Buchvorstellung Lesezeit: ~ 4 min

Wenn Enkelkinder nach Gott fragen

Wie Großeltern ihre Enkel auf dem Glaubensweg begleiten können. Eine Rezension.


Albert Biesinger ist keine unbekannte Größe, wenn es um Kinder und Glaube geht. Der katholische Professor für Religionspädagogik hat sein ganzes berufliches Leben lang zur Thematik gearbeitet und zahlreiche Bücher dazu veröffentlicht. Nach seinem Ausscheiden aus dem Universitätsbetrieb hat sich der umtriebige Ruheständler unter anderem einem Thema gewidmet, das ihm besonders am Herzen liegen dürfte: Der Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern im Blick auf Glaubensfragen. Gemeinsam mit der Diplompsychologin Julia Biesinger, seiner Schwiegertochter, hat er das Buch geschrieben „Wenn die Enkelkinder nach Gott fragen. Eine Ermutigung für Großeltern.“
 

Albert Biesinger ist selbst fünffacher Großvater und weiß, wovon er spricht. Darüber hinaus ist die Familie für ihn grundsätzlich der zentrale Ort der Gotteskommunikation – ein Grund mehr, nicht nur die Eltern, sondern auch die Großeltern in die religiöse Erziehung mit einzubeziehen. Dass das nicht immer einfach ist, weiß Biesinger aus Gesprächen mit anderen Großmüttern und -vätern, aber auch mit Eltern. Und so geht er speziell der Frage nach, wie Oma und Opa ihren Enkeln etwas von ihrem eigenen Glaubensleben mitgeben können, wenn Mama und Papa selbst keinen Bezug zum Glauben haben oder ihm sogar ablehnend gegenüberstehen.
 

Selbstreflektion und gute Kommunikation

Das Buch gliedert sich in zwei Hauptteile, die die beiden Autoren entsprechend ihren Fachgebieten geschrieben haben. Albert Biesinger bietet im ersten Teil Ermutigungen zur Glaubensvermittlung aus seiner Kenntnis der Religionspädagogik. Julia Biesinger gibt im zweiten Teil Hilfestellung aus der Psychologie und zeigt, wie eine gute Gesprächsgrundlage zwischen den Genrationen geschaffen werden kann. An dieser Zweiteilung wird schon deutlich, dass es den Autoren an keiner Stelle des Buches darum geht, Enkelkinder gegen den Willen ihrer Eltern für den christlichen Glauben einzunehmen.

Im Gegenteil: Der Respekt für die Eltern und deren Haltung zur religiösen Erziehung durchzieht das knapp 150 Seiten starke Buch wie ein roter Faden. Wer also eine Anleitung erwartet, wie er seinem Großkind in drei Schritten den Glauben nahebringen kann, wird enttäuscht werden. Stattdessen stehen Selbstreflektion und eine offene, positive Kommunikation im Zentrum der Überlegungen.
 

Einen Samen des Glaubens säen

Eindringlich wirbt Albert Biesinger dafür, als Großeltern die Einstellung der Eltern zu respektieren und weder in religiösen noch in anderen Bereichen der Erziehung Druck auf sie auszuüben. Er zeigt auf, dass die Gründe für die Ablehnung einer religiösen Erziehung seitens der Eltern unterschiedlich sein können, was die Enkel ihrerseits aber nicht daran hindern muss, selbst nach Gott zu fragen.

Genau an dieser Stelle macht Biesinger Mut, als Großeltern den eigenen Glauben zu bezeugen und darauf zu vertrauen, dass diese Saat im Leben der Enkel – und verspätet vielleicht auch in dem der Kinder – aufgehen wird.
 

Als wichtige Stützpfeiler eines solchen Glaubenszeugnisses gegenüber den Enkeln nennt Albert Biesinger zusammengefasst folgende Punkte:

  • Religiöse Rituale, die man beim Besuch der Enkelkinder einüben kann (Tischgebet, Besuch einer Kirche).
  • Den Enkelkindern vermitteln, dass sie in Gottes Augen wertvoll sind und zu einer Gemeinschaft dazu gehören. Das geschieht, indem man den Kleinen Zeit schenkt und ihnen aus dem eigenen Leben erzählt.
  • Biblische Geschichten vorlesen und erklären, was sie einem selbst bedeuten.
  • Selbstreflektion zum eigenen Gottesbild und den eigenen Glaubensüberzeugungen, um den Kindern tragfähige und authentische Antworten auf ihre Fragen geben zu können.

 

Biesingers Überlegungen sind keine Garantie dafür, dass sich das Kind für religiöse Fragen öffnet oder Gott in seinem Leben einen Platz einräumt. Aber der erfahrene Pädagoge ist überzeugt:

Großeltern können eine hohe Autorität für Sinnfragen haben, wenn sie aus ihrem Leben reflektiert und stimmig erzählen.

 

Eine gutes Familienklima aufbauen

Dazu gehört aber auch, dass die Qualität der Familienbeziehungen an sich stimmig ist. Es reicht nicht, dass Oma und Opa von Gott erzählen, es kommt auch darauf an, in welcher Art von Familienklima das geschieht. Hier setzt nun die dreifache Mutter und Psychologin Julia Biesinger an. Sie beschäftigt sich im zweiten Teil des Buches hauptsächlich mit der Frage, wie es zwischen den Generationen zu einer gesunden Balance zwischen Nähe und Distanz kommen kann und welche Regeln es für eine konstruktive Gesprächsführung zu beachten gilt. Vieles davon, wie beispielsweise das bekannte „Nachrichtenquadrat“ von Friedemann Schulz von Thun, ist nicht neu.

Aber es ist sicherlich lohnend, sich dieses Wissen noch einmal ganz neu im Blick auf die eigenen Kinder und Enkelkinder anzulesen – und in die Praxis umzusetzen. Denn selbst bei gutem Willen von beiden Seiten bleibt die Beziehung zwischen erwachsenen Kindern und Eltern wohl immer auch spannungsreich. Gerade wenn es den Großeltern ein Anliegen ist, den christlichen Glauben in den Augen ihrer Kinder und Enkel glaubwürdig zu leben, ist eine gute zwischenmenschliche Beziehung zentral.

Auch hier ein Zitat von Julia Biesinger:

Alles, was wir tun können, ist, offen über unsere Einstellungen, Bedürfnisse, Wünsche, Anliegen zu reden, über das, was uns am Herzen liegt, und dabei versuchen, empathisch und mit einer positiven Grundhaltung, Respekt und Toleranz aufzutreten.

 

Fazit

„Wenn die Enkelkinder nach Gott fragen. Eine Ermutigung für Großeltern“ ist eine hilfreiche Anregung, sich mit seinem Glauben und dem eigenen Kommunikationsstil auseinanderzusetzen. Das mag manchmal scherzhaft sein, ist aber der Mühe wert. Denn es bietet neben dem persönlichen Gewinn die wertvolle Möglichkeit, den eigenen Glauben nach bestem Wissen und Gewissen an die Enkel weiterzugeben und eine gute Beziehung zwischen den Generationen aufzubauen.

Und wie gut, dass Großeltern neben all diesem menschlichen Handeln und Nachdenken für ihre Kinder und Enkelkinder beten können. In der Fürbitte für die nächste Generation wird Gott zum Handeln eingeladen – gerade auch da, wo Beziehungen vielleicht schwierig oder das Interesse am Glauben gering sind.


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Kommentare

Von Hanne C. am .

Das ist ein sehr interessantes und wichtiges Thema für mich. Ich habe mir schon oft Gedanken darüber gemacht. Danke für die guten und wertvollen Antworten über den Umgang mit den Enkeln. Auf Vorlesen und Tischgebete warten meine Enkel bereits. LG


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