Andacht

Mit Gott über Stolpersteine

Wenn Gott mir die Sicherheit der Gewohnheit nimmt. Eine Andacht

Ich bin ein absoluter Fan von Struktur. Ich mag geregelte Tagesabläufe, ich mag es zu wissen, was mich am nächsten Tag erwartet. Ich liebe es, Terminkalender zu führen! Das alles gibt mir ein Gefühl von Sicherheit. Ich habe den Stift in der Hand und trage ein, was mich erwartet –  welche Termine ich wahrnehmen muss, mit welchen Menschen ich Zeit verbringen werde. Diese Kontrolle über mein Leben an etwas oder jemanden abgeben? Nein, danke! Auch nicht an jemanden, der es gut mit mir meint und tolle Pläne für mich schmiedet?  Das ist eine sehr schwierige Entscheidung.

Gottes Wege sind nicht meine Wege

Rational betrachtet schätze ich die Verse aus Jesaja 55,8-9 sehr: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“ Gott weiß mehr und sieht mehr als ich, deswegen sind seine Gedanken und Wege höher als meine. Das verstehe ich.

Mein Verstand kann diese Verse fröhlich abnicken. Der findet es auch gut, dass ich einen Gott habe, dessen Blick weiter reicht als meiner. Der in seiner Vogelperspektive über allem steht – und dem deswegen Gegenwärtiges, Vergangenes und Zukünftiges nicht verborgen sind. Das macht Gott doch aus, oder nicht? Mein Herz versetzt dieser Gedanke allerdings in Angst.

Wenn Gott über allen Dingen steht und alles offen vor ihm liegt, dann ist es doch sinnvoll, ihn vor großen und kleinen Entscheidungen um Rat zu fragen. Bis hierhin bleibt mein Puls auch noch ruhig. Es ist gut für mich, mich mit meiner Lebensplanung an einen allwissenden und liebevollen Gott zu wenden. Aber was ist, wenn Gott mir eine Richtung vorschlägt, die ich mir selbst nie aussucht hätte? Die anders ist, als das, was ich mir ausgemalt hatte? Oder für mich noch schlimmer: Wenn er sich bis kurz vor Ende irgendeiner Frist Zeit lässt, mir zu zeigen, wie es weitergehen soll?

Gott macht es gut, aber nicht leicht

Mir als absolutem Struktur-Liebhaber fällt es schwer, ruhig auf Gottes Wegweisung zu warten. Oder mich auf etwas einzulassen, das mich aus meinem gewohnten Alltag rausreißt. Um diese Wege komme ich aber nicht drum rum. Gott ebnet eben nicht jeden Weg, damit er sich meinen Vorstellungen anpasst. Ich hatte beim Gehen schon öfter Stolpersteine unter den Füßen. Rückblickend ist das gut: Gerade diese Unebenheiten haben mir geholfen, mich weiterzuentwickeln.

Der Gedanke, dass Gott nur mein Bestes will, hilft mir, einen Fuß vor den nächsten zu setzen. Meist merke ich nach einigen Schritten schon, dass der Weg gar nicht so schlecht ist. Auch wenn er mich herausfordert, passt er zu mir. Trotz dieser guter Erfahrungen in der Vergangenheit: Ich freue mich nicht darauf, den nächsten holprigen Weg anzufangen und mit Stolpersteinen in Berührung zu kommen. Ob ich ihn trotzdem gehen werde? Hoffentlich – denn auf diese Weise lerne ich Gott und mich ein Stück besser kennen.  


Kommentare

Von Paul H. am .

Voller Gottvertrauen habe ich vor zwei Jahren meinen sicheren Job gekündigt, um Gottvertrauen ohne Netz und doppelten Boden zu üben und den Job zu finden, der mein Herz zum Singen bringt. Ich dachte, wenn ich schon so mutig bin, wird Gott mir den neuen Job bald präsentieren. Es kam anders ... Ich mache sehr viele Erfahrungen, darf mich immer mehr von eigenen Ideen verabschieden, darf immer offener und leerer werden, und mein Vertrauen wird auf eine große Probe gestellt. Bisher ist DER Job mehr

Von Maria am .

"Gott macht es gut, aber nicht leicht."
Ich weiß nicht so recht. Nach meinen Erfahrungen ist es mit Gott wesentlich erträglicher schwere Lasten zu tragen. Als Vergleich könnte man "Sam" aus dem Herrn der Ringe nennen, der hat seinen Freund auch nie im Stich gelassen und ihn begleitet bis zum Ende. Genauso ist Jesus Christus.

Von Renate am .

So ist es! Niemand sucht sich wohl freiwillig einen Weg mit Stolpersteinen aus, aber gerade diese Steine sind wichtig für uns, um uns ins Stolpern = zum Nachdenken zu bringen, uns wachsen und reifen zu lassen. Oft sieht man am Ende der Wegstrecke, wozu diese Stolpersteine nötig waren und kann im Nachhinein dafür danken.


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