Schwerpunktthema Gebet Lesezeit: ~ 4 min

Im Radio für andere Leute beten

Seit 20 Jahren engagiert sich Ingrid Heinzelmaier in Gebetsprogrammen des ERF.

„Was machen Sie eigentlich so im Leben“, will mein Zahnarzt wissen. Ich spucke  aus. Dann hole ich ein wenig Luft: „Ach, ich bete für Leute im Radio.“ Er macht große überraschte Augen. „Alle Menschen brauchen ja Gottes Nähe und Hilfe. Beten kann was in Bewegung bringen und verändern.“

Angst und Zweifel kann man hören

Seit 2007 gibt es [email protected] im Radioprogramm von ERF Medien. Aktuell live in der Sendereihe Calando. Dabei hat das Team hat die große weite Welt genauso im Blick wie die Nöte von einzelnen Menschen. So lesen wir seit Jahren Mails und Briefe mit persönlichen Gebetswünschen. Andere Anliegen kommen übers Telefon. Wenn ich die Stimmen auf dem Anrufbeantworter höre, schließe ich oft die Augen. So kann ich mich besser hineinversetzen in die Situation. Viele sind sehr aufgewühlt beim Sprechen. Man redet eben nicht leicht über die schweren und oft sehr persönlichen Dinge. In den Stimmen schwingt oft Angst mit oder Zweifel. Manchmal auch Verzweiflung. Meist schließt sich ein kleines Zwiegespräch mit Jesus an. Dann notiere ich für die Sendung ein paar Stichworte.

Rund um die Uhr auch am Sonntag

Warum vertrauen sich Menschen in Not jemand an, den sie gar nicht kennen? Ist da niemand in ihrem Lebensumfeld, bei dem sie offen sprechen wollen? Ein Nachbar, ein Freund oder jemand aus einer christlichen Gemeinde oder einem Gesprächskreis. Über Schmerzen sprechen, das geht vielleicht noch. Aber sagen, wie dunkel es in der Seele geworden ist – und jemand dabei in die Augen schauen? Vielen ist das zu schwer. Mailen an [email protected] oder bei uns anrufen geht rund um die Uhr. Auch mitten in der Nacht.

Ich selbst habe Freundinnen, mit denen ich bete. Aber nicht immer kann ich bei ihnen vorbeischauen. Deswegen habe auch ich schon Gebetsangebote über Medien genutzt. Eine Email mit der Bitte „Betet für mich“ ist schnell geschrieben. Öfter war ich verblüfft, wie sich innerhalb von ein paar Stunden etwas in mir oder um mich bewegt hatte zum Guten.

Zuerst der Blick auf einen großen Gott

Jedes Mal ist es ein besonderer Moment, wenn ich für unsere Gebetssendung mit ein oder zwei  anderen im Studio bin. Wir wissen, unsere Worte allein können gar nichts bewirken. Zu Beginn jeder Sendung  erinnern wir uns dran, wie groß unser Gott ist. Wir haben eine Zeit, in der wir uns auf ihn ausrichten. Dann bitten wir Gottes Geist, unsere Gebetssendung in die Hand zu nehmen, damit es auch Klick macht in den Herzen. Wunderbar ist es, wenn Menschen eine Antwort spüren, wenn wir für sie mit ihren Wünschen und Sehnsüchten zu Gott kommen.

Gott beantwortet nicht jedes Gebet – so wie Menschen es sich denken

Menschen wenden sich oft an uns, weil sie krank sind - wegen schier unerträglicher Schmerzen oder beängstigender Handicaps. Ich selbst bin Schmerzpatientin und kann das nachfühlen. Viele melden sich auch, weil Sorgen um liebe Menschen sie verzehren. Andere suchen den Kontakt mit uns, weil sie nicht wissen, wie es für sie beruflich weitergeht.

Unser Gott ist der Gott, von dem die Bibel berichtet. Von der ersten bis zur letzten Seite in diesem Buch ist die Rede davon: Dieser Gott kommt und hilft. Er hat auf dem Herzen, Menschen von einem Weg zurückbringen, der ihr Leben belastet und sie kaputt macht. Gott will jeden Menschen anrühren und sein Leben heil machen. Aber wann und wie Gott eingreift, bleibt seine Sache.

Bei [email protected] wollen wir keinen  falsch verstandenen „Gebetsautomatismus“ vermitteln. Etwa nach dem Motto: „Wir beten heute für Sie im Radio und morgen ist alles gut.“ In dieser Welt ist nie „alles gut“. Alles wird erst dann gut sein, wenn wir angekommen sind in der himmlischen Wohnung bei Jesus. Wenn Menschen für andere beten, können wir ihnen Mut machen. Vielleicht dabei helfen, Jesus in ihrem Leben zu entdecken - zum ersten Mal oder wieder neu.  

Segnen heißt Gottes Nähe zusprechen

Beim Beten im Studio will ich mich ganz auf Jesus ausrichten. Dabei bin ich gleichzeitig auch ganz nahe bei demjenigen, für den wir gerade beten. Manchmal kommt es mir so vor, als wenn meine Hand auf der Schulter desjenigen liegt, für den ich bete. So wie im Gottesdienst beim persönlichen Segensgebet. Von Dietrich Bonhoeffer stammt der folgende Satz: Segnen heißt: die Hand auf etwas legen und sagen: du gehörst trotz allem Gott. Das ist für mich das Geheimnis beim Beten für andere. Ich will Menschen einladen, zusammen mit uns Betern einen Raum betreten, wo Gott schon auf uns wartet. Wo die heilende Begegnung mit ihm geschehen kann.  

Beten lohnt sich

Eine Gebetssendung vorbereiten braucht Zeit und Mühe. Die einzelnen Gebetswünsche wollen wahrgenommen und auch ein wenig sortiert werden. Manches kann ich nur zwischen den Zeilen lesen. Aber nach der Sendung fühle ich mich jedes Mal reich beschenkt. Wer für andere Gottes Nähe sucht, erlebt selbst auch Kraft von Gott. Menschen berichten auch davon. Sie schreiben uns etwa, dass die Schmerzen sind weg oder sich gebessert haben. Oder sie lassen uns wissen, dass sich innerlich was verändert hat in ihnen. Die Resignation über die chronischen Schmerzen ist gewichen. Beides ist für mich ein liebevoller Gruß von einem Gott, der sich freut, wenn Menschen seine Nähe und seinen Segen suchen.

 

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Kommentare

Von Hans-Jochen E. am .

Ich gehöre in die Gebetsgruppe"Gebet für unser Land" der St.Matthäusgemeine Bremen-Huchting,Hermannsburg 32 e.Sei 30 Jahren habe ich den ERF-damals die junge Welle als Diakon der Pauluskirchengemeinde in Osnabrück,seit 20 Jahren besteht "Gebet für unser Land" in Bremen" ein Ableger von "Camus für Christus" -damals unter der Leitung von Ursula Friedemann,Giessen.Frau u.Friedemann u.Pastor Jochen Müller ermutigten unseren Coleiter Joachim Schmidt und mich,"Gebet für unser Land" zu mehr

Von G.W. am .

dem HERRN zur Ehre möchte ich doch vor dem Abschluß dieses Gebets-Monats bezeugen, daß alle unerfüllten Gebete mein Vertrauen auf JESUS nicht verkleinert oder beendet haben. Allerdings war es auch die Fürbitte meiner Mit-Beter, die es leichter annehmen ließen, was alles nicht geschehen ist und erfüllt wurde. Mitmenschlichkeit und Sensibilität, Horizonterweiterung wie auch wachsende Selbsterkenntnis sind kostbarer Segen. Und unser HERR ist noch nicht fertig, wo wir es längst mehr

Von Gertrud-Linde W. am .

Liebe Frau Heinzelmaier,
Ihr Auftrag ist ein wesentlicher Bestandteil des erf-Auftrags. Danke, daß auch Sie sich in diesen Dienst nehmen lassen.
Es ist Segen. Und SEIN Geist möge Sie und viele weiter stärken für den Gebets-Auftrag (...allein den Betern kann es noch gelingen... das gilt für unsere Zeit mit den vielen Zerreißproben mindestens so sehr)
Ich möchte einerseits jede gute Gebetsmöglichkeit wahrnehmen. Andererseits beweglich bleiben für JESU Führung. Damit Sein Geist Leben bei mir und meinen Mitmenschen wirken kann.


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