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Liebst du mich, Gott?

Warum wir so schnell an Gottes Liebe zweifeln – eine Suche nach Antworten.


„Liebst du mich?“ Diese Frage hat vermutlich schon der ein oder andere Ehemann von seiner Frau gehört. Manchmal stellen wir – Frauen wie Männer – diese Frage auch an Gott. Doch im Gegensatz zu einer menschlichen Liebesbeziehung hören wir dann manches Mal kein „Natürlich liebe ich dich, mein Schatz“, sondern bleiben oft mit unseren Zweifeln allein.
 

Die Bibel ist klar: Gott liebt uns

Dabei gibt es doch für Menschen, die an Gott glauben, eigentlich keinen Grund, diese Frage überhaupt zu stellen. Denn die ganze Bibel ist ein einziger Liebesbrief Gottes an uns Menschen. König David bekennt in einem bekannten Psalm: „Herr, ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar und einzigartig gemacht hast! Großartig ist alles, was du geschaffen hast – das erkenne ich!“ (Psalm 139,14). Wenn ich das lese und glaube, kann ich doch eigentlich gar nicht mehr an Gottes Liebe zweifeln – oder etwa doch?

Auch die biblischen Geschichten lassen wenig Zweifel daran, dass Gott uns Menschen liebt. Auf den ersten Seiten wird uns berichtet, wie Gott den Menschen erschafft und ihn mit dem Prädikat „sehr gut“ als Verwalter über seine Schöpfung erhebt. Im weiteren Verlauf erfahren wir, wie Gott das Volk Israel auserwählt und es als sein Volk schützt und bewahrt – und das, obwohl die Israeliten sich in ihren Versprechen Gott gegenüber als deutlich weniger treu erweisen als er in den seinen. Und dann im Neuen Testament kommt Jesus auf die Welt als ultimativer Liebesbeweis von Gott. Für unsere Schuld opfert er sein Leben. Klarer kann jemand seine Liebe nicht beweisen!

All diese Liebeserklärungen Gottes finden sich nicht irgendwo in der Bibel, wo wir sie vielleicht überblättern könnten. Nein, diese Stellen sind die ganz entscheidenden Stellen der Bibel und beweisen uns Gottes Liebe klar und unwiderruflich. Es sind die Geschichten, die Kinder schon im Kindergottesdienst hören und die gläubige Christen im Glaubensbekenntnis bezeugen. Wenn man der Bibel glaubt, kann man zu keinem anderen Schluss kommen als diesem: Gott liebt uns Menschen.
 

Ich zweifle, weil ich Gottes Liebe nicht spüre

Trotzdem fällt es mir persönlich oft schwer an Gottes Liebe zu glauben. Ich zweifle in solchen Momenten nicht daran, dass die Bibel die Wahrheit bezeugt. Ich zweifle auch nicht daran, dass Gott uns Menschen generell liebt, aber ich zweifle daran, dass Gott MICH liebt. Nicht, weil es nicht mehr die Wahrheit ist oder ich plötzlich neue Fakten über Gott erfahren hätte, sondern einfach, weil ich seine Liebe in solchen Augenblicken nicht spüre. Weil ich denke: Wenn Gott mich wirklich lieben würde, müsste ich das tief in meinem Inneren fühlen. Dann müsste diese Erkenntnis jeden meiner Tage prägen.

Aber dem ist nicht so. Gerade in stressigen oder leidvollen Zeiten erscheint mir Gottes Liebe oft nur wie eine vage Erinnerung früherer Tage. Ich bin dann nicht nur verzweifelt, weil ich eventuell in meinem Leben gerade Dinge erlebe, mit denen ich schwer umgehen kann. Nein, ich bin dann zutiefst enttäuscht von Gott, weil ich erwartet hätte, dass er in diesen belastenden Momenten spürbar bei mir ist, und ich etwas ganz anderes erlebe.

Aber das ist meist nur mein Erleben, ein Erleben, was eine halbe Stunde, einen Tag oder eine Woche später komplett anders sein kann. Denn das Problem der Liebe an sich ist ja, dass sie unsichtbar ist. Sie ist eben gerade nicht mit empirischen oder naturwissenschaftlichen Mitteln beweisbar und zwar ganz gleich, wie viele „Liebesbeweise“ wir bereits erlebt haben. In jeder menschlichen Liebesbeziehung, ob sie nun freundschaftlicher oder romantischer Art ist, stellen wir Menschen uns irgendwann einmal die Frage: „Liebst du mich noch?“
 

Ich zweifle, weil meine Erwartungen enttäuscht wurden

Meistens ist hierbei der Auslöser, dass der andere etwas getan hat, was in scheinbarem Gegensatz zu seiner Liebe zu mir steht. Oder dass er etwas nicht getan hat, was ich mir erhofft und mit dem ich gerechnet habe. Vielleicht hat mein Gegenüber sich abweisend verhalten, sich etwas zu lange nicht mehr bei mir gemeldet oder mir auf andere Weise ein Gefühl vermittelt, als sei ich ihm oder ihr egal.

Dass wir solche Situationen erleben, kommt nicht nur in menschlichen Beziehungen vor. Denn es liegt nicht bloß daran, dass unser Gegenüber menschlich ist, Fehler macht und uns bewusst oder unbewusst verletzt. Es ist schlicht und ergreifend ein Zeichen dafür, dass sich die andere Person gerade nicht so verhält, wie ich es erwartet und erhofft hätte. Wie ich dachte, dass es jemand tun müsse, der mich liebt. Wir werden in solchen Augenblicken enttäuscht in unserer Erwartung, wie Liebe zu sein hat. Doch statt unsere Erwartungen genauer ins Blickfeld zu nehmen, zweifeln wir quasi automatisch an der Liebe des anderen. Das ist bei Menschen so, aber auch bei Gott.

Wir alle halten unsere eigenen Erwartungen an liebevolles Verhalten instinktiv für richtig. Meist ist es uns nicht einmal bewusst, dass hinter unseren Zweifeln letztlich enttäuschte Erwartungen stecken. Wir verstehen eventuell nicht, wie Gott etwas Bestimmtes hat zulassen können und automatisch können wir ihn nicht mehr als „lieben Gott“ sehen. Dieser Kreislauf aus enttäuschter Erwartung hin zu Zweifel an der Liebe des anderen läuft automatisch und unterbewusst ab, sodass wir ihn allein meist nicht stoppen können. Oft zeigt uns erst die Reaktion des anderen, wie dumm unser Zweifeln doch war.
 

Ich zweifle, weil Gottes Stimme zu leise für mich ist

An dieser Stelle wird es in Bezug auf Gott besonders kompliziert. Denn nicht nur Liebe ist unsichtbar und unbeweisbar, Gott ist es auch. Wo mich in einer menschlichen Beziehung eine Umarmung, ein kleines Geschenk oder ein unerwarteter Anruf direkt wieder überzeugt, dass ich doch geliebt werde, suche ich in unserer Beziehung zu Gott manchmal vergeblich nach einem solchen Beweis. Viel zu selten höre ich Gottes liebevolle Stimme, die mir zuraunt: „Natürlich liebe ich dich, mein Kind!“ Vielleicht geht es dir ganz ähnlich.

Eventuell fragst du dich in solchen Zweifeln sogar, ob du Gottes Stimme überhaupt je gehört hast. Denn dass Gott direkt zu uns Menschen spricht, laut zu hören und unwiderlegbar, ist eher selten. Zu mir spricht er oft sehr leise, in Eindrücken, Bibelworten, Predigten oder durch andere Menschen. Gottes Stimme ist selten laut, wir können sie leicht zu überhören. Manchmal glaube ich sogar, Gott steht direkt neben mir, hört alle meine Zweifel und brüllt mir ins Ohr „Ich liebe dich doch. Wieso siehst du das nicht?“, aber es ist, als habe ich einen Kopfhörer auf. Ich höre ihn einfach nicht.

Dass wir für Gottes Liebesbotschaft oft so taub sind, hat auch etwas mit unseren Erwartungen zu tun. Wir meinen, ein so großer, allmächtiger Gott müsse uns seine Liebe besonders großartig zeigen. Aber als der Prophet Elia einmal Gott ganz nahe begegnete, musste er feststellen, dass dieser sich nicht in einem gewaltigen Sturm, in einem Erdbeben oder einem Feuer offenbarte, sondern in einem sanften Säuseln (vgl. 1. Könige 19,9-13). Wenn wir also an Gottes Liebe zweifeln, lohnt es sich, Augen und Ohren zu spitzen. Vielleicht suchen wir einfach an der falschen Stelle nach einem Liebesbeweis. Und vielleicht ist auch zu viel äußerlicher und innerer Lärm um uns herum, um Gott und sein liebevolles Werben um uns wahrzunehmen.
 

Ich zweifle, weil die Beziehung zu meinen Glaubensgeschwistern nicht stimmt

Ein anderer Grund, der uns an Gottes Liebe zweifeln lässt, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Und zwar ist das unser Verhalten als Christen zueinander. In Johannes 13,34-35 gibt Jesus seinen Nachfolgern folgenden Auftrag: „Liebt einander! So wie ich euch geliebt habe, so sollt ihr euch auch untereinander lieben. An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid.“ Unsere Liebe anderen Christen und generell allen Menschen gegenüber soll ein Spiegel der Liebe Gottes sein. Daran sollen sie zum einen erkennen, dass wir zu Jesus gehören, zum anderen aber auch Gottes Liebe begreifen.

Nun sind wir Christen oft viel besser darin, biblische Wahrheiten zu verkünden als liebevoll miteinander umzugehen. Da schließe ich mich selbst mit ein. Wie oft hätte ich schon die Person sein können, die jemand anderem an Gottes Stelle liebevoll begegnet – durch ein Kompliment, ein kleines Geschenk oder einen Anruf? Und wie oft habe ich dann gedacht: „Wieso sollte ich der Kollegin ein Kompliment zu ihrem neuen Haarschnitt machen? Sie weiß selbst, dass sie gut aussieht.“ Oder „Ich habe gerade keine Zeit. Das mache ich wann anders.“

Aber in der Bibel steht ganz klar, dass wir die Hände und Füße Gottes sind. Wir sind der Leib Christi auf dieser Welt (vgl. 1. Korinther 12,27). Das gilt auch dafür, seine Liebe weiterzugeben. Und wenn dem so ist, steht die Frage im Raum: Wo ruft Gott mich dazu auf, sein Liebesbotschafter zu sein?

Wenn wir verstanden haben, dass unsere Liebe zueinander ein großes Zeichen für Gottes Liebe zu uns sein soll, kann dies uns helfen, unser Verhalten einander gegenüber zu überdenken. Und es kann uns auch ganz plötzlich die Augen für Gottes unfassbare Liebe öffnen, weil wir begreifen, wie er andere Menschen in unser Leben schickt, damit sie uns an seiner Stelle lieben – ganz praktisch und anfassbar.
 

Ich kann Gott immer um ein Zeichen seiner Liebe bitten

Eines ist mir hier noch ganz wichtig: Wenn dies dein Grund ist, an Gottes Liebe zu zweifeln; wenn du wirklich wegen des lieblosen Handelns von Christen nicht glauben kannst, dass Gott dich liebt, bleib dabei nicht stehen. Lass deine Enttäuschung von Gottes Bodenpersonal dir nicht den Blick darauf verstellen, dass Gott dich dennoch liebt. Denn dem ist so! Neben der Bibel, die Gottes liebevolles Handeln über die Jahrhunderte dokumentiert, möchte Gott dir ganz persönlich begegnen. Bitte ihn doch einfach darum!

Dieses Angebot gilt übrigens für alle Menschen, für dich, mich und jeden auf diesem Planeten. Du kannst Gott um ein Zeichen seiner Liebe bitten, wenn du ihn noch nicht kennst, aber auch wenn du ihn schon lange an seiner Seite hast und die Zweifel dich trotzdem immer wieder übermannen. Er verspricht uns: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“ (Matthäus 7,7) Das gilt auch und gerade dafür, wenn wir uns nach einem Zeichen seiner Liebe sehnen.

Und wie mein Ehemann mich voller Liebe, wenngleich auch mit minimalen Tadel anlächelt, wenn ich wieder einmal frage: „Liebst du mich?“, so tut das auch Gott. Er denkt nicht genervt: „Wieso fragst du mich das? Du müsstet es doch schon wissen.“ Nein, im Gegenteil, er ist gerne bereit, uns immer wieder und auf die verschiedensten Weisen zu sagen: „Mein geliebtes Kind, ich habe dich von je her geliebt!“

Schon oft durfte ich erleben, wie Gott mir unerwartet, liebevoll und sehr kreativ gezeigt hat, dass er mich persönlich kennt, sieht und liebt. Das hilft mir, auch die Zeiten zu überstehen, in denen ich seine Liebe und Nähe nicht spüre. Solche Liebesbeweise von Gott wünsche ich auch dir – trotz und durch alle Zweifel hindurch.


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