Service-Artikel

Ich mag mich selbst nicht

Durch aufmerksame Selbstachtung kann gesunde Selbst- und Nächstenliebe wachsen.

Liebe deinen Nächsten WIE DICH SELBST – ein allgemein bekanntes Gebot aus der Bibel. Aber häufig haben wir nur die erste Hälfte im Blick.

Viele Menschen leiden darunter, andere nicht wirklich lieben zu können. Die Ursache dafür liegt häufig darin, dass sie sich selbst nicht lieben können. Wer sich selbst nicht liebt, kann auch oft nicht wahrnehmen, dass er von anderen geliebt wird. Das erzeugt eine Kettenreaktion: Innerer Stress, Bitterkeit, körperliche Krankheiten oder Einsamkeit.

Was genau ist denn Selbstliebe? Sie hat nichts mit Egoismus oder Selbstverliebtheit zu tun.
 

3 Kennzeichen für gesunde Selbstliebe

Es gibt 3 Faktoren, in denen sich echte Selbstliebe zeigt:

1. Sich mit seiner Geschichte und Vergangenheit versöhnen. So wie es der Schriftsteller Fjodor Dostojewski einmal sagte: „Habe dein Schicksal lieb, denn es ist der Weg Gottes mit deiner Seele.“ Sehr oft wird der eigene Leidensweg, Krisen und Bruchlandungen ein Türöffner und Erfahrungsschatz für etwas ganz Neues. Ganz nach dem Motto: „Gott kann aus Mist Dünger machen.“

2. Sich selbst kennen lernen und sich in seinen Stärken UND Schwächen annehmen. Denn wer nur seine Stärken akzeptiert, liebt sich nur zur Hälfte. Nebenbei: Womöglich haben Sie oder andere Ihre „Schwächen“ nur als solche bewertet, weil sie nicht zu den Anforderungen oder Erwartungen passte. Unter andern Umständen könnte zum Beispiel Ihre Sensibilität eine Stärke sein.

3. Den Entschluss fassen: liebevoll, fürsorglich und barmherzig mit sich selbst umzugehen. Wie Sie über sich selbst reden hat schon eine große Wirkung. Begrüßen Sie doch mal Ihr Spiegelbild, als stehe eine adlige oder sonst besondere Person Ihnen gegenüber.

Zur guten Selbstfürsorge müssen auch die eigenen Grenzen beachtet werden. Überlegen Sie, was Ihnen gut tut, was Sie eigentlich wollen und was nicht. Mehr Inputs zu diesem Thema bietet Ihnen unser Artikel „Eigentlich&Aber“.

Sich selbst lieben zu lernen ist ein fortwährender Prozess, den wir üben können. Und dazu hilft auch Achtsamkeit. Doch was ist Achtsamkeit überhaupt?
 

Wie geht Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist ein wichtiges Mittel, um mit sich selbst in Kontakt zu kommen und zu bleiben. Es baut Stress ab und führt zu mehr Bewusstheit und Präsenz. Folgende Schritte können dabei helfen:

Fokussieren. Dabei lösen Sie sich von der Zerstreutheit und reduzieren sich auf ein Detail. Ihre Aufmerksamkeit konzentriert sich und wird verfeinert. Das ist schwer möglich, wenn alle paar Minuten das Smartphone surrt oder ein anderes Störsignal ablenkt. Es braucht Mut und Willen, um sich einen ungestörten Freiraum zu verschaffen und sich in einer medienfreien Zone zu sammeln.

Wahrnehmen. Beobachten Sie bewusst, was wie selbstverständlich in einem „Parallel-Leben“ unbeachtet abläuft. Wenn Sie zum Beispiel zur Toilette gehen, gibt es viele Dinge, die Sie ohne Achtsamkeit kaum wahrnehmen. Womöglich können Sie schmerzfrei gehen, sich an einem ruhigen Örtchen niederlassen. Ihre Verdauung funktioniert, Papier und Wasser stehen zur Verfügung bereit. Banal vielleicht, aber für viele Menschen nicht selbstverständlich. Oder Sie erinnern sich an Momente, wo sie etwas von diesen „Selbstverständlichkeiten“ nicht hatten.

Wertschätzen. Fast automatisch werden Sie viele alltägliche, schöne oder angenehme Dinge mehr zu schätzen lernen, wenn Sie sie intensiver wahrnehmen. Wertschätzung zeigt sich in dem, wie dankbar Sie sind, egal ob Sie es laut sagen, nur fühlen oder denken. Es hat mal jemand gesagt „Danken schützt vor Wanken. Loben zieht nach oben“. Dankbarkeit und Lob haben tatsächlich einen spürbaren, positiven Effekt − für Sie und andere.

Achtsam Handeln. Das heißt, sich bewusst darüber zu sein, was Sie im Moment gerade tun. Denn das Leben ist jetzt und nicht später! Seien sie zum Beispiel beim Essen ganz bei der Sache, zerkleinern Sie Ihre Speise und laden Sie eine passende Portion auf die Gabel. Aktivieren Sie alle Sinnesorgane, um das Essen zu schmecken, zu riechen, zu kauen und die Früchte und Gemüse mit ihren unterschiedlichen Farben und Strukturen zu sehen. Wenn Sie gedanklich schon wieder bei der Arbeit sind, schaufeln Sie nur abwesend Treibstoff in sich hinein und verpassen so manchen Genuss.
 

Achtsamkeit hilft, Gott im Alltag mehr zu erleben

Wer achtsam lebt, geht würdigend mit sich selbst, mit dem Gegenüber und dem Leben um. Es gibt aber noch eine weitere Dimension zu entdecken: König David (um 1000 v. Chr) ermutigt: „Erprobt es doch selbst und erlebt es: Der Herr ist gütig! Wie glücklich sind alle, die bei ihm Zuflucht suchen!“ (Psalm 34,9). Und Johannes, ein sehr guter Freund von Jesus, ergänzt: „Wir haben erkannt, wie sehr Gott uns liebt, und wir glauben an seine Liebe.“ (1.Johannes 4,16)

Je mehr wir uns von Gott geliebt wissen und seine Güte auch in unserem Alltag wahrnehmen, desto mehr wird unsere Selbstachtung aufgebaut und eine gesunde Selbst- und Nächstenliebe kann daraus wachsen. Das heißt: Achtsamkeit führt zu einem intensiveren Wahrnehmen der Güte Gottes und das wiederum stärkt unsere Selbstachtung. Ein großartiger Kreislauf, oder etwa nicht?


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Kommentare

Von Sarah am .

In der Bibel steht: "Durch seine Wunden seid ihr Heil geworden." Meiner Meinung nach reicht das vollkommen aus um in der Beziehung zu Gott und zum Nächsten zu wachsen.

Von Katharina am .

Dankeschön! :-)

Von Peter am .

Danke, sehr schön auf den Punkt gebracht!

Von Annemarie V. am .

Lieber Herr Jörg Kuhn! Ganz herzlichen Dank für Ihr Feingespür und Ihre Klugheit! Die kann nur Jesu Ihnen offenbart haben! Denn das bedeutet schon eine tiefe Beziehung zu Jesu und eine Reife. Jesu hat mir das auch schon vor langer Zeit offenbart. Ich konnte dies aber nur deshalb, weil ich durch Jesus Seine Liebe doch sehr groß offenbart bekommen habe, dass Er mich bedingungslos liebt trotz mit all dem "Schlamassel" was ich noch so mitschleppe. Welches aber viel Durchhaltevermögen, und meinen mehr


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