Porträt

Gefangen in der Angst

Furcht bestimmt Maria Härtels Leben. Doch dann lernt sie Jesus kennen.

Maria Härtel schlägt die Augen auf und hat das Gefühl, dass ihr jemand die Kehle zudrückt. Gestern hat sie noch fröhlich ihren 34. Geburtstag gefeiert und heute geht plötzlich nichts mehr. Die Angst ist übermächtig, das Gefühl der Überforderung erdrückend. Sie ist wie gelähmt und hat keine Kraft mehr aufzustehen. Eigentlich ist sie eine Powerfrau. Sie hat immer alles im Griff. Doch plötzlich entgleitet ihr völlig die Kontrolle.

Es hatte sich angekündigt. Nach ihrer Scheidung nehmen der Druck und die Verantwortung, die jetzt als alleinerziehende Mutter auf ihr lasten, ständig zu. Immer öfter hat sie das Gefühl, dass ihr alles über den Kopf wächst. Dann erlebt sie zum ersten Mal eine Situation, in der die Angst sie völlig überwältigt. Sie macht Urlaub mit einem befreundeten Ehepaar. Als die Freunde zum Einkaufen fahren und nach zwei Stunden noch nicht zurück sind, bricht Maria Härtel in Panik aus. „Ich habe gedacht, die kommen nicht zurück. Ich sitz‘ hier mutterseelenallein auf einem Campingplatz auf Sardinien, ich hab kein Fahrzeug, ich weiß nicht, was ich machen soll. Das war das erste Mal, dass ich gemerkt habe: Die Angst verselbständigt sich, ich kann das mit meinem Willen nicht mehr steuern.“

Von nun an wird die Angst ihr ständiger Begleiter. „Monatelang bin ich mit dem Gefühl aufgewacht, wie früher zur Schulzeit, wenn an dem Tag eine Mathearbeit anstand. Und je mehr ich über den Tag nachgedacht habe, desto größer wurde die Angst, bis sie den ganzen Raum in mir ausgefüllt hat.“ Das alles zehrt an ihren Kräften. Kleinigkeiten werden zu unüberwindlichen Bergen. Ein paar Tassen zu spülen, den Rasen mähen – schier unlösbare Aufgabe. „Es hat mir wirklich die Kehle zugeschnürt, schlagartig kam Übelkeit, Magenschmerzen, Verspannungen im Nacken, als ob mich eine Hand im Genick packt.“ Schließlich kommt der endgültige Zusammenbruch.

Auf der Suche nach Hilfe

Sie sucht Hilfe bei ihrer Hausärztin. Die tippt auf Erschöpfungsdepression und verschreibt Antidepressiva, die Maria Härtel aber nicht verträgt. Sie kommt ins Krankenhaus und wird komplett durchgecheckt. Nach einer Woche ist klar, dass sie organisch kerngesund ist. Sie wird entlassen, doch die Symptome sind immer noch da. Weiter geht die Odyssee zu Psychologen und Gesprächstherapien. Sie ist arbeitsunfähig und wird erst mal krankgeschrieben. Eine Mutter-Kind-Kur bringt kurzfristig Entlastung, doch als sie nach Hause kommt, ist alles wie vorher. Eine Diagnose hat sie immer noch nicht.

Maria Härtel fühlt sich allein gelassen und sucht Hilfe in alternativen Angeboten. Sie besucht eine sogenannte Schnaufgruppe, die Atemtechniken mit Meditation verbindet. Die ‚Kundalinischlange‘ soll anschließend wieder für Kraft sorgen.

„Das war sehr intensiv und die persönliche Zuwendung der Kursleiterin hat mir gut getan. Man wurde eingepackt in warme Decken und war irgendwie geborgen. Ansonsten waren das ganz wilde Techniken, die wir da praktiziert haben, aber ich habe in der Situation nach jedem Strohhalm gegriffen, der sich mir bot. Nur meine Angst wurde nicht weniger, sondern stärker. Das Dunkel in mir wurde immer größer. Ich habe auch mit der Kursleiterin Lichtsitzungen gemacht. Dabei waren wir allein und sie hat den ‚Engel des Lichts‘ angerufen, der den Weg weisen sollte zu früheren Situationen im Leben und auch zu früheren Leben. Ich hatte keine Ahnung, wer das sein sollte, aber ich war damals ganz blauäugig und dachte wirklich, dass es nur gute Engel gibt. Deswegen habe ich das alles so mitgemacht.“ Aber auch in diesen Sitzungen verbessert sich ihre Situation nicht. Die Panik ist unvermindert da.

Die größte Sehnsucht – geborgen sein

Unter Leuten zu sein, fällt Maria Härtel inzwischen schwer, aber allein zu sein, ist noch schlimmer. Deswegen entschließt sie sich, ein Faschingsfest in ihrem Ort zu besuchen. Ein Abend, der die Wende in ihrem Leben einläutet. Dort trifft sie eine alte Freundin wieder, die sie jahrelang aus den Augen verloren hatte. Diese Frau spürt, dass es Maria nicht gut geht. Sie ist schon zu Hause, doch sie hat das drängende Gefühl, dass sie zu dem Fest zurückkehren soll.

Wieder dort eingetroffen bietet sie Maria an, für sie zu beten. Die nimmt dankbar an. „Wir haben uns dann in eine ruhige Ecke gesetzt und sie hat für mich gebetet. Ich weiß nicht mehr, was sie gesagt hat, aber ich merkte, dass die Angst verschwindet. In mir war eine ganz große Ruhe, eine Entspannung. Der Druck und die Überforderung waren weg und es war irgendwie wieder hell und leicht. Ich war glücklich.“ Am nächsten Tag ist die Angst zwar wieder da, aber Maria Härtel hat das Gefühl, als ob Gott ein Fenster aufgemacht und ihr gezeigt hat, wie es in Zukunft sein kann.

„Ich bin dann zu meiner Freundin gefahren und bei ihr lief Musik, die ich noch nie gehört hatte. Christliche Anbetungsmusik. Eine Zeile werde ich nie vergessen: ‚Vater ich komme jetzt zu dir, als dein Kind lauf ich in deine Arme‘. Mit Vater ist Gott gemeint und das hat mich mitten ins Herzen getroffen. Das habe ich mir gewünscht: Nach Hause kommen, geliebt werden, vertrauen, geborgen und sicher zu sein. Ich habe dann immer wieder mit meiner Freundin geredet, sie hat mir von ihrem Glauben erzählt und eines Tages hat sie gesagt: Du kannst Jesus einladen, in dein Leben zu kommen. Das wollte ich. Ich habe gebetet: Jesus, dieses Leben ist aus meiner Kraft nicht zu schaffen, ich brauch dich und ich möchte, dass du kommst und die Herrschaft übernimmst.“

Ein neuer Anfang

Nach diesem Gebet beginnt Maria Härtel, ihr Leben aufzuarbeiten. Sie fährt zu einem fünftägigen Seelsorgeseminar und erlebt viel Heilung und Befreiung. Sie bereinigt Konflikte. Und sie geht noch einmal neun Wochen in eine Klinik, um die Ängste wirklich an der Wurzel zu packen.

„In dieser Zeit habe ich erkannt, dass in mir eine tiefe Angst steckt, verlassen zu werden. Das habe ich mehrfach erlebt und das hat tiefe Spuren in meiner Seele hinterlassen. Ich hatte immer dieses Grundgefühl der Verlassenheit und dachte: Du kannst dich auf niemanden verlassen und musst alles selbst schaffen. Und es war so heilsam, immer mehr zu realisieren, dass Gott für mich wirklich dieser Vater ist, zu dem ich nach Hause komme, der mich in die Arme nimmt, der immer bei mir ist und der mich niemals verlässt.“

Auch ihre Krankheit bekommt in dieser Zeit einen Namen. Es war keine Erschöpfungsdepression, auf die sie lange behandelt wurde, sondern eine generalisierte Angststörung. Für Maria ist es wichtig, endlich eine Diagnose zu haben, mit der sie weiter arbeiten kann.

„Mit Jesus brauche ich mich nicht zu fürchten“

Die Heilung ist für Maria Härtel ein Prozess. Insgesamt dauert es rund zwei Jahre, bis sie morgens aufwacht und keine Angst vor dem Tag mehr hat. „Für mich waren dabei Zusagen aus der Bibel ganz wichtig. Zum Beispiel sagt Jesus: ‚In der Welt habt ihr Angst aber seid getrost, ich hab die Welt überwunden (Johannes 16,33)‘. Es ist also normal, Angst zu haben, nur meine ‚Überangst‘ war nicht mehr normal. Natürlich gibt es immer wieder Situationen, die schwieriger sind. Es gibt weitreichende Entscheidungen, die zu treffen sind, Probleme mit den Kindern oder am Arbeitsplatz. Dann ist mein Gott, mein Vater im Himmel, mein Halt. Ich weiß, dass ich nicht tiefer fallen kann als in seine Hände und er hat diese Angst überwunden.

Und in ganz schlimmen Situationen, die es immer wieder mal gibt, ist das Wort Gottes mein Schild gegen die Gedanken, die mir Angst machen wollen. Wenn mein eigener Verstand beginnt, Karussell zu fahren, dann hab ich Bibelstellen parat, die ich dagegen halten kann. Zum Beispiel als es an der Arbeit schwierig war und ich dachte, die Situation überrollt mich jetzt komplett, da habe ich immer wieder Sprüche 4, 20-22 laut oder leise zitiert. Darin steht, dass bei Gott Leben und Heilung ist. Und ich hab gemerkt, irgendwann beruhigt sich die Angst in mir. Irgendwann ist das Wort Gottes stärker und überwindet das, was sich da so aufbäumt. Das erlebe ich immer wieder. Das Wort Gottes ist einfach stärker als diese Angst, die uns immer wieder versucht zu packen.“ Auch Musik spielt eine große Rolle in Maria Härtels Leben. Anbetungslieder zu hören oder selbst zu singen, ist für sie eine direkte Begegnung mit Gott, in der viel Liebe und Heilung fließt. Maria Härtel fühlt sich getragen, auch in schlimmen Situationen.

„Für mich als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern war die Hilfe meiner Eltern immer sehr wichtig, auf sie konnte ich mich verlassen, sie waren immer für mich da. Und eines Tages war ich sehr unruhig und ich hatte das Gefühl dass Jesus sagt: Leg dir eine CD ein. Das habe ich gemacht und den ‚Messias‘ von Händel gehört. Dabei habe ich erlebt, dass sich die Präsenz Gottes irgendwie im ganzen Haus verteilte. Dann hat es geklingelt. Draußen stand die Polizei, um mir zu sagen, dass meine Eltern bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. Ich wäre normalerweise völlig zusammengebrochen, aber ich konnte es ertragen, weil ich wie in Watte gepackt war. Da war sehr viel Schmerz und Trauer, aber nie Verzweiflung. Jesus ist mir seitdem noch näher als er es vorher schon war. Ich weiß, mit ihm schaffe ich jede Situation. Ich brauche mich nicht mehr zu fürchten.“


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Kommentare

Von Ornella am .

Vielen dank an Frau Haertel fuer Ihr zeugniss,es hat mir viel kraft gegeben und hoffnung gerade wenn mann angststoerung hat.Gott segne Sie


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