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Gescheitert – na und?

Scheitern bringt unsere Welt ins Wanken. 6 Tipps, um wieder auf die Füße zu kommen.


„Das hast du aber so richtig verbockt!“ Wenn wir diese Worte hören, lässt das unser Selbstwertgefühl direkt in den Keller sinken. Und das Schlimmste ist: Ab und zu hat unser Gegenüber sogar Recht. Denn uns allen geht mal das eine oder andere schief. Manchmal ist das nicht so schlimm. Doch ab und zu kommt es vor, dass durch dieses Scheitern unser Leben ins Ungleichgewicht gerät. Wir vermasseln eine wichtige Prüfung in Studium oder Ausbildung, eine enge Beziehung zerbricht oder wir müssen uns von einem Lebenstraum verabschieden.

Unser Scheitern bringt also wortwörtlich unser Leben ins Wanken. Nichts scheint mehr sicher. Je nach Persönlichkeit reagieren wir wütend, schockiert oder enttäuscht. „Was ist nun zu tun? Woran kann ich mich jetzt noch festhalten?“, fragen wir uns hilflos. Doch so schlimm Scheitern auch ist, es gibt Möglichkeiten, halbwegs unbeschadet durch die Krise hindurchzukommen. Das hat auch Autorin Ulrike Becker erlebt. In ihrem Buch „Schiffbruch inbegriffen – Scheitern und wie es danach weitergeht“ gibt sie hilfreiche Tipps, wie man mit Situationen des Scheiterns umgehen kann. Einige davon finden Sie in diesem Artikel wieder.

Gott rechnet mit unserem Scheitern

 

Die wichtigste Frage ist zuerst: Warum wirft uns Scheitern eigentlich aus der Bahn? Wahrscheinlich weil wir es nicht erwarten. Wir meinen, dass in unserem Leben alles glatt laufen müsse. Wenn wir dann gegenteilige Erfahrungen machen, sind wir von uns selbst und von Gott enttäuscht. Doch Scheitern ist nichts Ungewöhnliches. Jeder Mensch erleidet in seinem Leben einmal Schiffbruch. Wir mögen nach einem perfekten Leben ohne böse Überraschungen streben, doch ein solches Leben ist weder erreichbar noch wird es uns in der Bibel versprochen.

Ulrike Becker geht sogar noch weiter und behauptet: Fehler machen gehört zum Menschsein dazu. Das heißt auch: Gott rechnet mit unserem Scheitern und nicht damit, dass wir auf Anhieb alles richtig machen. Natürlich sollen wir leichtfertig mit Fehlern umgehen. Aber Gott ist nicht überrascht oder enttäuscht, dass wir ab und zu scheitern. Er weiß, dass wir manche Lebensentscheidung zwar nach bestem Wissen und Gewissen treffen, aber trotzdem in einer Sackgasse landen. Wir mögen in einer verfahrenen Lebenssituation keinen Ausweg mehr sehen, aber Gott ist mit seinen Möglichkeiten noch nicht am Ende.

Gott ist nicht überrascht oder enttäuscht, dass wir ab und zu scheitern. Er weiß, dass wir manche Lebensentscheidung zwar nach bestem Wissen und Gewissen treffen, aber trotzdem in einer Sackgasse landen.

 

Das eigene Scheitern loslassen

Wenn wir also mit Scheitern in unserem Leben konfrontiert sind, ist die erste wichtige Erkenntnis: Scheitern ist normal. Auch wenn wir scheitern, kann Gott daraus wieder etwas Gutes erwachsen lassen. Scheitern ist nicht das Ende, sondern wir können aus unserem Scheitern lernen, wenn wir uns unsere Fehler eingestehen, aber auch bereit sind, sie loszulassen.

Das ist oft leichter gesagt als getan. Oft ist genau das unser größtes Problem. Wir können uns unser eigenes Scheitern einfach nicht verzeihen und grübeln, was wir hätten anders machen können, statt unsere Kreativität und Kraft darauf zu verwenden, konstruktiv mit unserem Scheitern umzugehen. Hilfreich ist es hier, sich deutlich zu machen, wie nutzlos es ist, sich an alten Fehlern festzubeißen. Stattdessen können wir einüben, loszulassen. Was aus unseren Fehlern wird, haben wir nicht in der Hand. Aber wir können darauf vertrauen, dass Gott in jedem Fall unser Leben in der Hand hält.

Stattdessen können wir einüben, loszulassen. Was aus unseren Fehlern wird, haben wir nicht in der Hand. Aber wir können darauf vertrauen, dass Gott in jedem Fall unser Leben in der Hand hält.

 

Ängsten ins Auge sehen und neuen Mut fassen

Manchmal ist es in diesem Zusammenhang auch sinnvoll, darüber nachzudenken, welche existenziellen Ängste durch unser Scheitern ausgelöst werden. Wenn wir etwa erleben, dass es in der Ehe kriselt oder es im Job plötzlich nicht mehr rund läuft, macht uns vielleicht nicht nur die akute Situation Angst, sondern wir befürchten auch, dass es noch schlimmer werden könnte und wir eventuell den Job oder die Beziehung verlieren. Dann ist es gut, wenn wir alles dafür tun, unseren Stresspegel wieder etwas herunterzufahren und beginnen, die Situation realistisch zu sehen. Was ist tatsächlich Fakt und was bisher nur Befürchtung? Diese beiden Punkte sollten wir unbedingt trennen.

Außerdem ist es wichtig, dass wir uns gerade nach dem Scheitern Gutes tun. Um wieder auf die Beine zu kommen, brauchen wir neuen Mut und neue Kraft. Dies können uns zum Teil andere Menschen geben, aber auch eine feste Tagesstruktur und Hobbys können eine Kraftquelle sein. Genauso können auch bewusste Auszeiten oder Aufgaben, in denen wir weiterhin anderen „etwas geben“ können, unseren Lebensmut wieder stärken. Denn dass wir in einem Lebensbereich gescheitert sind, heißt nicht, dass wir generell nichts können. Wir sollten alles dafür tun, dieser Lüge nicht aufzusitzen.
 

Die eigenen Gefühle verstehen

Eventuell folgen wir all diesen Ratschlägen und fühlen uns trotzdem heillos mit der Situation überfordert. Wir tun, was wir können, aber wir erleben: Wir können einfach nicht mehr. Was nun? Zum einen können wir Gott dieses Gefühl der Überforderung anvertrauen. Gott erwartet nicht von uns, dass wir mit jeder Lebenslage fertigwerden. Es ist in Ordnung, erschöpft, verzweifelt und überfordert zu sein. Wir müssen nicht immer stark sein. Vielleicht entlastet es uns bereits, wenn wir ihm als himmlischen Vater vertrauensvoll das hinhalten, was uns belastet.

Vielleicht entlastet es uns bereits, wenn wir ihm als himmlischen Vater vertrauensvoll das hinhalten, was uns belastet.

 

Vielleicht sind aber auch negative Gefühle mitverantwortlich für das Gefühl der Überforderung. Vielleicht fühlen Sie sich enttäuscht, fremdbestimmt oder wütend. Oder Sie haben den Eindruck, dass jemand Sie im Stich gelassen hat, oder schämen sich für Ihr eigenes Verhalten. Dann ist es wichtig, dass Sie zwei Dinge verstehen: 1. Ihre negativen Gefühle werden Ihnen nicht helfen, Ihr Scheitern zu überwinden. 2. Sie dürfen Ihre Gefühle nicht übergehen.

Wenn Sie sich nicht um Ihre Gefühle kümmern, werden diese weiter in Ihnen brodeln. Wenn Sie aber Ihre negativen Gefühle weiter nähren und pflegen, werden Sie aus der aktuellen Notsituation nicht herauskommen. Was hilft jetzt weiter? Einerseits hilft es zu verstehen, wieso Sie wütend, traurig oder enttäuscht sind. Sie können ganz konkret überlegen: „Was hat mich wütend gemacht? Welche meiner Erwartungen wurde enttäuscht? Worüber bin ich traurig?“ Je mehr wir unsere negativen Gefühle verstehen, desto eher können wir beginnen, sie loszulassen.

Andererseits sollten wir uns nicht nur mit negativen Gefühlen beschäftigen, sondern auch neu positiven Gefühlen Raum geben. Denn auch wenn gerade alles düster aussehen mag, ist es selten so, dass unser ganzes Leben plötzlich schlimm ist. Vielleicht helfen Ihnen dabei folgende Fragen: „Welche schönen Dinge erlebe ich gerade? Wofür kann ich dennoch dankbar sein?“ Erinnern Sie sich selbst immer wieder an diese kleinen Glücksmomente.

6 Spielregeln, um Scheitern zu überwinden

Doch wie überwinden wir unser Scheitern? Wie bekommen wir wieder festes Land unter den Füßen, nachdem wir Schiffbruch erlitten haben? Sechs hilfreiche Spielregeln gibt Ulrike Becker für diese Zeit des Ausharrens, Zweifelns und Hoffens.

1. Sie brauchen einen langen Atem und ein waches Herz. Das heißt: Am wichtigsten ist in dieser Situation Durchhaltekraft. Oft sind wir ungeduldig und wünschen uns, dass die Situation sich möglichst schnell wieder zum Guten wendet. Oder aber wir geben ganz den Glauben daran auf, dass die Situation sich wieder bessern könnte. Beides bringt uns nicht weiter, vielmehr müssen wir geduldig abwarten, wann sich wieder neue Möglichkeiten eröffnen.

2. Lassen Sie Ihre eigene Bedürftigkeit zu und erlauben Sie Gott, sie zu stillen. Wenn wir gescheitert sind, haben wir Hilfe nötig. Wir sind auf Gottes Schutz und sein Durchtragen angewiesen. Dagegen sollten wir uns nicht wehren, sondern unsere Bedürftigkeit annehmen und zulassen.

3. Seien Sie bereit, Hilfe anzunehmen. Hilfe von anderen anzunehmen, fällt niemandem leicht. Aber gerade in einer Krise brauchen wir Hilfe und Unterstützung von anderen. Seien Sie daher nicht zu stolz, Hilfe anzunehmen und − wo nötig − aktiv zu erbitten.

4. Vergeben Sie denen, die an Ihrem Scheitern eine Mitschuld tragen, und lassen Sie los, was vergangen ist. Oft sind wir nicht allein an unserem Scheitern schuld, sondern andere Menschen tragen eine Mitschuld. Vielleicht haben sie uns falsch beraten oder sie waren aktiv an unserem Scheitern beteiligt. Hier ist es wichtig, Groll loszulassen, um ihn nicht weiter mit uns herumzutragen.

5. Kapitulieren Sie vor dem Unvermeidlichen. Was sich nicht mehr ändern lässt, akzeptieren wir und lassen es bewusst los. Gerade in Situationen des Scheiterns ist es wichtig, sich einzugestehen, wo unsere Kraft vergeudet wäre und was wir nicht mehr ändern können.

6. Suchen Sie Ihre Gestaltungsspielräume. Alte Pläne und Ziele loslassen müssen, bedeutet nicht handlungsunfähig zu sein. Was können wir selbst jetzt tun, um unsere Situation zu verbessern?

Endlich Land in Sicht

Die Erfahrung des Scheiterns liegt hinter uns. Doch wie geht es nun weiter? Wir wissen: Jetzt ist eine Neuausrichtung dran. Aber wohin soll die weitere Lebensreise gehen? Auf dem bisherigen Weg sind wir gescheitert und vielleicht haben wir Angst, ein neues Abenteuer zu wagen. Doch eines steht fest: Stehenbleiben können wir auch nicht.

Ulrike Becker rät hier dazu, kreativ zu werden und erst einmal frei zu überlegen: Welche neuen Möglichkeiten bietet meine Situation? Was kann ich mir für mein Leben vorstellen? Ein nächster Schritt kann sein, für sich selbst neue Ziele zu formulieren und zwar solche, die konkret und von uns selbst realisierbar sind.

Ein nächster Schritt kann sein, für sich selbst neue Ziele zu formulieren und zwar solche, die konkret und von uns selbst realisierbar sind.

 

Wenn wir all dies zusammengetragen haben, teilen wir unser Ziel in kleine Zwischenschritte ein, die wir nacheinander angehen. Was könnte ein erster Schritt sein, raus aus dem Scheitern in die gewünschte neue Lebenssituation zu kommen? Schreiben Sie es auf und gehen Sie es an.

Denn Scheitern ist nicht das Ende. Es kann zum Beginn von etwas ganz Neuem werden.
 

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Kommentare

Von Julia am .

Denkt an Sisyphos: Er hat den Stein immer nach oben gerollt und dann rollte er wieder runter, dennoch gab er nicht auf und mancher Existenzialist beschrieb ihn daher als glücklichen Menschen! Dieses Bild hat mir immer geholfen, wenn es mal nicht optimal lief!

Von Susanne A. am .

Sehr hilfreich, dieses Buch werde ich mir kaufen. Ich bin vor 4 Jahren richtig gescheitert und habe meinen sicheren Arbeitsplatz gewechselt, ich bin immer noch dabei da ich es mir selbst nicht verzeihen kann. Ich habe viel gebetet und Gott gefragt ob es der richtige Weg ist und geglaubt, dass es Gottes Wille war zu kündigen. Nach diesem Wechsel habe ich beruflich nicht mehr richtig Fuss fassen können. Bis es soweit kam und ich mit einem akuten Bandscheibenvorfall operiert werden musste und es mehr

Von Libby am .

Stephanus in der Bibel (Apostelgeschichte) ist ein Beispiel für ein Scheitern, das nichts mit ungeistlichem Verhalten zu tun hat, im Gegenteil. Und noch während der Steinigung vergibt er seinen Mördern ... und Stephanus ist ja ein Mensch, dessen Dienst ja gut und gerne hätte weitergehen können ...

Von elke am .

Ich fand diesen Artikel sehr hilfreich und ermutigend. Danke
Das Thema Scheitern kommt aus meiner Sicht und in meiner Erinnerung in christlichen Kreisen und Predigten nicht häufig vor. Scheitern gläubige Menschen wirklich seltener oder wird nicht so gerne darüber gesprochen, weil dann Schuld und Versagen zugegeben werden müssen? Und das macht sich nicht so gut.


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