Service-Artikel

Verwurzelt in Jesus

Wieso steiniger Boden manchmal die bessere Wahl ist.

Pures Chaos! Der letzte Sturm hat dem Wald ziemlich zugesetzt. Holz liegt kreuz und quer auf dem Boden. Lose Äste hängen in Baumwipfeln und Büschen. Riesige Wurzeln ragen neben mir empor und mächtige Baumstämme versperren mir den Weg. Während ich über eine schlanke Fichte klettere, frage ich mich, wie das eigentlich geschehen kann. So große Bäume und so wenig Kraft in den Wurzeln? Das passt doch irgendwie nicht zusammen. Mir fällt ein, dass es Bäume gibt, deren Wurzeln nur locker an der Oberfläche liegen und andere, die bis tief in die Erde hineinwachsen. Als ich später im Internet recherchiere, bin ich überrascht herauszufinden, dass auch Flachwurzler bei geeigneten Bodenverhältnissen – nämlich steinigem Boden – ein gutes Wurzelsystem entwickeln können und an Gesteinsbrocken anwachsen. Das macht sie standfest.

Eigentlich sind Menschen auch nicht anders, denke ich mir. Manche lassen sich schnell aus der Fassung bringen und biegen sich in die Richtung, wohin der Wind sie drückt. Andere hingegen halten so einiges aus, ruhen in sich selbst und kippen in einem starken Lebenssturm nicht gleich um. Es kommt auch bei den Menschen auf das Fundament an, auf dem sie ihre Persönlichkeit aufbauen.

Hinfallen, aufstehen, innehalten, weitergehen.

Ich kippe – metaphorisch gesehen – immer mal wieder um. Zum Beispiel, wenn ich von Menschen verletzt werde, die mir viel bedeuten. Wenn ich von jemandem enttäuscht werde und mir emotionaler Schmerz zugefügt wird. Manchmal kippe ich auch, wenn ein wichtiges Vorhaben, in das ich viel Hoffnung hineingesteckt habe, nicht so klappt, wie ich mir das vorgestellt habe. Wenn ich versage, wenn ich nicht die Leistung erbringe, die ich mir als Ziel gesteckt habe. In diesen Momenten fühle ich mich hilflos und schwach, weil der Mensch, in den ich all meine Hoffnungen gesetzt habe, mich fallen gelassen hat. Oder weil mir in dem Projekt, welches ich perfekt ausführen wollte, ein Fehler unterlaufen ist. Sind diese Situationen besonders einschneidend oder passieren sie häufiger, merke ich schnell, dass mein Selbstbewusstsein darunter leidet.

Momente wie diese sind hart und können ziemlich weh tun, aber sie sind auch eine Chance. Eine Chance, still zu halten und darüber nachzudenken, in welchen Boden sich meine Wurzeln gerade krallen. Oft genug komme ich zu dem Schluss, dass es lockere Erde ist, die mir keine Standhaftigkeit verleiht, wenn der Sturm kommt. Und ich muss wieder neu erkennen, dass mein Selbstbewusstsein, meine Identität, meine Selbstwahrnehmung auf Jesus Christus gegründet sein sollte, um mir Sicherheit im Leben zu geben. Mache ich mich von ihm abhängig und definiere ich mich dadurch, dass ich zu ihm gehöre, können mir unvorhergesehene Ereignisse nicht mehr so viel anhaben.

Leben als Königskind – leicht gesagt.

Auf der Suche nach einem verlässlichen Fundament für meine Selbstwahrnehmung und meine Selbst-Definition stoße ich in der Bibel auf die Worte von Paulus im Epheserbrief: „Von allem Anfang an hat er [Gott] uns dazu bestimmt, durch Jesus Christus seine Söhne und Töchter zu werden. Das war sein Plan; so hatte er es beschlossen“ (Epheser 1, 5). Gottes Wunsch für die Menschen ist also, dass sie seine Kinder werden. Ein Gotteskind sein – das ist die Identität eines Christen. Doch das funktioniert nicht automatisch, sondern geschieht erst dann, wenn ein Mensch sich dafür entscheidet, Jesus Christus kennenzulernen und ein Leben mit ihm zu beginnen. Dadurch bekommt er alle Privilegien, die ein Prinz oder eine Prinzessin hat. Lebt ein Christ in der Gewissheit, dass Gott sein Vater ist, weiß er, wo er hingehört: Zum König und Schöpfer der Welt. Seine Identität ist im Himmel. Er braucht es weder sich noch anderen Menschen beweisen, dass er stark, mutig, klug, schön oder begehrt ist. Denn sein eigener himmlischer Vater sagt ihm: „Ich liebe dich, wie du bist. Komm in meine Arme und erfahre, wie sehr ich dich liebe“.

Wie leicht lässt sich das sagen: „Gott liebt dich. Du bist ein Königskind“ und wie schwer lässt es sich verstehen und noch schwerer lässt es sich danach leben. In seiner Vortragsreihe „Leben als Königskind“ spricht Dr. Johannes Hartl davon, wie die praktische Umsetzung dieses theoretischen Wissens funktionieren kann. Er betitelt die Suche nach Identität und Lebenssinn, die Jagd nach Anerkennung, Bestätigung und Liebe durch andere Menschen als eine Sklaven- oder Waisenkindmentalität. Waisenkinder haben keinen Vater, sie müssen sich also um Liebe bemühen, sie müssen dafür sorgen, dass ihnen Recht geschieht und in ihrem Leben darum kämpfen. In der biblischen Geschichte von der Frau am Jakobsbrunnen (Johannes 4, 1-42) geht es genau darum. Jesus möchte ihren unerbittlichen Durst nach dem Mehr im Leben stillen. Sie hat schon so lange gesucht, vor allem bei den fünf Männern, die sie hatte: Liebe, Wert, Sinn. Aber Jesus sagt zu ihr: „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr durstig sein. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die unaufhörlich fließt, bis ins ewige Leben“.

Als Kind Gottes bin ich auch Erbe Gottes.

Warum laufen wir nicht zu Gott, wenn wir etwas brauchen? Warum hören unsere Wurzeln auf, sich so tief ins Erdreich zu schlagen, bis wir auf den festen Fels stoßen, an den wir uns halten? Weil wir denken, es wird schon genügen, irgendwo an der Oberfläche zu bleiben? Haben wir Angst, tiefer zu gehen? Bereitet es zu viel Mühe? Vielleicht sollte man sich die Frage stellen: Glaube ich, dass Gott es wirklich gut mit mir meint? Glaube ich, dass er mir alles geben kann, nachdem ich mich sehne? Oder meine ich, dass ich selbst dafür sorgen muss, mir mein „Gut-Gefühl“ zusammenzusuchen?  

Gott hat mich auserwählt, er wollte, dass ich so bin, wie ich bin. Bevor er die Pflanzen und Tiere erschaffen hat, hatte er den Wunsch, dass es mich geben soll und er wusste schon damals, wie mein Leben verlaufen wird (vgl. Jeremia 1, 4). Was für eine wundervolle Liebeserklärung! Ich bin vor den Augen Gottes mit Jesus an gleicher Stelle. Ich bin Erbe von Gott (vgl. Römer 8, 14), ich habe also ein Anrecht auf Gottes Liebe und auf die Erfüllung seiner Verheißungen. In dem Lied „No longer slaves“ singt die Lobpreisgruppe Bethel Music davon, dass wir keine Sklaven der Angst sind. Wir sind befreit und Kinder Gottes, die um seinen Thron herumtollen dürfen und sich an der Nähe ihres liebevollen Papas freuen können. Es lohnt sich, sich selbst zu fragen: Benehme ich mich so? Verhalte ich mich wie ein Königskind, das alles hat, was es zum Leben braucht, und einen Vater hat, der ihm gibt, was es braucht? Kann ich sagen: Ich bin etwas, auch wenn ich meine Gaben und Fähigkeiten nicht mehr ausleben kann, wenn ich versage oder wenn ich von Menschen nicht die Liebe erfahre, die ich mir wünsche?

Gott möchte Ihr Herz verändern!

Es ist ein Weg der Übung, sein Herz umzustellen, aber wenn dies gemeinsam mit dem Mentor Jesus geschieht, dann wird Gott nur allzu gerne unsere Gedanken wieder ins rechte Lot rücken. Er wird die Einladung „Gott, verändere mein Herz“ annehmen. Das verspricht er in der Jahreslosung von 2017: „Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist. Das versteinerte Herz nehme ich aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges dafür“ (Hesekiel, 36,26). Weiß ich, wer ich bin und weiß ich, dass mich keine Macht der Welt von der Liebe Gottes trennen kann, dann wird das auch nach außen spürbar sein. Meine Perspektive aufs Leben, auf bestimmte Situationen wird sich ändern, weil ich ganz anders verwurzelt bin. Ich werde lockerer, gelassener wirken, weil ich weiß, wer ich bin und was ich habe.

Wünschen Sie sich, ein gefestigter Mensch zu werden, der weiß, wie sich himmlische Vaterliebe anfühlt? Hier einige Tipps, die ihnen bei der Suche nach festem Fundament helfen können:

  1. Reden Sie darüber mit Gott, bitten Sie ihn, dass er Ihnen zeigt, wie er Sie sieht. Wenn Ihnen die Worte fehlen, beten Sie folgenden Bibelvers: „Er öffne euch das innere Auge, damit ihr seht, welche Hoffnung er euch gegeben, zu welch großartigem Ziel er euch berufen hat. Er lasse euch erkennen, wie reich er euch beschenken will und zu welcher Herrlichkeit er euch in der Gemeinschaft der heiligen Engel bestimmt hat. Ihr sollt begreifen, wie überwältigend groß die Kraft ist, mit der er an uns, den Glaubenden, wirkt. Es ist dieselbe gewaltige Kraft, mit der er an Christus gewirkt hat, als er ihn vom Tod auferweckte und in der himmlischen Welt an seine rechte Seite setzte.“ (Epheser 1, 18-20)
  2. Lesen Sie den ganzen Epheserbrief durch und schreiben Sie auf, was Sie auszeichnet, wenn Sie an Jesus Christus glauben. Sie werden staunen, welche „Willkommensgeschenke“ Gott denjenigen schenkt, die seine Kinder werden. Schreiben Sie sich eine Liste und lesen Sie diese täglich laut vor. Durch das laute Aussprechen werden die Worte immer realer für Sie werden.
  3. Fragen Sie sich in Situationen, in denen Sie Angst haben oder in denen Sie scheinbar ihr ganzes Selbstbewusstsein verloren haben: Benehme ich mich wie ein Königskind oder beginne ich nun auf der Straße um Liebe zu betteln? Lassen Sie sich von ihrem Vater im Himmel trösten. Er wird Ihnen die Tränen abwischen. Das verspricht er: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ (Jeremia 66, 13). 

Kommentare

Von Vera am .

Epheser 1,18 ist ein ganz besonderer Vers :)

Von Larissa am .

Danke für den Text und die Gedanken, passt einfach absolut zu meiner jetzigen Lebenssituation :)

Von Alexander M. am .

"Meine Identität in Jesus..."
Ich glaube jeder Mensch kommt zwangsläufig in seinem Leben zu der Frage: „Wer bin ich eigentlich?“ Und dann die Gewissheit zu haben, mich selbst nicht erst „er-/finden“ zu müssen, sondern mich mit Jesus Christus identifizieren zu können, schafft einen inneren Frieden wie man ihn vergeblich auf dieser Welt sucht. Wie heilsam sind da Gottes Zusagen, die Zusagen eines liebevollen Vaters. Und wie verheißungsvoll sein Erbe.


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