Weihnachten Lesezeit: ~ 7 min

Plädoyer für das Schenken

Geschenke gehören zu Weihnachten dazu. Wie wir einander neu mit Freude beschenken können.


„Wir schenken uns dieses Jahr nichts!“ Eventuell haben Sie diesen Satz auch schon einmal gehört, wenn es um die Weihnachtsgeschenke für die liebe Verwandtschaft ging. Eventuell waren Sie darüber erleichtert, weil Sie sowieso noch nicht wussten, was man denn hätte verschenken können. Oder Sie reagierten enttäuscht, weil Sie bereits liebevoll ein Geschenk ausgesucht und gekauft hatten. Und eventuell haben Sie dann an Heiligabend das Gleiche erlebt wie ich: Statt nichts standen da plötzlich ganz viele Geschenke und man fühlte sich mit einem Mal schuldig, weil man das mit dem „Nichts-Schenken“ tatsächlich ernstgenommen hat.

Wieso überhaupt Geschenke zu Weihnachten? Diese Frage stellt man sich dann. Oder eben in dem Augenblick, wenn man vollgepackt in einer langen Schlange an der Kasse steht und der Kunde hinter einem immer ungeduldiger wird und drei Plätze vor einem ein Kind einen Heulkrampf bekommt, weil im Einkaufswagen nicht genau der Adventskalender liegt, den es gerne hätte. Ja, in solchen Situationen neige auch ich dazu, das Schenken zu verfluchen und mich zu fragen, wieso ich nicht doch alles bei Amazon bestellt habe.

Aber eigentlich liebe ich Geschenke. Ich gebe das gern und offen zu, auch wenn man dann schnell als konsumorientiert abgestempelt wird. Ich finde, Schenken ist etwas Wunderbares. Schenken, so wie es gedacht ist, öffnet uns den Blick für Gottes Wesen. Wir können mit dem richtigen Geschenk ein Stück Himmel an jemanden weitergeben. Ein Geschenk kann sagen: „Ich liebe dich! Ich schätze dich! Du bist ein wunderbarer Mensch!“

Wir können mit dem richtigen Geschenk ein Stück Himmel an jemanden weitergeben. Ein Geschenk kann sagen: „Ich liebe dich! Ich schätze dich! Du bist ein wunderbarer Mensch!“

 

Was uns die Freude am Schenken nimmt

Aber gerade in der Vorweihnachtszeit ist dieser Gedanke bei der Geschenkeauswahl selten vorherrschend. Da geht es um ganz andere Fragen. Da werden Geschenke gegeneinander aufrechnet. Man sagt sich: „Wenn XY mir was für 50 Euro schenkt, muss ich ihm auch etwas für 50 Euro schenken!“ Oder man überlegt sich, dass man – wenn man der einen Schwägerin etwas schenkt – auch die andere mitbedenken muss, damit sie sich nicht ausgeschlossen fühlt. Aber leider weiß man nichts Passendes für sie, kauft einfach irgendetwas und merkt bei der Bescherung, dass man damit wohl danebengegriffen hat.

Und dann kennt jeder von uns sicherlich mindestens eine Person, die schwer zu beschenken ist. Eventuell weil diese Person sich jeden Wunsch gleich selbst erfüllt oder jedes Geschenk schon Wochen vorher errät. Oder aber sie hat gar keine Wünsche und rückt selbst auf hartnäckiges Drängen nicht mit einer Wunschliste heraus. All diese Dinge nehmen uns die Freude am Schenken – und manchmal auch an Weihnachten, dem Fest der Geschenke.
 

Gott ist unser Vorbild im Schenken

Dabei hatte sich Gott das mit dem Schenken mal ganz anders gedacht. Die Bibel berichtet nicht davon, dass Gott erstmal überschlägt, was die Menschen ihm im Gegenzug dafür anbieten würden, dass er ihnen seinen Sohn Jesus auf die Welt schickt. Und er überreicht den Menschen dieses Geschenk auch nicht mit viel Prunk und Tamtam. Vielmehr kommt Jesus als hilfloses Baby in einem Stall zur Welt – als Erstgeborener eines jungen Handwerkerehepaars. Trotzdem wird schnell klar: Mit diesem Kind in der Krippe hat Gott den Menschen etwas ganz Besonderes geschenkt. Er hat sich selbst verschenkt.

Das ist die Großzügigkeit, mit der Gott schenkt – ohne viel Drumherum, aber mit seinem ganzen Herzen. Auch an anderen Stellen der Bibel scheint diese Großzügigkeit Gottes durch. Die Bibel enthält viele Geschichten, in denen Gott Menschen etwas Gutes tut, die dies strenggenommen gar nicht verdient haben. Das bedeuten die oft schwer zu verstehenden Worte Güte und Gnade: Dass wir etwas bekommen, was wir nicht verdienen und was wir uns selbst auch nicht kaufen können.

Jesus fordert uns dazu auf, diese Großzügigkeit Gottes auf die Probe zu stellen. Den Jüngern sagt er in Markus 11,24: „Darum sage ich euch: Alles, was ihr betet und bittet, glaubt nur, dass ihr's empfangt, so wird's euch zuteilwerden.“ Nicht immer erleben wir das. Wir alle haben schon Bitten geäußert, die Gott nicht erfüllt hat. Aber wenn ich zurückschaue, bin ich immer wieder erstaunt, wie viele meiner Bitten Gott letztlich doch erhört hat. Alle Erfahrungen lehren uns eines: Gott gibt gerne und bei ihm sind Geschenke immer bedingungslos und nie ein schnöder Tauschhandel.

Alle Erfahrungen lehren uns eines: Gott gibt gerne und bei ihm sind Geschenke immer bedingungslos und nie ein schnöder Tauschhandel.

 

Aufmerksam sein

Wenn wir uns diese Sicht auf das Schenken zu eigen machen, können wir davon nur profitieren. Eventuell stelle ich dann fest, dass das eigentliche Geschenk gar nicht so wichtig ist für mein Gegenüber, sondern eher der Gedanke dahinter. Vielleicht kann ich mit einer Kleinigkeit jemanden sogar eine größere Freude machen als mit einem teuren Geschenk. Dass ich mir behalten habe, welche Schokoladensorte seine liebste ist; dass ich einen farblich passenden Schal zu ihrer Lieblingsbluse gekauft habe; das ist es, was mehr zählt als der reine Geldwert.

Und eventuell ist das größte Geschenk, dass ich mir Zeit für jemanden nehme, auch einen Beitrag zum Weihnachtsessen leiste oder einfach mal aufmerksam zuhöre. Denn das Schenken und Beschenktwerden ist nur eine der fünf Liebessprachen, die Gary Chapman in seinem Buch „Die fünf Sprachen der Liebe“ beschreibt. Es ist eine von fünf Möglichkeiten, wie Menschen Liebe weitergeben und empfangen. Das heißt aber auch: Nicht für jeden haben Geschenke die gleiche Bedeutung. Das ist kein Grund, jemanden nicht zu beschenken, aber ein Grund, sich auch in der Vorweihnachtszeit mal zu fragen: „Wie kann ich dieser Person über Geschenke hinaus meine Liebe zeigen?“

Nicht für jeden haben Geschenke die gleiche Bedeutung. Das ist kein Grund, jemanden nicht zu beschenken, aber ein Grund, sich auch in der Vorweihnachtszeit mal zu fragen: „Wie kann ich dieser Person über Geschenke hinaus meine Liebe zeigen?“

 

Schenken aus vollem Herzen

Außerdem ist die Haltung entscheidend, mit der ich Geschenke aussuche, verpacke und verschenke. Sicherlich ist wichtig, dass ich mir Mühe bei der Auswahl eines Geschenks gebe. Doch auch wie ich ein Geschenk überreiche, macht etwas aus. Geht es mir vor allem darum, die Dankbarkeit des anderen zu spüren und bin ich enttäuscht, wenn diese ausbleibt? Erwarte ich insgeheim ein noch viel größeres Geschenk vom anderen? Oder geht es mir vor allem darum, einem anderen Menschen eine Freude zu machen, ganz gleich, wie er darauf reagiert?

Wenn die letzte Haltung auf Sie zutrifft, herzlichen Glückwunsch! Ich muss zugeben, ich bin nicht immer so selbstlos, merke aber, dass gerade das Beschenken ohne Erwartung einer Gegenleistung mich selbst am glücklichsten macht. Dass Schenken glücklich macht, ist übrigens nicht nur mein Eindruck, sondern wissenschaftlich erwiesen. Diverse psychologische Studien haben ergeben: Schenken macht glücklich, sogar glücklicher als beschenkt zu werden.

Auch der Beschenkte wird sich umso mehr freuen, wenn er spürt, dass ich ihn aus selbstloser Motivation heraus beschenke. Ein kleines freiwilliges Geschenk ist wertvoller als ein großes Geschenk aus Pflichtgefühl.

Ein kleines freiwilliges Geschenk ist wertvoller als ein großes Geschenk aus Pflichtgefühl.

 

Die Bibel gibt in Bezug auf Spenden einen Tipp, der auch für alle Geschenke gelten sollte: „So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.“ (2. Korinther 9,7).
 

Wünsche klar äußern

Alles in allem hilft auch Ehrlichkeit in puncto Geschenke. Gerade wenn man besondere Wünsche zu Weihnachten hegt, ist es gut, diese anderen auch mitzuteilen. In unseren Kopf schauen kann nämlich niemand. Genauso wichtig ist aber, anderen Freiheit beim Schenken zu geben. Ein Wunschzettel ist keine Einkaufsliste. Denn letztlich geht’s beim Schenken um die Geste und nicht darum, dass ich bekomme, was ich schon immer haben wollte.

Trotzdem sollte man auch ehrlich sagen können, wenn ein Geschenk nicht gefällt. Denn so bewahre ich den Geber davor, mir etwas Ähnliches noch einmal zu schenken. Vor allem aber sollten wir uns nicht die Lust am Geben vermiesen lassen, auch dann nicht, wenn wir in einem überfüllten Kaufhaus auf der Suche nach den letzten Weihnachtsgeschenken sind. Vergessen dürfen wir auch nicht: Selbst nach Heiligabend freuen sich Menschen noch über Geschenke und manches verspätete Geschenk kann genauso erfreuen wie ein großer Gabentisch am Weihnachtsabend.


Fragen zum Weiterdenken:

  • Wieso macht mir Schenken Spaß/ keinen Spaß?
  • Was macht mir Stress in puncto der Auswahl meiner Weihnachtsgeschenke? Was könnte mir helfen, diesen Stress zu verringern?
  • Mache ich den Menschen, die ich zu Weihnachten beschenken will, freiwillig Geschenke oder weil man es von mir erwartet bzw. es so üblich ist?
  • Geschenke sind eine Möglichkeit, (Gottes) Liebe weiterzugeben. Trifft dies meiner Ansicht nach zu? Warum ja, warum nein?
  • Wie könnte ich jemanden, der wenig mit materiellen Geschenken anfangen kann, zu Weihnachten eine andere Freude machen?

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Kommentare

Von Elvira K. am .

Gute Gedanken und Tipps. Auch zum prüfen eigenen Motiven, Gedanken und Erfahrungen.
Wäre gut schon so zum ersten Advent diesem Artikel zu lesen. Dann sind die meisten Geschenke noch nicht besorgt.
Sollte ich diesem Artikel bewerten, gerne es *****.


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