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Kinder aus dem Kühlregal?

Erst Karriere, dann Kinder – dank schockgefrosteter Eizellen. Traum oder Alptraum? Ein Kommentar.

„Na, wann ist es bei euch soweit?“ Diesen Satz hat wohl jedes junge Ehepaar schon einmal gehört. Noch neugieriger werden die Fragen, wenn man in eine größere Wohnung zieht. Das zusätzliche Zimmer ist doch sicher als Kinderzimmer gedacht. Ob man da schon etwas geplant hat? Auch wenn für einen selbst dieses Thema gerade keine Rolle spielt, die Umwelt interessiert es oft umso mehr. Spätestens, wenn die eigene Mutter anfängt von „den Enkelkindern“ zu sprechen, beginnt man genervt abzuwinken.

Ein paar weitere Jahre im Beruf werden einem doch hoffentlich zugestanden werden, so äußert man sich abwehrend und spürt dabei kritische Blicke a la „Bald bist du über Dreißig, da sollte man langsam mit dem Kinderkriegen anfangen“. Als ich daher zum ersten Mal von einer neuen medizinischen Methode las, bei der Frauen ihre Eizellen einfrieren und so frisch halten können, war ich zunächst fasziniert. Doch im gleichen Moment schauerte mich. Denn trotz der Tatsache, dass ich das Kinderkriegen später am liebsten einmal gut durchplanen möchte, erschien mir das übertrieben.

Es ist logisch, dass Frauen erst jenseits der Dreißig Kinder bekommen

Nicht weil ich etwas dagegen habe, dass Paare erst spät Eltern werden. Es gibt viele Gründe, wieso Paare erst im fortgeschrittenen Alter Kinder kriegen. Manche haben sich erst spät gefunden, andere haben viele Jahre auf das Wunschkind warten müssen und bei anderen hat es einfach nicht reingepasst. Vielleicht war das nötige Kleingeld nicht da oder beide wollten sich zunächst auf die Karriere konzentrieren. Gerade als Akademiker braucht es oft mehrere Jahre, bis man richtig im Berufsleben angekommen ist. Da möchte nicht jede Frau sofort wieder wegen Kindern zurücktreten.

Und ganz gleich, wie sehr man sich darüber beschwert ‒ ein Regelstudium dauert immer noch fünf Jahre und danach müssen viele Studienabgänger sich in Berufsausbildungen oder Praktika bewähren, bis eine feste und halbwegs sichere Stelle in Aussicht ist. Dass viele Frauen erst jenseits der Dreißig Kinder bekommen, ist daher logisch und nachvollziehbar. Wieso sollte eine Frau also nicht ihre Eizellen einfrieren lassen?

Wir wollen alles erreichen, aber nichts dafür aufgeben

Auf den ersten Blick ergeben sich daraus nur Vorteile. Je mehr Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen, desto mehr Babies. In einer überalterten Gesellschaft wie unserer sind Kinder ein hohes Gut. Sollte man daher nicht alles daransetzen, dass Frauen mehr Kinder kriegen – gerade auch gebildete Frauen mit guter Berufsausbildung? Ja natürlich, aber wie viele der Frauen, die heute für circa 3000 Euro ihre Eizellen einfrieren lassen und zusätzlich bis zu 300 Euro pro Jahr für deren Lagerung hinlegen, werden diese tatsächlich später nutzen?

Wer mit Mitte 30 keine Möglichkeit sieht, für Kinder die Karriere hintenanzustellen, wird auch mit Mitte 40 oder Anfang 50 selten dazu bereit sein. Aus einer verantwortungsvollen Stellung ist in diesem Alter vielleicht schon eine Leitungsposition geworden, die aufzugeben noch schwerer fällt. Und wenn man 40 erst überschritten hat, wird die Rückkehr in den Beruf nach der Babypause nicht leichter.

Wenn Frauen durch technische Hilfsmittel eine Entscheidung für Kinder weiter nach hinten verlagern, stellt sich für mich die Frage: Will eine solche Frau tatsächlich Kinder oder geht es nur darum, am Ende noch alle Möglichkeiten offen zu halten? Aber ganz ehrlich: Dies wird immer eine Illusion bleiben. Frauen vor hundert Jahren hatten deutlich weniger Optionen als wir heute. Dennoch sind wir nicht zufrieden, sondern alles muss irgendwie machbar sein: Die Karriere, das eigene Kind und viele erfüllende Hobbies. Fakt ist: Wir wollen heute alles erreichen und nichts dafür aufgeben. Aber so funktioniert das Leben nicht.

Ein Kind aufzuziehen ist mehr als gebärfähig zu sein

Selbst wenn ich mit 25 Eizellen von mir einfriere und diese in zwanzig Jahren noch ebenso frisch sind, mein Körper ist dann trotzdem 45 und nicht mehr 25. Eine Schwangerschaft birgt ab einem gewissen Alter immer Risiken für Mutter und Kind, selbst wenn die Eizellen durch das Einfrieren noch jung sind. Ist das Kind erstmal da, warten auf uns durchwachte Nächte wegen Koliken oder Einschlafschwierigkeiten. Auch das Tragen eines Kleinkindes wird sich mit angegriffenem Rücken durch langjährige Bürotätigkeit nur schlecht vertragen. Ein Kind aufzuziehen ist mehr als gebärfähig zu sein. Und mit Mitte 40 haben viele Frauen schlicht nicht mehr die körperlichen Ressourcen, um der 24/7-Aufgabe gerecht zu werden, die ein Kleinkind darstellt.

Nicht zuletzt sollte man die Nebenwirkungen für eine solche Behandlung nicht unterschätzen. Denn um genug Eizellen zum Einfrieren zu produzieren, muss eine Frau sich im Vorfeld einer Hormonbehandlung unterziehen, die teilweise schwere Nebenwirkungen haben kann. Im schlimmsten Fall kann es zu einer Überstimulation kommen, die mit schweren Komplikationen wie Atembeschwerden, Thrombosen und Zwerchfellreizung einhergeht. Seine Eizellen einzufrieren ist also alles andere als ein Spaziergang oder medizinische Routine. Derzeit können Mediziner außerdem noch nicht mit Sicherheit abschätzen, ob Einfrieren und Wiederauftauen den Eizellen schaden könnte. Es gibt noch zu wenig Fälle dieser Methode, dass sie zweifelsfrei empfohlen werden könnte.

Wir wollen Gott spielen

Doch vor allem ist unser Problem: Wir wollen selbst Gott spielen. Wir wollen es sein, die entscheiden, ob und wann wir Kinder bekommen. Natürlich ist es sinnvoll, darüber nachzudenken, ob man Kinder möchte oder nicht, und dementsprechend zu planen. Aber sind wirklich wir es, die den Kindersegen bewirken? Was brächten mir eingefrorene Eizellen, wenn ich mit 45 körperlich nicht mehr in der Lage wäre, ein Kind zu gebären? Dann hätte ich einige tausend Euro für eine scheinbare Absicherung ausgegeben, die mir nichts mehr nützt.

Nicht wir machen uns Kinder, Gott schenkt Kinder. In der Bibel steht: „Kinder sind ein Geschenk des Herrn, sie sind ein Lohn aus seiner Hand.“ (Psalm 127,3) Bei allen Absicherungen, die wir treffen können, sollten wir uns immer bewusst machen, dass es kein Recht auf Kinder gibt. Natürlich bietet die Möglichkeit, seine Eizellen einzufrieren, Chancen. Zum Beispiel für krebskranke Frauen, die auf anderem Weg wegen Bestrahlung und Chemotherapie keine Kinder mehr bekommen können.

Doch ohne direkten Anlass Eizellen ‒ wie Geld ‒ für schlechte Zeiten zurückzulegen, wäre für mich ein Vertrauensbruch gegenüber Gott. Ich will darauf vertrauen, dass Gott zum richtigen Zeitpunkt Kinder schenkt, wenn er dies für mich und meinen Partner vorgesehen hat. Ich muss mir nicht für Geld scheinbare Sicherheiten erkaufen. Denn ich weiß, dass Gott mein Leben in der Hand hält. Er kann mir Kinder schenken oder sie mir verwehren, aber das liegt in seiner Hand und nicht in meiner.


Kommentare

Von Jaques L. am .

Ich bezweifle, dass die "moderne" Frau de facto viele Optionen hat. Ist sie doch der Dauerberieselung durch den politisch-medialen Komplex ausgesetzt, damit sie Ihr Lebensglück in Pseudo-Tätigkeiten im öffentlichen Dienst mit Akademikerabschluss eines Orchideenfachs sucht.

Von Rebecca Theis am .

Liebe Maja,
ich halte es nicht grundsätzlich für unmöglich, dass Frauen mit Mitte 40 und älter noch Kleinkinder betreuen können. Das hängt sehr von der persönlichen Konstitution ab, aber es ist leider oft so, dass schon in diesem Alter der Körper Verschleißerscheinungen wie Bandscheibenvorfälle oder Gelenkprobleme aufweist, die eine Betreuung eines Kleinkindes problematisch werden lassen. Auch die körperlichen Belastungen einer Geburt steckt man als Frau über 40 nicht mehr so leicht weg wie mit mehr

Von Rebecca Theis am .

Lieber Rainer,
nein, mein Vorwurf bezieht sich nicht auf Paare, die normal verhüten. Ich halte es nicht grundsätzlich für ein Problem, zu planen, wann es mit dem Nachwuchs passt. Zum Problem wird es für mich erst dann, wenn wir Menschen massiv in die natürliche Schöpfungsordnung eingreifen. Ein solcher Eingriff ist es für mich, die fruchtbare Zeit einer Frau künstlich nach hinten zu verschieben, wie es bei der Kryokonservierung der Fall ist. Ebenso stellt die Hormonbehandlung vor einer mehr

Von Rainer am .

Blöde Frage eines Singles ohne Kind: Geht Ihr Vorwurf dann nicht auch ohne Kühlung an alle Paare, die verhüten, den Zeitpunkt festlegen und somit die Kinderzahl begrenzen wollen?

Von maja am .

mit mitte 40 nicht mehr die körperlichen ressourcen für ein kleinkind? liebe rebecca theis, ich bin mitte 50 und kümmere mich tagtäglich 8 stunden um 19 kinder zwischen 2,5 und 6 jahren in unserer kita, einschliesslich hochheben, rumschleudern etc. pp. ;-)


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