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Loslassen als Schritt der Befreiung

5 Tipps, die mir helfen, loszulassen.


„Ich muss loslassen. Ich will nicht und habe das Gefühl, ich kann es auch nicht. Es muss jetzt aber sein!“ – wahrscheinlich kennt jeder diese oder ähnliche Gedanken. Denn Loslassen gehört im Leben unweigerlich zu den Dingen, die ich bewusst lernen muss.

Es fängt mit kleinen Dingen an: wenn ich nicht die Beförderung bekomme, die ich mir gewünscht habe, wenn ein liebgewonnenes Erinnerungsstück kaputt geht oder die Urlaubspläne platzen.

Doch richtig schmerzvoll wird es bei den großen Verlusten in meinem Leben: Loslassen muss ich, wenn ich erwachsen werde und mich vom Elternhaus trenne oder wenn sich ein lang ersehnter Traum nicht erfüllt. Loslassen muss ich auch, wenn ein geliebter Mensch von mir geht oder eine Krankheit meine Gestaltungsmöglichkeiten einschränkt.

Dieses Loslassen ist mit Schmerzen verbunden. Ich muss mich an ein Ereignis oder eine Situation anpassen. Hierbei geht es um eine Entscheidung, die ich zu treffen habe.
 

Hier kommen 5 Tipps, die mir helfen, loszulassen…

1. Die Situation akzeptieren

„Das Leben geht trotzdem weiter!“ – diesen Satz habe ich oft von einer Freundin gehört und wollte ihn eigentlich nicht hören, doch manchmal muss ich Situationen akzeptieren, wie sie sind und den Kopf nicht in den Sand stecken. Manchmal geschehen Dinge, die ich nicht will. Vielleicht habe ich selbst etwas getan, was ich im Nachhinein bereue. Es kann auch sein, dass ich nach dem Motto gelebt habe, dass sich jedes Problem lösen lässt. Die Wahrheit ist aber: Manche Probleme lassen sich einfach nicht lösen.

Es kann zum Beispiel sein, dass ein mir nahestehender Mensch an einer unheilbaren Krankheit leidet – psychisch oder körperlich. Als Christen glauben wir an einen Gott, der auch in der trostlosesten Situation noch Heilung und Rettung schenken kann. Deswegen verbieten sich manche Christen, in solchen Momenten den drohenden Verlust überhaupt zu akzeptieren. Sie haben das Gefühl: „Wenn ich die Ausweglosigkeit dieser Situation annehme, dann gebe ich auf und Gott wird nicht heilen!“

Doch Loslassen heißt nicht, die Hoffnung aufzugeben, sondern zu verstehen, dass Abschied ein Teil des Lebens ist. Ich muss dann die Wahrheit akzeptieren, dass es Menschen gibt, denen man mit menschlichen Mitteln nicht mehr helfen kann. Wunder können zwar immer wieder passieren – sie sind aber die Ausnahme. Meinen Wunsch, dass die Person gesund wird, muss ich dann zurückstellen und stattdessen eher das Ziel verfolgen, diesem Menschen das Gefühl zu geben, nicht allein zu sein.
 

2. Nicht grübeln

Habe ich einen Fehler begangen und damit beispielsweise einer Beziehung nachhaltig geschadet, nützt es wenig, wenn ich mich ständig selbst frage, was passiert wäre, wenn ich dies oder jenes anders gemacht hätte. Über die Vergangenheit zu reflektieren kann sehr hilfreich sein, um ungesunde Verhaltensweisen abzulegen, aber ich werde nicht wachsen, wenn ich mir jeden Tag vorwerfe, dass ich manche Sachen doch anders hätte machen sollen. Um loszulassen muss ich mir manchmal bewusst machen: Jetzt denke ich anders und würde vielleicht anders handeln, aber damals stand ich in meinem Leben an einem anderen Punkt.

Ich darf mir selbst vergeben, auch wenn eine Traurigkeit über vergangene Fehler bleibt.  

 

3. Selbstmitgefühl haben

Um loslassen zu können ist es wichtig, dass ich meine negativen Gefühle nicht unterdrücke. Wenn ich versuche, Gefühle zu unterdrücken oder nicht ständig an bestimmte Dinge zu denken, kann es sein, dass die negativen Gefühle sich verschlimmern. Ich muss sie daher zum Ausdruck kommen lassen.

Wenn mein Kind zum Beispiel von Zuhause auszieht und studieren geht, können meine Empfindungen durchaus zwiegespalten sein: Ich freue mich, dass er oder sie selbstständig wird und Verantwortung übernimmt. Trotzdem schwingt möglicherweise auch Trauer mit, dass ich meinen Sohn oder meine Tochter nicht mehr jeden Tag um mich habe. Wenn ich aber diese Gefühle aus falscher Rücksicht nicht thematisiere, werden sie eher verstärkt.

Ich kann mir also die Frage stellen, warum ich nicht loslassen kann und mir die Zeit geben, um Verluste zu trauern.

Trauer um etwas, das man verloren hat, ist für das Loslassenkönnen wesentlich – ein Schritt, der sich nicht überspringen lässt, selbst wenn der Anlass auf ersten Blick nicht dramatisch erscheint.

 

4. Wissen: „Es wird leichter!“

Natürlich ist es so, dass manche Gefühle nie weggehen. Vielleicht werde ich mein Leben lang, wenn ich beispielsweise an eine verstorbene Person denke, Trauer empfinden und die Person vermissen. Es kann auch sein, dass ich nach einem Umzug aus meiner Heimatstadt, der aus beruflichen Gründen notwendig war, eine Weile traurig gestimmt bin, wenn ich an meine Familie oder Freunde denke, die ich jetzt nicht mehr so oft sehen werde.

Ich kann aber die Aussicht haben: Mit der Zeit wird es für mich leichter mit der Situation umzugehen. Mit manchen Dingen lerne ich zu leben. Ein neues Umfeld, ein neuer Job oder neue Freunde können mir helfen, mich auf mein „neues Leben“ zu konzentrieren. Ich darf wissen: Es bleibt nicht dunkel.
 

5. Neuorientieren

Der letzte Schritt, der mir hilft loszulassen, ist, dass ich mich neuorientiere. Vielleicht muss ich gewohnte Denkweisen hinterfragen. Bei der Arbeit kann es vorkommen, dass ich bestimmte Wunschvorstellungen loslassen muss, die sich in meiner Position nicht realisieren lassen. Ich kann dann die Dinge angehen, die ich selbst auch optimieren kann und mich auf meinen Aufgabenbereich konzentrieren.

Vielleicht orientiere ich mich neu, indem ich mit mir selbst achtsamer umgehe, wenn ich mir mehr Zeit für meine Hobbys nehme. Das schafft mir Ressourcen und Kraft, um loslassen zu können. Probleme, die ich immer wahrgenommen habe, können sich auf diese Weise verändern. Ich kann einen anderen Blick auf meine Probleme bekommen und leichter mit ihnen umgehen.

Um eine neue Lebensphase zu beginnen, hat es mir persönlich einmal geholfen, meine Wohnung umzugestalten: neue Möbel zu kaufen und damit der Wohnung einen helleren und freundlicheren Eindruck zu verleihen. Manche Menschen lassen sich ihre Haare schneiden oder auch einmal komplett abrasieren, wenn sie einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Es kann guttun, symbolisch etwas für eine Art Neuanfang zu tun. Man lässt etwas „Altes“ los und schafft Raum für etwas Neues. 

Ich kann mir bewusst machen: Das Leben ist vielfältig und hat verschiedene Phasen. Das wusste auch schon der Verfasser des Predigerbuches in der Bibel:

Jedes Ereignis, alles auf der Welt hat seine Zeit: Geborenwerden und Sterben, Pflanzen und Ausreißen, Töten und Heilen, Niederreißen und Aufbauen, Weinen und Lachen, Klagen und Tanzen, Steinewerfen und Steinesammeln, Umarmen und Loslassen, Suchen und Finden, Aufbewahren und Wegwerfen, Zerreißen und Zusammennähen, Schweigen und Reden, Lieben und Hassen, Krieg und Frieden (Prediger 3,1-8).

 

 

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Ihr Kommentar

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Kommentare

Von Gertrud-Linde W. am .

praktisch hilfreich bedenkenswert

Von reiner c. am .

Sehr segensreich ,nüchtern die Situationen mit richtigen Reaktionen dargelegt.
Danke

Von Dani am .

Ein sehr mutmachender Text. Vielen Dank dafür.

Von Silke R. am .

Ein super guter Text. Ich muss meinen Sohn, den ich über alles liebe, loslassen, da er beruflich nach Dresden zieht. Ich verliere ihn nicht, der Kontakt wird anders sein und gibt uns beiden mehr Raum. Im Gegenzug schenkt mir mein zweiter Sohn, den ich genauso liebe, mit seiner Frau, die ich auch sehr gern habe, ein Enkelkind. Somit habe ich jeweils Zeit für jeden. Auch wenn es neu für mich ist, sehe ich als positiv. Es gibt auch mir Raum, zu wachsen.

Von Tomas aus Mähren am .

Danke für die wertvollen Tipps.

Von Magdalena M. am .

Super Artikel! Sehr hilfreich!!


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