN Resolution über den Zugang zu sauberem Trinkwasser, entschloss er sich mit Wasser etwas „Gutes“ zu tun.

Visionär mit 16 Jahren

Mit 16 hat Dirk Krumpholz die Schule abgebrochen und ein eigenes Unternehmen gegründet. Im Jahr 2000 ist der 17-jährige einer der jüngsten Unternehmer Deutschlands. Seine Idee: Er will das aufstrebende Internet nutzen und Unternehmen Webseiten programmieren. Sein erster Auftraggeber, ein örtliches Blumengeschäft, verprellt ihn gleich. Doch er gibt nicht auf und arbeitet sich hoch. Heute hat er eine gut laufende IT- und Softwarefirma und mehrere Mitarbeiter. Aber für Geld, Konsum und Luxusgüter hat er nach wie vor nichts übrig. Er fragt sich mehr und mehr: „Wofür das alles?“ Bis zu dieser entscheidenden Geschäftsreise in China.

Zurück in Deutschland erzählt er seinem besten Freund Björn Bach von der Idee. Stundenlange Kneipengespräche folgen. Dem Umstand, dass Wasserkonzerne mit einem Allgemeingut wie Wasser sehr viel Geld verdienen und auf der anderen Seite in vielen Regionen auf der ganzen Welt Menschen keinen Zugang zu frischem Trinkwasser haben, wollen sie etwas entgegensetzen.

Wasser - ein allgemeines Menschenrecht

Doch warum ist ein Projekt wie „57 Wasser“ überhaupt notwendig? Schließlich wurde Ende Juli 2010 der Zugang zu sauberem Trinkwasser von der UN zum allgemeinen Menschenrecht erklärt. Man könnte, ja müsste daraus folgern, dass die Versorgung mit Trinkwasser nicht den Geschäftsinteressen von Wirtschaftskonzernen unterworfen sein darf. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Ein Beispiel dafür ist Südafrika: Dort ist die Wasserverarbeitung größtenteils privatisiert. Die Regierung vergibt die Wasserlizenzen an die großen Konzerne. Das Ziel: wirtschaftliches Wachstum. Dieses Wasser wird dann weltweit verkauft, auch die deutschen Supermarktregale sind voll davon. Doch die Menschen, die direkt neben der Abfüllanlage wohnen, finden zwar Arbeit in den Fabriken, aber ihnen bleibt der Zugang zu sauberem Trinkwasser oft verwehrt. Und das für Jahrzehnte, denn die Lizenzen werden oft auf 20 Jahre ausgegeben.

Als Dirk Krumpholz und Björn Bach von dieser Not erfahren, spielen die beiden Enthusiasten erst einmal mit dem Gedanken, in Afrika einfach einen Brunnen zu bohren. Doch obwohl die Bilder aus den Medien über die Krisenherde in Afrika spektakulär und aufwühlend erscheinen, halten sie das Brunnenprojekt für nicht weitreichend genug. Vielmehr suchen sie nach einer Idee, die auch hier in Deutschland, in ihrer Nachbarschaft etwas verändern kann.

Sie entscheiden sich, den großen Wasserkonzernen Konkurrenz zu machen, die letztendlich durch ihr Geschäft eine weltweite Ausbeutung der natürlichen Wasserressourcen provozieren – so wie in Südafrika. Doch wie gründet man eine Getränkefirma? Wo soll das eigene Wasser herkommen? Soll man einen neuen Brunnen errichten und eine weitere Industrieanlage zum Abfüllen bauen? Für Krumpholz und Bach ist das kein nachhaltiger Gedanke. Stattdessen wollen sie einen Kooperationspartner finden: einen Mineralwasserhersteller, der ihre Idee unterstützt. Also setzten beide sich ans Telefon und ins Auto und klappern die 110 deutschen Abfüller ab. Überall werden sie abgewiesen. Bis eines Tages ein Anruf aus Hahn kommt. Der Abfüller will die Idee noch mal genauer ausgeführt haben und ist schließlich Feuer und Flamme von ihrer ungewöhnlichen Idee.

Kein Geschäft mit Wasser!

Krumpholz und Bach gründen eine Facebook Gruppe und fordern die Community auf über Inhaltsstoffe, Design und mögliche unterstützbare Projekte abzustimmen. Das ist auch das Besondere, schwärmt Bach: „57 Wasser ist ein absolutes Mitmach-Projekt.“ Wo manch einer einen Marketing Gag vermutet, ist für Dirk Krumpholz und Björn Bach klar, dass sie eine Botschaft in einer Flasche verkaufen. „Ich will, dass sich die Leute fragen, wie viel sie eigentlich brauchen, um wirklich glücklich zu sein?! Wir in Deutschland sind gesegnet, wir haben einfach genug zum Leben und wir können davon eine ganze Menge abgeben“, erklärt Krumpholz.

Mittlerweile wird „57 Wasser“ in über 60 Märkten zwischen Siegen und Köln verkauft. Das Besondere: 57 Prozent vom Bruttogewinn werden an Organisationen und Projekte gespendet. So kamen in den ersten drei Existenzjahren über 30.000 Euro für über 20 Projekte und Initiativen zusammen. Zum Beispiel können in Bangladesch durch ein Socialprojekt 20 Kinder ein Jahr kostenlos in die Schule gehen und bekommen noch obendrauf das Mittagessen umsonst. Ein anderes Projekt setzte direkt in Deutschland, nachdem in einer KITA der Nachbargemeinden der Initiatoren ein Rohrbruch die Küche völlig zerstört hatte. Mit dem Geld von 57 Wasser bekam die KITA eine neue Küche und für die Übergangszeit das Essen geliefert.

Krumpholz und Bach müssen und wollen mit „57 Wasser“ nicht reich werden. Ihr Engagement für das Projekt ist rein ehrenamtlich. Beide haben Familie und Vollzeitjobs, deswegen können sie den größten Teil der Einnahmen spenden und kommen finanziell bei „Null“ raus. Aber der persönliche Gewinn ist immens. „Ich fühle mich irgendwie wie der Robin Hood des Wassers, weil ich den Gewinn am Wasser nicht in die eigene Tasche stecke, sondern ihn an die Bedürftigen weiter verteile. Das macht mich glücklich!“, sagt Dirk Krumpholz und Björn Bach erwidert: „Das sehe ich genauso!“

 

Kommentare

Von maja am .

dass die beiden unternehmer fast die hälfte ihres gewinns aus dem wasserverkauf spenden, finde ich einfach klasse und hut ab. dennoch erscheint mir der titel "robin hood des wassers" mächtig übertrieben. worum geht es denn hier? aus dem bestehenden brunnen eines deutschen mineralwasserherstellers wird abgefülltes wasser gekauft; in einem land, in dem die bewölkerung unbegrenzten zugang zu sauberem wasser hat und bestimmt mehr als 100 wassermarken in den regalen stehen. das ganze wird clever mehr

Von Roman am .

Finde ich SUPER ! ! !
Cool - weiter so - der Herr segne euch ! ! !


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