Rezension

Rückkehr der Eroberer

Vom Nice Guy zum charakterstarken Anführer

Christliche Männer werden zum „Nice Guy“ erzogen, die nur noch ihre Traumfrau anschmachten, ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen und sie doch nie zu ihrer Freundin machen können, weil sie keine Ecken und Kanten haben. So ungefähr lautet die These von Micha Betz und Andy Stark. Sie erklären in ihrem Buch „Rückkehr der Eroberer: Ein Flirtbuch für christliche Männer“, wie Frauen ticken und wie sie erobert werden wollen.

Die beiden Autoren haben die Erfahrung gemacht, dass vor allem in christlichen Gemeinden die Anzahl der Singles wächst. Der Grund dafür: Die Männer wissen nicht, wie sie christliche Frauen ansprechen sollen und den Frauen sind die christlichen Männer zu langweilig. Das Buch „Rückkehr der Eroberer“ richtet sich konkret an diese Männer und gleicht einem persönlichem Gespräch zwischen Autor und Leser. Es gibt Tipps, wie ein Single-Mann vom „netten Kerl von nebenan“ zu einem Alpha-Mann wird:  Einem Mann, der kommunikativ, lässig, freundlich und witzig ist und gleichzeitig ganz genau weiß, wo er im Leben steht und wo er hinwill.

Micha Betz und Andy Stark räumen in ihrem Buch auch mit dem Glauben auf, dass Gott Menschen ohne ihr Wollen dazu bestimmt, allein zu bleiben. Laut den Autoren wirft Gott einem Mann die Traumfrau  aber auch nicht vor die Füße. Ihre These ist: Vom Warten ist noch keine Beziehung entstanden. Deshalb fordern sie die Männer dazu auf, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Sie sollen lernen, Frauen anzusprechen, mit ihnen zu flirten und sich mit ihnen zu treffen.

Für jede Situation die richtige Flirthilfe?

Einen großen Teil des Buches nehmen daher praktische Flirthilfen ein, die die Autoren selbst erfolgreich angewendet haben. Sie wollen dadurch anderen Männern dabei helfen, ihr Selbstvertrauen zu stärken, und kurz gesprochen: Ihren Partner fürs Leben zu finden.

Diese Flirthilfen haben größtenteils englische Namen, werden von den Autoren aber übersetzt. Eine Flirthilfe ist zum Beispiel „Cocky and funny“ – kurz C&F. Das sind freche Sprüche, die ein Date auflockern sollen. Sie sollen sowohl für Stimmung sorgen als auch die Frau necken. Ein Spruch, den die Autoren nennen, ist zum Beispiel: „Mach dir nichts draus! Ich bin sicher, dass du eines Tages mit einem Therapeuten drüber lachen kannst…“. Dieser Spruch ist nicht nur witzlos, sondern auch verletzend. Auch weitere Beispiele fanden meine Kolleginnen und ich eher dämlich statt witzig. Ich als Frau will mit den wenigsten dieser Sprüche von einem fremden Mann angesprochen werden.

Eine weitere Flirthilfe im Buch ist „KINO - die Kunst der Berührungen“. Micha Betz und Andy Stark haben bei christlichen Männern immer wieder beobachtet, dass sie in der „Freundschaftszone“ der Frauen hängen bleiben. Das liegt laut ihnen daran, dass ein Großteil der männlichen Singles Angst davor hat, eine Frau zu berühren. Im Kapitel KINO erklären sie deswegen, nach welchen Signalen der Frau ein Mann auf Tuchfühlung gehen kann und sollte, um eine Liebesbeziehung aufzubauen. Dass Frauen Berührungen brauchen, um sich wertgeschätzt zu fühlen, würde ich dabei noch unterschreiben. Doch die Berührung an den Brüsten vor dem ersten Kuss lassen wahrscheinlich nur die wenigsten Frauen zu – vor allem, wenn es um überzeugte Christinnen geht.

Die Autoren betonen auch, dass Küsse nicht der Start für eine Beziehung sein müssen. Sie sind der Meinung: Es können Küsse und Zärtlichkeiten stattfinden, ohne dass daraus eine Beziehung entsteht. Das kann für eine Frau sehr verletzend sein, wenn sie darüber anders denkt. Jeder christliche Mann sollte daher für sich genau prüfen, wie weit er beim Flirten gehen will. 

„Push & Pull“ und „Freeze Out“ sind weitere Flirthilfen, auf die im Buch eingegangen wird. Bei „Push und Pull“ geht es darum, wann ein Mann wie viel Nähe zulassen soll. Das ist laut den Autoren wichtig, um als Mann zu zeigen, dass man nicht an der Frau klebt. Bei „Freeze Out“ gilt es, den Kontakt kurzzeitig abzubrechen, um der Frau zu zeigen, dass sie nicht über den Mann bestimmen kann. Das hört sich für mich aber eher nach „Erziehung“ an. Als erwachsene Frau will ich keinen Satz wie: „So, zur Strafe musst du jetzt runter, du kleiner Racker“ hören. Und das geht bestimmt nicht nur mir so.

Hilfreiche Tipps, um besser bei Frauen anzukommen

Bei diesen Flirthilfen sind nicht die Tipps selbst das Problem. Bedenklicher finde ich, dass diese Tipps für christliche Männer geschrieben sind, die christliche Frauen kennen lernen wollen. Aber sollten christliche Männer so handeln, wie es jeder Mann tut? Die Autoren geben ihren Lesern etwa den Auftrag, erst einmal zu üben, wie sie am besten an Nummern und Dates kommen. Das beinhaltet meiner Meinung nach die Gefahr, dass Männer diese Flirthilfen ausnutzen, um als Frauenheld dazustehen.

Gleichzeitig bietet das Buch „Rückkehr der Eroberer“ viele allgemeine Tipps, die hilfreich für einen christlichen Single sein können. Dass viele Frauen zuerst auf die Schuhe schauen, um daraus auf den Stil des Mannes zu schließen, wissen die wenigsten. Auch kann es helfen, die unterschiedlichen Signale der Frauen zu deuten. Warum reagieren einige gereizter auf Männer als andere? Warum ziehen sich Frauen manchmal plötzlich zurück? Auf diese Fragen gehen die Autoren ein und erklären, welche Frauentypen es gibt und wie ein Mann die teilweise unbewussten Signale deuten kann. Auch erklären sie motivierend, wie ein Mann mit einer Abfuhr umgeht.

Viele Männer wissen laut den Autoren auch nicht, worauf sie bei einem Date achten müssen. Wann ist der richtige Zeitpunkt? Welche Orte sind geeignet? Wie schnell sollte es zu Körperkontakt kommen? Auch diese Fragen werden gut beantwortet. Selbst Männer, die schon länger in einer Beziehung sind, können in diesem Kapitel noch etwas lernen, da Frauen – und das kann ich bestätigen – immer wieder erobert werden wollen.

Fazit:

Das Buch ist für christliche Männer geschrieben, die christliche Frauen kennenlernen wollen. Doch das habe ich nur selten gemerkt.  Das liegt zum Teil daran, dass die frechen Sprüche oft nicht witzig, sondern verletzend und gefühlt unter der Gürtellinie sind. Auch die Tipps zu Küssen und Körperkontakt können im christlichen Kontext problematisch sein. Auf der anderen Seite sind die allgemeinen Tipps zu Kleidung, zum eigenen Verhalten oder zum Verhalten und den Signalen von Frauen sehr aufschlussreich und motivierend für einen Mann. Doch ich würde ihm dringend davon abraten, die genannten Beispiele für C&F bei christlichen Frauen anzuwenden. Mag sein, dass die Autoren mit diesen Sprüchen Erfolg hatten – ich frage mich dann aber, ob das die richtige Zielgruppe für einen christlichen Mann ist.

Insgesamt ist „Rückkehr der Eroberer: Ein Flirthandbuch für christliche Männer“ also mit Vorsicht zu genießen, damit Mann Frau nicht am Ende in die Flucht schlägt statt zu heiraten.

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Rückkehr der Eroberer

Rückkehr der Eroberer

Ein Flirthandbuch für christliche Männer

Autor:
Betz, Micha / Stark, Andy
Art:
Paperback, 304 S.
Preis:
16,80 EUR

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Kommentare

Von Micha am .

@Alex: Du willst "ein Buch darüber was einen Mann ausmacht"? Davon gibt es schon genug. Schon mal was von John Eldredge gehört? Es wurde Zeit, dass es mal eines speziell für Singles gibt, das auf deren Situation eingeht.

Von Micha am .

Das Buch enthält keine "dummen Sprüche" sondern zeigt Männern Wege in der Kommunikation auf, mit denen sie ihre Unsicherheit überwinden und das Eis zu Beginn eines ersten Treffens oder beim Ansprechen einer fremden Frau (z.B. auf einer christlichen Sommerfreizeit) brechen können. Die Aussage von "Anna" hier in den Kommentaren ist zwar richtig, dass Männer zunächst einmal zu "Männern Gottes" werden sollten, allerdings haben wir es oft genug erlebt, dass solche Männer bei Frauen unsicher mehr

Von Andy am .

Hallo,
ich bin der Zweitautor des Buches - Andy Stark. Ich würde gerne kurz auf 2 Kommentare eingehen.
@Alexander B.: Das Thema "Was macht einen Mann aus" haben wir im Buch. Es wird (u.a.) im "Alpha" Kapitel sowie kurz davor im Unterkapitel "Von netten Jungs und echten Kerlen".
Für uns ist die Persönlichkeitsentwicklung ein grundlegender Aspekt um die Eigenschaften einer sympatisch-gewinnenden Person zu werden (egal ob Mann oder Frau). Dies wird im Buch durch viele Praxisbeispiele und Übungen mehr

Von LEONID am .

Ja, es ist echt kompliziert geworden dem kennenlernen von Frauen. Besonders die Männer bis um die heute 35 sind von ihren Müttern zu Nice Guys erzogen worden, zum sogenannten neuen Mann! Diesen Typ verständnisvollen, einfühlsamen, weichen Mann will Frau dann aber auch nicht. Bei den Nice Guys heulen sich die Frauen dann aus, wenn sie mit dem (nichtchristlichen) Bad Boy aufregende destruktive Beziehungsabenteuer erlebt haben und dann fallengelassen oder ausgewechselt wurden. Da aber viele Frauen mehr

Von Micha am .

Hallo,
ich bin der Hauptautor dieses Buches - Micha Betz. Vielen Dank für das Interesse an unserem Buch und die Besprechung.
Ich kann die meisten Kritikpunkte nachvollziehen, wollte aber einwerfen, dass Frau Simmer meiner Meinung nach Dinge in den falschen Kontext rückt. Der Spruch mit dem "Therapeuten" zum Beispiel kann sehr witzig wirken, wenn eine Frau z.B. darüber jammert, dass ihr Kleid faltig ist. Der Mann zeigt ihr dadurch auf humorvoll-neckische Weise "komm, ist doch nicht so schlimm" mehr

Von Anna am .

Wo sind die Männer nach dem Herzen Gottes? Ja, das frage ich mich auch schon lange. Was macht einen Mann nach dem Herzen Gottes aus? Das vermittelt dieses Buch sicher nicht. Dumme Sprüche (der Zeitgeist nennt diese "frech und witzig") sind abstoßend und zeigen das Niveau dessen der sie ausspricht.
Den Männern wird heute nicht mehr vermittelt, dass sie eine große Verantwortung vor Gott tragen......

Von Alexander B. am .

Wo sind die Christen denn hin gekommenen? Ein Buch wie Mann christliche Frauen kennen lernt? Ist es Feigheit, Unfähigkeit, Dummheit oder einfach nur Bequemlichkeit? So wenig wie einem die gebratene Taube in den Mund fliegt, am besten noch vorgekaut so wenig fliegt mir eine Frau auf den Schoß.
Vielleicht wäre ein Buch darüber was einen Mann ausmacht sinnvoller als den Nichtmännern Flirtanweisungeungen zu geben.


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