Andacht

Klappe zu und gut!

Warum wir mehr über unsere Worte nachdenken sollten. Eine Andacht.

Vor einigen Wochen versagte mir die Stimme. Ich hatte mir bei einem Kurzurlaub am Meer eine hartnäckige Erkältung eingefangen und konnte morgens plötzlich nur noch krächzen. Der behandelnde Arzt diagnostizierte eine Kehlkopfentzündung und empfahl mir, so wenig wie möglich zu reden. Plötzlich konnte ich nicht mehr einfach loserzählen, wenn mein Mann nach Hause kam. Nein, ich musste mir meine Worte genau überlegen. Was war es wert, erzählt zu werden – trotz brüchiger Stimme? Was nicht?

Ich erlebte in dieser Zeit ein Gefühl großer Abgeschnittenheit. Krank sein ist grundsätzlich nicht schön, aber nicht fähig zu sein, die dadurch gewonnene Zeit mit einem Anruf bei einer lieben Freundin oder der eigenen Mutter wettzumachen schmerzte sehr. Auch in meiner Ehe merkte ich, wieviel es mir bedeutet, mich austauschen zu können. Dadurch dass ich nicht so viel reden konnte wie sonst, hatte ich den Eindruck, mich meinem Mann nur unzureichend mitteilen zu können. Ich konnte das, was sich in mir drin abspielte, nur schwach nach außen bringen. Das schmerzte.

Gleichzeitig merkte ich aber auch, dass ich bewusster meine Worte auswählte. Worte der Kritik schluckte ich häufiger herunter als sonst. Ich beschränkte mich auf positive und klare Botschaften wie „Ich liebe dich“, „Schön, dass du jetzt da bist“ oder „Danke, dass du für uns kochst“ statt zu fragen: „Wieso kommst du erst so spät heim?“ oder „Warum hast du das dreckige Geschirr heute Morgen nicht mehr in die Spülmaschine geräumt?“ Ich merkte: Wenn ich erst darüber nachdenken muss, ob es sinnvoll ist, eine bestimmte Sache zu sagen, äußere ich Kritik deutlich seltener und Lob deutlich häufiger. Ich merkte: Weniger zu reden, gab dem, was ich sagte, mehr Bedeutung.

Wenn die Worte schneller als der Verstand sind

Während ich dieses Phänomen bei mir beobachtete, kamen mir immer wieder Situationen aus den Tagen vor meiner Erkältung in den Sinn, in denen ich viel zu schnell geredet hatte. Da hatte ich mich über meine Mutter geärgert und war ein wenig zu forsch mit meiner Meinung herausgeplatzt. Oder ich hatte mich zu Bürotratsch verführen lassen, obwohl ich doch alle meine Kollegen sehr schätze. Ich merkte in diesen Tagen ohne Stimme, wieviel Segen, aber auch wieviel Zerstörungskraft in Worten liegen kann. Dazu fiel mir folgender Vers in den Sprüchen ein: „Der Gottesfürchtige denkt, bevor er redet; der Gottlose aber platzt mit kränkenden Worten heraus.“ (Sprüche 15,28)

Ja, tatsächlich: Immer wieder waren meine Worte schneller als mein Verstand gewesen. Nicht unbedingt, weil es mir mit meinem Glauben nicht ernst genug war, sondern weil ich die Macht meiner Worte nicht abgeschätzt hatte. Ich hielt es für so wichtig, dass andere wussten, woran sie bei mir waren und wie ich über diese oder jene Sache dachte, dass ich im Eifer des Gefechts nicht mehr überlegte, ob den anderen meine Meinung erstens interessierte, er zweitens der richtige Ansprechpartner dafür war oder ich ihn drittens vielleicht sogar damit verletzte. Meine kurzfristige Sprachlosigkeit zeigte mir, wie herablassend und dumm dieses Verhalten von mir gewesen war.

„Morgen machst du es besser“

Nun würde ich gerne sagen: „Nicht nur meine Kehlkopfentzündung, auch meine dummen Äußerungen gehören endgültig der Vergangenheit an. Ich habe erkannt, welche Bedeutung Worte haben und setze sie nur noch sinnvoll ein.“ Doch schon wenige Tage nach meiner Gesundung merkte ich, dass das Umsetzen guter Vorsätze gar nicht so leicht ist. Wieder einmal hatte ich etwas gesagt ohne vorher nachzudenken. Aber eines war anders: Ich merkte es und ich nahm mir vor: „Morgen machst du es besser.“ Und ich bin sicher: Es wird mir gelingen – morgen besser als heute und übermorgen noch etwas besser. Denn ich weiß nun, dass beim Reden gilt: Viel hilft nicht immer viel. 


Kommentare

Von Silke K. am .

Vielen Dank für Ihren Beitrag,der mir aus dem Herzen spricht! Ich bin seit 11/2014 heiser.Nach einem Asthmaanfall konnte ich jetzt nur noch mit Anstrengung krächzende Töne hervorbringen.Ich bekam einen Termin für eine Stimmband-OP und absolutes Sprechverbot.An Freunde schrieb ich u.a.:"Gott weiß,warum.Mir fehlt manchmal die Geduld u.oft rede ich schneller,als ich denke!".Durch d.neuen Erfahrungen fing ich an,Gott besser zu verstehen.Natürlich gingen 4,5 Wochen Sprechverbot nicht spurlos an mir mehr

Von Rainer am .

Danke für den Artikel. Ich möchte ihn noch um diese Bibelstelle ergänzen: Jakobus 3, 1-12.


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