Portrait Lesezeit: ~ 4 min

Ein Milliardär auf kleinem Fuß

Heinz-Horst Deichmann: Ein Christ in Wort und Tat

Jeden Tag las Heinrich Deichmann seinen Kindern aus der Bibel vor. Der kleine Heinz-Horst, das Jüngste von fünf Kindern und der einzige Sohn der Familie, lauschte gespannt. Er war beeindruckt von dem, was dieser Jesus alles für ihn getan hatte. „Herr, ich bitte dich in mein Leben. Ich möchte dir mein Leben widmen“, so könnte das Gebet des damals elfjährigen Heinz-Horst gelautet haben, als er beschloss, sein Leben in Jesu Hände zu geben. Diese Entscheidung für Jesus sollte sein Leben prägen.

Sein Vorbild im Glauben war der Vater Heinrich. Dieser las seinen Kindern nicht nur aus der Bibel vor, sondern lebte auch danach. Er war ein Christ in Wort und Tat. Schon früh nahm er seine Kinder mit, wenn er Kranke besuchte oder Armen etwas zu essen brachte. Das tat er, obwohl sie selbst nicht reich waren, denn Heinrich Deichmann besaß nur einen kleinen Schuhladen. Diesen hatte er 1913 mit seiner Frau Julie gegründet. Heinrich ahnte damals nicht, dass er damit den Grundstein eines milliardenschweren Unternehmens gelegt hatte.

Liebe auf den ersten Blick

Während des zweiten Weltkrieges wurde Heinz-Horst eingezogen. Er teilte damit das Schicksal vieler anderer junger Männer. Auch er wäre beinahe Opfer des Krieges geworden. Ein Schuss ging glatt durch seinen Hals, nur wenige Millimeter an der Halsschlagader vorbei. Er selbst sieht es als göttliche Fügung, dass er diese Verletzung überlebte. Diese Erfahrung festigte den Entschluss, Jesus sein Leben zu widmen.

Als er nach Ende des Krieges endlich nach Hause kam, musste er feststellen, dass einiges zu tun war: „Ich kam im Mai 1945 aus dem Krieg nach Hause und musste erst einmal unser Geschäft in Essen reparieren." Nach dem Tod seines Vaters 1940 hatte seine Mutter die Leitung des Unternehmens übernommen. Geschäftsführer wollte Heinz-Horst zu diesem Zeitpunkt eigentlich nicht werden. Er wollte Gott dienen und hatte ein Leben als Missionsarzt vor Augen.

Doch das Geschäft hielt ihn in Essen. Er studierte zwar Medizin und Theologie, half aber seiner Mutter bis in die späten Abendstunden in der Firma. Er schaffte es, trotz der Doppelbelastung, das Studium erfolgreich abzuschließen und zu promovieren. Danach arbeitete er als Orthopäde. In dieser Zeit verliebte Heinz-Horst sich unsterblich in die Lehrerin Ruth Fischer. Es war Liebe auf den ersten Blick. Die beiden heirateten 1950 und waren bis zu Ruths Tod 2008 glücklich verheiratet.

Er blieb immer demütig und bescheiden

1956 beendete Heinz-Horst seine aktive Zeit als Arzt und übernahm die Leitung des Familienbetriebs.  Von da an wuchs das Unternehmen stetig. In den folgenden Jahren breitete sich Deichmann in ganz Europa aus. 1984 wagte man den Sprung über den „Großen Teich“ und übernahm die amerikanische Firma Lerner Shoes. Bis heute ist Deichmann in 23 Ländern aktiv und hat über 3000 Filialen. In einem Jahr verkauft Deichmann etwa 150.000.000 Paar Schuhe.

Trotz all dieser Erfolge blieb Heinz-Horst immer demütig und bescheiden. „Ich habe das Geld empfangen zum Dienst für andere Menschen“, äußerte er sich in der ERF Sendung „Hof mit Himmel“. Die Liebe zu Jesus merkt man ihm deutlich an. Ein Gespräch mit ihm wird leicht zu einer Predigt. Über Jesus zu reden, erfüllt ihn bis heute mit Freude. Doch er redete nicht nur fromm daher, sondern handelte auch dementsprechend.

1977 reiste er mit einem Freund nach Indien. Ihn beeindruckten die großen Unterschiede zu Deutschland. Besonders die Kluft zwischen Arm und Reich schockierte ihn. Als er dort von über hundert Leprakranken umringt war, entschloss er sich zu helfen. Noch im selben Jahr gründete er die Hilfsorganisation „wortundtat“.

„Ein ganz außergewöhnlicher Mann“

Schließen sich Unternehmer- und Christsein nicht gegenseitig aus? Für Heinz-Horst Deichmann nicht. Seiner Ansicht nach trägt ein Geschäftsführer eine große Verantwortung. Wichtig sei es, das Geld nicht über alles wertzuschätzen: „Gott wird mich am Ende nicht fragen, wie viele Paar Schuhe ich verkauft habe. Er wird wissen wollen, ob ich wie ein wahrer Christ gelebt habe.“

Diese Einstellung macht ihn zu einem besonderen Menschen. So sah es auch der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau: „[…]das ist ein ganz ungewöhnlicher, ein ganz außergewöhnlicher Mann.“  Darüber hinaus wurde Heinz-Horst im Jahr 2000 zum indischen Honorarkonsul für das Land Nordrhein-Westfalen (NRW) ernannt. Außerdem erhielt er im selben Jahr das große Bundesverdienstkreuz. Erst kürzlich wurde bekannt, dass er 2014 den Karl-Barth-Preis erhält. Ein Auszug aus der Begründung der Jury lautet: „Deichmann bleibt auch als Unternehmer Christ und Theologe.“

Die Firma soll den Menschen dienen

In diesem Jahr feiert die Firma Deichmann ihr hundertjähriges Bestehen. Mittlerweile ist das Unternehmen zum größten Schuhhandel in Europa geworden. Eines hat sich in dieser Zeitspanne jedoch nicht verändert: Die Grundidee. Heinrich Deichmann hatte sich vorgenommen, Schuhe herzustellen, die für den kleinen Mann erschwinglich und trotzdem qualitativ hochwertig sind. Bis heute lautet die Unternehmensphilosophie: Die Firma soll den Menschen dienen. Deshalb soll die beste Qualität zum niedrigsten Preis angeboten werden.

Die offiziellen Geschicke der Firma übernahm Sohn Heinrich 1999. Ebenfalls durch die väterlichen Werte geprägt führt er das Unternehmen im Sinne von Deichmann Senior weiter. Heinz-Horst sagt dazu: „Ich bin froh darüber, dass es all denen, die mit Deichmann zu tun haben, gut geht. Ich hoffe, dass das in Zukunft auch so bleibt. Mein Sohn ist für mich der beste Gewährsmann dafür.“

Die Liebe zu Jesus hat Heinz-Horst Deichmann sein ganzes Leben lang begleitet. Sie motivierte ihn, sich für Arme einzusetzen und das Evangelium zu verbreiten. Sein Leben ist ein Beispiel für alle Menschen, die ein hohes Amt bekleiden. Mit viel Macht geht auch große Verantwortung einher. Das hat Heinz-Horst Deichmann für sich erkannt.

 

 


Kommentare

Von G. Weller am .

Auch ich freue mich und bin dankbar für solche Persönlichkeiten wie Dr. H Deichmann. Gute Idee, diese Unternehmerfamilie genauer vorzustellen.

Von marina l. am .

Vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!!!

Von Tobias H. am .

Das Unternehmen muss dem Menschen dienen.
Ich finde es einfach toll, wenn Menschen den christlichen Glauben im Unternehmen einbringen und dabei die von Gott verliehene Kreativität einsetzen, um Menschen mit niedrigem Einkommen modische Kleidung zu ermöglichen, Arbeitsplätze zu schaffen, Einfluss zu nehmen in dieser Gesellschaft.
Herzlichen Glückwunsch zum Firmenjubiläum.

Von Harry P. am .

Ich war früher auch kein Fan von Deichmann, egal man wird ja nicht gezwungen dort Einzukaufen.Aber Millionen Kunden sind halt zufrieden.Übrigens, ich kaufe jetzt auch dort. Und es fliesst auch Geld wieder zurück. bis neulich

Von Birgit am .

Bei Deichmann eingucken und mit mehreren Schuhkartons nach erfolgreichem Einkauf nach Hause gehen ist eins! Nicht nur meine Mutter früher sondern auch ich bin begeistert von der Qualität seiner Schuhauswahl, seinem Erfolg und dem Segen, den er weitergibt.

Von Inge K. am .

Hallo,
auch ich, seit 30 Jahren eine wiedergeborene Christin und auch im biblischen Sinne in den Tod Jesu durch Untertauchen getauft, kann mich dem Kommentar von U. Anders anschließen. Nur das Eine weiß ich schon seit mehreren Jahren, daß Herr Deichmann ein bekennender Christ wäre und viel Hilfe leistet. Auch in Bezug auf sein Personal würde er sehr christlich handeln. Doch kaufe auch ich diese minderwertigen Schuhe nicht.
Ein Paradebeispiel von 2002: Meine Schwägerin und ihre Tochter mehr

Von Chrissi am .

Ich habe in sehr vielen Schuhgeschäften einen Turnschuhstiefel gesucht, der die richtige Passform für meine Füße hat und nicht zu teuer ist. Den habe ich nur bei Deichmann gefunden. Erst später erfuhr ich, dass Herr Deichmann viel für den ERF spendet.

Von U. Anders am .

Hallo,
leider empfinde ich den Artikel als einen Blick durch die Rosa Brille. Ich wusste bis heute nicht, dass Unternehmensgründer Deichmann aktiv seine christliche Überzeugung lebt.
Als Kunde von Deichmann war ich immer wieder schockiert über die überwiegend minderwertige Qualität der Schuhe, viel, viel Plastik, schmerzende Füße, weil einfach schlecht produziert. Unerträglicher Plastikgeruch beim Betreten des Geschäfts, weshalb ich die Angestellten immer bedauert habe. Und oft habe ich mehr


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