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Urne oder Sarg?

Warum wir bei dieser Frage nicht nur in die Bibel schauen sollten

Weniger Kosten, weniger Pflegeaufwand für das Grab und an vielen Orten möglich: Die Feuerbestattung hat augenscheinlich einige Vorteile. Die Frage nach der Art der Bestattung stellt sich vor allem in Städten, in denen Gräber teuer sind. Oder wenn die Angehörigen weit weg wohnen, wenn es überhaupt noch welche gibt.

Manche Christen hingegen fragen sich darüber hinaus, ob die Feuerbestattung, auch Kremation überhaupt biblisch ist. Schließlich gibt es die Überzeugung, das Verbrennen des Leichnams habe etwas mit dem Gericht Gottes zu tun. Was sagt die Bibel zum Thema: Ist es letztlich egal, wie man beerdigt wird – wie verhalte ich mich so, wie Gott es möchte?

Wie es war im Anfang

Über die Frage nach der Kremation hat es unter Christen immer wieder Meinungsverschiedenheiten gegeben. Sie waren aber nicht die ersten, die sich darüber Gedanken gemacht haben.

Angefangen hat die Geschichte der Bestattung natürlich nach dem Sündenfall (1. Mose 3). Zwar drohte Gott schon im Paradies das Sterben an für den Fall, dass die ersten Menschen vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen würden (1. Mose 2, 17). Erst nach dem Sündenfall war es aber so weit, ein Verwesungsprozess angelegt. Dass der Mensch aus Erde bzw. Staub besteht und auch wieder zu Erde werden wird, ist an mehreren Stellen der Bibel bezeugt (s. Psalm 104, 29; Prediger 3, 20).

Im Lauf der Geschichte der Menschheit haben sich die verschiedenen Bestattungsarten herausgebildet. Zunächst gab es im Vorderen und Mittleren Orient (Ägypten, Assyrien, Babylonien und Israel) die Erdbestattung, aber vor allem auch die Bestattung in Höhlen (Abraham: 1. Mose 25, 9-10). In der Regel wurden die Verstorbenen in Israel also nicht einfach in die Erde gelegt, sondern einbalsamiert bzw. eingesalbt und in Leinen gewickelt in ein Höhlengrab gelegt. Särge gab es nicht. Auch die Ägypter balsamierten bekannterweise ihre Toten ein, reiche Ägypter bauten zudem für Steingräber oder Pyramiden für sie.

Was Kremation mit Götzendienst zu tun hat

Zur Zeit Jesu wurde vorwiegend die Höhlenbestattung praktiziert. Johannes beschreibt das Grab von Lazarus als Höhle, die mit einem Stein verschlossen war (Johannes 11, 38). Auch Jesus wird in einer in den Felsen gehauene Gruft gelegt (Lukas 23, 53). Der Leichnam wurde einbalsamiert oder eingesalbt und in Tücher gewickelt. Oft wurden später die Knochen in eine Kiste gelegt und in einer separate Höhle gelagert, oft auch die Gebeine mehrerer Verstorbenen.

Die Christen übernahmen die Praxis der Juden. Später in Rom gab es die Katakomben, unterirdische Friedhöfe, die in den Fels getrieben wurden. Es waren einzelne Felsnischen, die mit einer Steinplatte verschlossen wurden. Römer, Juden und Christen bestatteten so ihre Verstorbenen. Damals fing man an, diese Platten mit Namen und Todesdatum zu beschriften und später auch zu verzieren. Etwa ab dem 5. Jahrhundert ging man zu der bis heute üblichen Erdbestattung über.

Nun kamen Christen durch ihre missionarischen Aktivitäten auch in Gebiete der Kelten, Germanen oder Slawen. In diesen Kulturen wurden die Verstorbenen oft verbrannt.

Viele Christen meinten, diese Praxis sei heidnisch und lehnten sie ab. Schließlich ist diese Art der Bestattung gerade nicht in der Bibel bezeugt. Darüber hinaus galt das Verbrennen von Leichen als Strafe für Menschen mit groben Vergehen und sollte der Ausrottung von Götzendienst dienen (siehe Josua 7, 24ff.). Die völlige Vernichtung durch die Verbrennung sollte deutlich machen, dass Gott Götzendienst nicht toleriert.

Der Fokus des Neuen Testaments

Nicht alle Christen teilten diese Meinung. Bis heute. Schließlich geht es im Neuen Testament nicht in erster Linie um den Tod und das Sterben, sondern um die Auferstehungshoffnung. Wie der Leib stirbt, ist also Nebensache. Dass er aufersteht, die zentrale Aussage.

Im ersten Korintherbrief beschriebt Paulus diesen Punkt besonders deutlich. Der menschliche Leib wird sterben und vergehen, zum Beispiel in der Erde. Bei der Auferstehung bekommt der auferstandene Mensch einen neuen Auferstehungsleib. Der vergängliche Leib wird in einen unvergänglichen umgewandelt. (siehe 1. Korinther 15, 50-55) Wie der menschliche Leib vergeht, spielt dafür für Paulus keine Rolle, sonst hätte er wohl in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen.

Entsprechend gibt das Neue Testament keine Vorschriften, wie Christen bestattet werden sollten. Die ersten Christen hielten sich einfach an die überlieferten Gebräuche der Juden.

Die Vielfalt der Bestattungsformen wächst

In der weiteren Geschichte der Kirche verbot erst Karl der Große um 784 n.Chr. die Feuerbestattung. Die alte Kirche konnte zwar die Erdbestattung als alleinige Form biblisch nicht begründen, verwarf aber die Feuerbestattung als unchristlich. Später wurden zuvor exkommunizierte Christen bewusst auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zudem durften ihre kremierten Leichname nicht kirchlich bestattet werden.

Unter dem Einfluss von Renaissance und Aufklärung führten kirchenkritische bis kirchenfeindliche Menschen die Feuerbestattung wieder ein, unter anderem auch als Gegenbewegung gegen die kirchliche Lehre und die Gewohnheit der Christen. Sie wollten damit zeigen, dass nach dem Tod sowieso alles aus sei. Später, am Anfang des 20. Jahrhunderts, griffen Marxisten und Freidenker ebenfalls die Feuerbestattung auf und forderten gleichzeitig zum Kirchenaustritt auf.

Dies führte soweit, dass die Katholische Kirche sogar eine Parallele zwischen Feuerbestattung und dem Austritt aus der Kirche sah. Erst 1964 erlaubte sie die Feuerbestattung und das anschließende kirchliche Begräbnis. Die Evangelischen Kirche zögerte erst, dann erklärte sie die Feuerbestattung zu einem Thema, das unterschiedlich gehandhabt werden kann, ein Adiaphoron.

Heute sind die Formen der Bestattung noch vielfältiger geworden. Neben der Erd- und Urnenbestattung gibt es die Bestattung im Friedwald, auf See, die anonyme Bestattung, die Bestattung in einem Rasengrab oder in einer Begräbniskirche. Besonders einfallsreiche Menschen lassen aus dem Kohlenstoff ihres Körpers Diamanten herstellen oder lassen ihre Überreste ins All transportieren. Generell herrscht in Deutschland Bestattungspflicht. Das bedeutet, dass gerade die letzten Möglichkeiten hier nicht gestattet sind.

Was das heute bedeutet

Bleibt die Frage: Gibt es für heutige Christen Hinweise auf eine Bestattungsform, die man biblisch nennen könnte? Einige praktische Hinweise helfen weiter.

Zuerst können wir festhalten, dass die Bestattungsart geistlich gesehen auch heute Nebensache ist. Christen bekommen einen neuen Auferstehungsleib. Ganz gleich, was mit ihrem ersten Leib passiert ist. Letztlich gibt die Bibel keine eindeutige Auskunft über eine richtige Bestattung. Sie beschreibt lediglich unterschiedliche Formen.

Da der Tod und der Umgang mit Toten eine höchst emotionale Sache ist, sollte man dies in seine Überlegungen einbeziehen. Gerade die Bestattung ist für die Verarbeitung des Todes eines Menschen von entscheidender Bedeutung – und eine Erdbestattung wird in der Regel emotional anders empfunden als eine Urnenbestattung. Hier sollte jeder selbst genau überlegen, welche Option man aus welchen Gründen wählt.

Als Christ ein Zeichen setzen

Die grundlegende Frage dabei ist, wie Angehörige besser mit dem Tod umgehen können. Wie kann Trauerarbeit gelingen? Eher bei einer Erdbestattung oder bei einer Urnenbestattung? Es ist gut, das schon vorher mit den nächsten Angehörigen zu besprechen. Dazu gehören auch die Fragen, ob die Angehörigen die verstorbene Person noch einmal in Form der Aufbahrung sehen wollen, die die Trauerfeier mit Liedern, Bibelworten etc. gestaltet werden soll. Auch hier ist es besser, genau zu überlegen, als durch überstürzte Entscheidungen einen gesunden Trauerprozess aufs Spiel zu setzen.

In einer Zeit, in der Sterben und Tod immer mehr zu einem Tabu werden, können Christen auch ein Zeichen setzen. Das Sterben gehört zum Leben auf dieser Erde. Darum gehört ein würdiger Abschied dazu. Leider werden heute viele Sterbende noch schnell ins Krankenhaus abgeschoben. Man will dem Tod nicht ins Auge sehen. Das entspricht aber nicht der Würde der Sterbenden. Und gerade in solchen Situationen gibt es Chancen, als Christ ein Zeugnis für andere zu sein. Mit Auswirkungen, die über den Tod hinaus reichen.


Kommentare

Von Boris am .

Ich finde diesen Beitrag sehr gut. Ich bin eher der Freund des Sarges. Trotzdem sollte jeder für sich entscheiden, wie er/ sie werden möchte.

Von Dr.med. Rolf Lyding am .

Eine ausgewogene Darstellung des Themas.- Vielen Dank!
Ich möchte das Gesamtzeugnis der Bibel so beschreiben: der sterbliche Leib gehört in die Erde. Die Urväter wurden beerdigt. Joseph war es ganz wichtig, dass seine Knochen später von Ägypten aus ins Land Kanaan mitgenommen würden und er dort beerdigt würde. Mose starb nach dem Wort des HERRN und wurde von Gott selbst begraben. Oft heißt es von den Königen, sie wurden zu ihren Vätern versammelt. Lazarus wurde beerdigt, Jesu Leib wurde mehr

Von Libby am .

Ich denke das Problem bei der Feuerbestattung ist, dass die Angehörigen keinen wirklichen Ort zum Trauern haben. Ich habe meine Mutter auf ihren Wunsch hin feuerbestatten lassen, war aber im Nachhinein damit nicht zufrieden. "Sie wollte es so" ist natürlich ein Argument, aber auch wir als Angehörige müssen einen Weg finden, wie wir besser fertig werden können. Ich kannte mich auch viel zu wenig aus. Der finanzielle Aspekt war mir gar nicht klar. Ohne Überblick in Bezug auf Hinterbliebenengeld mehr

Von Frank B. am .

kann ich auch nur voll beipflichten.
Ich ermutige sehr dazu im Vorfeld alles zu regeln, damit die Bestattung zum Zeugnis für die Auferstehung wird: Lieder+ Bibelverse in Todesanzeigen und Dankesanzeigen, in Lebenslauf usw. Gerne nochmal ein Wort der Entschuldigung und Vergebung. Wer erhält meine zerlesene Bibel+ Liederbuch usw.
Das hilft beim Trauerprozess. Anonyme Bestattung hilft dgegen den Meisten nicht, sondern beunruhigt, weil ein Ort zum Trauern, Abschiednehmen, verarbeiten fehlt.
Der mehr

Von Sabine am .

Herr Welscher, auch ich möchte mich bedanken, denn ich war sehr sehr unsicher, da ich mir eine Feuerbestattung vorstelle, aber einige Christen das aus Gottes Sicht nicht akzeptieren können/wollen....

Von Eva A. am .

DANKE für diesen Artikel ,denn ich Arbeite in ein Pflegeheim und habe ständig den Tod vor meinen Augen /Angehörige von unseren HB habe sehr oft Probleme wenn man sie anspricht wie und wo wollen sie ihren Angehörigen Bestatten
Danke nochmal für die wundervolle Aufklärung ,denn es hat sich auch meine Sichtweise für die Bestattung geändert DANKE

Von Käthe G. am .

Vielen Dank, Herr Welscher für die gute Darstellung!
Mit freundlichen Grüße
Käthe G.

Von Ulrich H. am .

Dem kann ich mich nur anschließen - ein guter Artikel! Danke.

Von Libby am .

Gut, dass ihr euch dieses Themas angenommen habt. Habe kaum etwas drüber gelesen, als es für mich (bei meiner Mutter) aktuell war. Nichts, das wirklich hilfreich oder beruhigend klang. Dieser Artikel gibt einen guten Überblick. Danke


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