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Mein Gott, mein Glaube, mein Leben

4 Tipps für den Umgang mit religiöser Vielfalt.

In Deutschland herrscht Vielfalt. Vielfalt, die bereichert, verbindet – und manchmal auch verwirrt. In Deutschland gestalten Menschen mit verschieden kultureller Prägung, verschiedenen Religionen und unterschiedlichen Lebenseinstellungen gemeinsam ihren Alltag. Das ist sowohl bereichernd als auch herausfordernd. Am schwierigsten scheinen die Herausforderungen, wenn unterschiedliche nationalkulturelle Prägungen aufeinandertreffen. Durch die verschiedenen Sprachen und die geografische, politische sowie geschichtliche Situation des Herkunftslandes gestalten sich dort die Hürden in der Interaktion oft besonders kompliziert.

Inzwischen hat gut jeder fünfte deutsche Bürger einen Migrationshintergrund und das wirkt sich natürlich auch auf die gesellschaftliche Landschaft in Deutschland aus. Menschen anderer Länder bringen nicht nur kulinarische Vielfalt oder exotische Musik nach Deutschland, sie haben auch andere Wertevorstellungen oder Weltanschauungen im Gepäck. Religion ist ein besonders sensibles Thema. Denn da, wo der eigene Glaube und damit das Herz hängt, spielen Emotionen eine wichtige Rolle. Wenn Gefühle verletzt werden oder Verwirrung gestiftet wird, entstehen Reibungen, Ängste oder Missverständnisse. Möchte man, dass sich Menschen aus anderen Ländern in Deutschland wohl fühlen und die Chance zu einer Integration bekommen, ist es ratsam sich auch mit deren Weltanschauung zu beschäftigen. Erst dann wird eine Begegnung ohne Vorurteile möglich.

Der Interreligiöse Dialog

Nicht jeder steht dem Begriff „Interreligiöser Dialog“ positiv gegenüber, vor allem Christen hegen – oftmals zurecht – die Angst vor einem Einheitsbrei der Religionen. Dieser Artikel zielt nicht darauf ab, Grenzen verschwimmen zu lassen oder gar den Wahrheitsanspruch an den eigenen Glauben aufzuweichen. Denn die Inhalte und Konsequenzen eines interreligiösen Austausches hängen meist sowohl von der jeweiligen Institution oder Organisation wie auch dem Einzelnen ab, der sich einem Dialog zwischen den Religionen öffnet. Im Gegenteil: Es soll ermutigt werden, für seine eigenen Überzeugungen einzustehen, Vorurteile abzubauen und den Mitmenschen mit Respekt zu begegnen.

Organisationen, die sich dieser allgemeinen Verunsicherung anzunehmen versuchen, gibt es inzwischen mehrere. Sie bieten beispielsweise Hilfestellungen und Maßnahmen zum Interreligiösen Dialog an. Dieser bezeichnet den Austausch von Vertretern unterschiedlicher Religionen auf einer respektvollen und gleichberechtigten Ebene. In der Praxis kann ein solcher Austausch zum Beispiel innerhalb alltäglicher Gespräche, offizieller Konferenzen oder sozialer Projekte stattfinden.

Der Verein Haus der Religionen – Zentrum für interreligiöse und interkulturelle Bildung e.V. in Hannover ist eine solche Einrichtung. Die Organisation setzt sich seit ihrer Gründung im Jahr 2008 dafür ein, dass Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander in den Dialog treten können. Die Gründungsmitglieder entstammen sieben verschiedenen Religionsgemeinschaften und ein multireligiöser Vorstand leitet den Verein. Durch Ausstellungen, Projekte und Seminare wird Wissen über verschiedene Weltanschauungen vermittelt sowie die Angst vor dem Unbekannten durch Kontaktaufnahme verringert. Ziel ist es, Begegnungen zwischen verschiedengläubigen Menschen zu initiieren und dadurch Brücken zwischen den Religionen zu bauen. Laut Koordinatorin Ulrike Duffing, treffen sich im Haus der Religionen regelmäßig Menschen aus über vierzig religiösen Gemeinschaften, die „einander besser kennen lernen wollen und gemeinsam für den Frieden arbeiten“. Im Zentrum stehe dabei die gemeinsame geistliche Arbeit, wobei Dipl.-Religionspädagogin Duffing betont, dass die Mitglieder des Vereins ihren Glauben authentisch leben und gleichzeitig ihre andersgläubigen Mitmenschen in deren Haltung respektieren.

Anregungen für den persönlichen Austausch mit Menschen anderer Religion

Muslimen, Buddhisten, Juden oder Hindus im Rahmen von kreativen Ausstellungen oder sozialen Projekten begegnen – sicher eine wirksame Methode, um Vorbehalte oder Ängste gegenüber andersgläubigen Mitbürgern zu mildern oder sogar ganz und gar abzubauen. Trotzdem ist dies nicht jedermanns Sache. Schließlich lässt man sich bei einer solchen Begegnung auf ein unbekanntes geistliches Terrain ein. Je nachdem wie (geistlich) sensibel eine Person ist, kann das „Hineinschnuppern“ in andere Religionen als beunruhigend oder sogar gefährlich wahrgenommen werden. Da ist es vermutlich klug, die eigenen Ängste und Bedenken ernst zu nehmen, zu hinterfragen und seine Grenzen zu verorten. Ob ein Christ es mit seinem Glauben vereinbaren kann, etwa beim Ramadan mit zu fasten, bei einer buddhistischen Zeremonie zuzusehen oder an einem multireligiösen Friedensgebet teilzunehmen, kann man pauschal nicht bewerten. Das beweisen auch zahlreiche kontroverse Diskussionen in Foren und wissenschaftliche Stellungnahmen im Netz. Als Anregung zur Eigenreflexion sowie zum konkreten Umgang mit Ihren Mitmenschen können folgende Tipps hilfreich sein:

1. Was ist Ihre Motivation?

Werden Sie sich klar, unter welchem Vorwand und mit welcher Haltung Sie den Kontakt zu Ihrem andersgläubigen Mitmenschen suchen: Möchten Sie ihn als Mensch und um seinetwillen kennenlernen? Sind Sie durch äußere Umstände „gezwungen“, mit ihm zurecht zu kommen? Oder steht bei Ihnen der Wunsch im Mittelpunkt, Ihren Mitmenschen vom Christentum zu überzeugen?

Dieses erste Innehalten ist wichtig für alle weiteren Schritte innerhalb eines interreligiösen Austausches. Hilfreich könnte dabei der Gedanke sein, dass Jesus selbst keinen quantitativen, sondern einen qualitativen Anspruch hatte. Natürlich hörten ihm Massen von Menschen zu, Jesus war es jedoch wichtig, sich individuell um seine Zuhörer zu kümmern und jeden Einzelnen auf seine Art und Weise anzusprechen.  

2. Haben Sie Mut!

Muten Sie sich dem anderen zu und bleiben Sie ihren Wahrheitsansprüchen treu. Stehen Sie dazu, dass Sie davon überzeugt ist, an den wahren Gott zu glauben. Schließlich hat jede Religion ihren ganz eigenen Wahrheitsanspruch, den die jeweiligen Anhänger nicht leugnen wollen und können. Leben Sie ihren Glauben authentisch und ohne Kompromisse. Das ist wahrscheinlich eines der besten Zeugnisse, die Sie ihren Mitmenschen geben können.

3. Unterscheidung Mensch – Religion

Es gibt nicht „den Moslem“ oder „den Christen“. Jeder Mensch ist einzigartig, lebt seinen Glauben auf eine einzigartige Art und Weise. Es ist wichtig zwischen der Religion als solcher und dem Menschen und seinem persönlichen Glauben zu unterscheiden. Geben Sie Ihrem Mitmenschen die Chance Ihren eigenen Horizont durch ihn erweitern zu lassen und Denkmuster zu revolutionieren.

4. Was würde Jesus tun?

Ein Ratschlag, der sich in jeglicher Situation bewährt: Halten Sie sich an Jesus. Bezogen auf den interreligiösen Austausch, hat er sich Fremden, Andersgläubigen oder Ungläubigen zugewandt und sich vor ihnen nicht verschlossen. So ging er zum Beispiel auf die samaritanische Frau am Brunnen zu, um sich mit ihr zu unterhalten und ihr vom Reich Gottes zu erzählen. Er tat dies auf eine sensible Art und Weise und kam im Prinzip über einen Smalltalk-Einstieg auf sie und ihre Umstände zu sprechen, bevor er ihr sich selbst als den einzig wahren Weg zu Gott vorstellte.

Bevor Jesus Christus in den Himmel auffuhr, gab er seinen Jüngern ein neues Gebot: „Ihr sollt einander lieben, wie ich euch geliebt habe. An eurer Liebe zueinander werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid“ (Johannes 13, 34-25). Das dürfen wir Christen uns nicht nur für die eigenen Reihen zu Herzen nehmen, sondern verbunden mit dem Gebot der Nächstenliebe in jeder Begegnung mit Menschen anwenden. Wenn man sein Handeln und seine Haltung gegenüber seinen Mitmenschen – egal ob Christ, Rentner, Frau, Teenie, Zeuge Jehovas, Mann oder Punk – nach der Liebe ausrichtet, die Christus auch uns gegenüber lebt, kann man eigentlich nichts mehr falsch machen. 


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