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Mobbing: Kein Kinderspiel

Mobben bleibt ein akutes Thema. Was sagt eigentlich die Bibel dazu?

Was sagt die Bibel zum Thema Mobbing? Eine spannende Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Denn der Begriff Mobbing entstand erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Daher sucht man in der Bibel vergeblich danach. Doch wurden nicht schon zu biblischen Zeiten Menschen gemobbt?

Bevor man die Bibel zum Thema Mobbing befragt, muss klar sein, was Mobbing überhaupt ist. Der verstorbene Diplompsychologe Heinz Leymann hat eine griffige Definition geliefert, die sich durchgesetzt hat. Demnach bezeichnet Mobbing „negative kommunikative Handlungen (von einer Person oder mehreren Personen), die gegen eine Person (oder mehrere Personen) gerichtet sind und die sehr oft und über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer bestimmen.“

Wenn man es so betrachtet, wurden viele Menschen in der Bibel „gemobbt“ – allen voran natürlich Jesus von den Pharisäern, Paulus von jüdischen Gemeindemitgliedern und im Alten Testament Joseph von seinen Brüdern. Doch wenn Menschen heute über Mobbing sprechen, steckt mehr dahinter als eine anhaltende Abneigung gegenüber einer Einzelperson. Meist kennt man Mobbing vom Arbeitsplatz, aus der Schule und vereinzelt auch aus der Gemeinde. Dem allgemeinen Mobbingverständnis nach werden Menschen systematisch fertig gemacht, bis sie zusammenbrechen und ihren Platz in der Gruppe aufgeben.

Mobber ticken nicht richtig

Diese Beschreibung trifft nun nicht mehr ganz auf die biblischen Charaktere zu. Denn Jesus gab nicht auf oder zerbrach an der ihm entgegengebrachten Feindseligkeit. Er erfüllte seinen Auftrag, indem er am Kreuz starb und von den Toten auferstand. Paulus gründete seinen Widersachern zum Trotz weiter Gemeinden. Und Joseph stieg zum mächtigsten Mann nach dem Pharao in Ägypten auf.

Natürlich stießen letztere unter dem Druck der Außenwelt an ihre Grenzen. Joseph und Paulus litten unter der Abneigungswelle, die ihnen permanent entgegenschlug. Doch sie ließen diese Gefühle und Erfahrungen nicht ihr Leben bestimmen. Erst im Nachhinein wurde deutlich, dass der Druck letztendlich einen entscheidenden Teil zum Lebenswerk der Protagonisten beigetragen hat. Ohne diesen Widerstand wären sie nicht zu den Glaubenshelden geworden, die sie heute für viele Menschen innerhalb und außerhalb der christlichen Gemeinden sind. Und Jesus wäre ohnehin unter allen Umständen seinen Weg bis zum Ende gegangen. Nicht einmal seine engsten Vertrauten hätten ihn vom rettenden Tod am Kreuz abhalten können.

Die Lebensgeschichten all dieser Männer zeigen: Auch wenn die Bibel keine typischen Mobbingsituationen wiedergibt, hat sie trotzdem etwas darüber zu sagen. Denn ein mobbendes Verhalten ist ihr nicht fremd. Verschiedene Bibelstellen beschreiben und beurteilen die Menschen, deren Verhalten stark an die heutige Definition von Mobbing erinnert. Nun soll es nicht darum gehen, eine biblische Lehre über das Mobbing zu entwickeln. Vielmehr soll deutlich werden, was die Bibel denen sagt, die selbst mobben oder gemobbt werden.

Auch wenn die Bibel keine typischen Mobbingsituationen wiedergibt, hat sie trotzdem etwas darüber zu sagen. Denn ein mobbendes Verhalten ist ihr nicht fremd.

 

Jesus stellte heraus, dass ein derart unsoziales Verhalten im Herzen beginnt: „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.“ (Matthäus 15,19). Mit anderen Worten: Niemand wird zum Mobber, weil er einfach nicht anders kann oder zufällig hineinrutscht. Nein, vorher läuft etwas im Herzen des Menschen schief.

Niemand wird zum Mobber, weil er einfach nicht anders kann oder zufällig hineinrutscht. Nein, vorher läuft etwas im Herzen des Menschen schief.

 

Jesus steht zu Mobbingopfern

Man muss sich vor Augen führen, dass Mobber nicht aufgrund ihrer Machtposition im Recht sind. Wer andere mobbt, gibt gleichzeitig das Signal: Ich bin tief in meinem Herzen mit mir selbst nicht im Reinen. Das mag zwar nur ein schwacher Trost für Gemobbte sein, aber es fordert andere heraus, sich selbst vor die Frage zu stellen: „Habe ich dieses Verhalten als Christ wirklich nötig?“ Die Antwort lautet im Grunde immer „Nein“. Die Herausforderung ist also nicht, als Christ überhaupt erst eine Position gegen Mobbing zu beziehen, sondern mutig für diese Werte einzustehen.

Wer andere mobbt, gibt gleichzeitig das Signal: Ich bin tief in meinem Herzen mit mir selbst nicht im Reinen.

 

Mobbing erfordert von Christen also eine klare Meinungsäußerung. Sie können es weder guten Gewissens praktizieren, noch gleichgültig dabei zusehen, wenn andere Menschen Opfer von Mobbing werden. Das Vorbild ist dabei natürlich Jesus selbst. Über ihn wurde gesagt: „Er hat nie gesündigt und nie jemanden mit seinen Worten getäuscht.“ (1. Petrus 2,22) Jesus ließ sich nicht dazu hinreißen, abwertend mit oder über andere Menschen zu reden – selbst wenn es sich dabei um seine Gegner und Erzfeinde handelte.

Jesus ließ sich nicht dazu hinreißen, abwertend mit oder über andere Menschen zu reden – selbst wenn es sich dabei um seine Gegner und Erzfeinde handelte.

 

Dabei hätte Jesus allen Grund gehabt, ein böses Wort zu verlieren. Er wies ja auch den ein oder anderen Pharisäer scharf zu Recht. Aber ein degradierendes Verhalten kam für ihn nicht in Frage. Vielmehr stellte er sich auf die Seite derjenigen, die in einer Gruppe unter Beschuss standen. So entlastet er zum Beispiel die Ehebrecherin, obwohl sie schuldig war und Schmähe verdient hätte (Johannes 8,1-11). Doch Jesus stellt sich zu ihr und gibt damit ein Vorbild, das sich unschwer in heutige Mobbingsituationen übertragen lässt.

Gemobbte brauchen einen Christus

Wie in diesem Fall spielen oft harte Worte eine besondere Rolle beim Mobbing. Lügen, Gerüchte, Spott – das verletzt Menschen in ihrem tiefsten Innern, in ihrer Würde und ihrem Selbstwert. Die Bibel weiß um diese Macht der Worte und warnt davor, was sie alles anrichten können. Der Herrenbruder Jakobus schreibt: „So ist auch die Zunge ein kleines Glied und richtet große Dinge an. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen Wald zündet's an!“ (Jakobus 3,5).

Ein guter Anfang ist es, wenn Christen ihre Worte in Zaum halten. In einem weiteren Schritt können Kollegen und Freunde darauf hingewiesen werden, dass ihr Reden oder Tun andere Menschen in eine unangenehme Lage bringt. So lässt sich dazu beitragen, dass Mobbingsituationen gar nicht erst entstehen bzw. frühzeitig entschärft werden.

Ein guter Anfang ist es, wenn Christen ihre Worte in Zaum halten. In einem weiteren Schritt können Kollegen und Freunde darauf hingewiesen werden, dass ihr Reden oder Tun andere Menschen in eine unangenehme Lage bringt.

 

Es ist zwar immer einfacher, sich brenzligen Situationen zu entziehen, aber ist dieses instinktive Verhalten auch richtiger – gerade für Christen? Das Handeln oder Nicht-Handeln in diesem Bereich hat schließlich weitreichende Konsequenzen. Deshalb kann man Christen nicht pauschal dazu aufrufen, um jeden Preis auf Konfrontationskurs zu gehen und den einsamen Rächer aller Gedemütigten zu mimen. Jeder Christ muss für sich selbst abwägen, ob er Menschen in Mobbingsituationen sich selbst überlassen kann oder lieber eingreift – auch wenn es auf Kosten der eigenen Sicherheitszone geschieht.

Jeder Christ muss für sich selbst abwägen, ob er Menschen in Mobbingsituationen sich selbst überlassen kann oder lieber eingreift – auch wenn es auf Kosten der eigenen Sicherheitszone geschieht.

 

Dass Mobbing stattfindet und Betroffene leiden, lässt sich also nicht vollständig verhindern. Die Bibel vermittelt aber eine Verantwortung, die Christen für Gemobbte tragen. Sie fängt bei einem selbst an und endet dort, wo Menschen einen Christen – also einen wie Christus –  an ihrer Seite brauchen. Jesus stellt sich heute noch zu denen, die umhergestoßen und verlacht werden. Es ging ihm in erster Linie nie um Selbstschutz.

Das gilt auch heute noch, ebenso wie sein Lieblingsgebot: Liebe deinen Nächsten – liebe ihn so sehr wie dich selbst. Überträgt man Jesu Haltung auf Mobbing, müsste es heißen: Schütze deinen Nächsten – schütze ihn ebenso wie dich selbst.


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