Buchrezension

Werden, wie du mich siehst

Selbstannahme führt zu Veränderung. Das behauptet Stacy Eldredge in ihrem neuen Buch.

Als „Werden, wie du mich siehst“ auf meinem Schreibtisch landete, habe ich mich sehr gefreut. Denn ich habe bereits aus „Weißt du nicht, wie schön du bist“ derselben Autorin viele wertvolle Impulse für mein Leben erhalten. Gleichzeitig habe ich aber auch befürchtet, dass Stacy Eldredge ihre Aussagen aus dem Vorgängerbuch hier nur noch einmal auf andere Art und Weise präsentiert.

Das ist allerdings nicht der Fall. Wohl aber ist das Thema ein ähnliches, womit man „Werden, wie du mich siehst“ auch als Nachfolgeband von „Weißt du nicht, wie schön du bist?“ bezeichnen könnte. Wie schon im Vorgängerbuch geht es um den Selbstwert von Frauen. Während Eldredge in ihrem ersten Buch vor allem darauf einging, wie die Beziehung zum Vater die Wahrnehmung von Frauen prägt, geht sie in diesem Buch intensiver darauf ein, wie Mütter und andere Frauen die eigene Wahrnehmung prägen. Eldredge schreibt dazu: „Väter verleihen uns unsere Identität. Mütter geben uns Selbstwertgefühl.“

Die Vergangenheit betrauern und hinter sich lassen

So geht es auch in diesem Buch von Eldredge vor allem um das Selbstwertgefühl und den Wunsch, anders zu werden. Eldredge startet ihr Buch mit dem ehrlichen Bekenntnis, sich selbst in vielen Punkten nicht ändern zu können. Beispiel dafür sind ihr erfolglosen Diäten. Doch anstatt sich selbst und den Lesern eine Liste mit „So mach ich es besser“-Vorschlägen zu präsentieren, wirft sie nach Konstatierung der eigenen „Erfolgslosigkeit“ einen Blick zurück.

Intensiv widmet sie sich der Frage, welche Verletzungen man in der Vergangenheit erlebt hat. Dabei richtet sie ihr Augenmerk vor allem auf die besondere Rolle der eigenen Mutter. Von der Mutter lernen Frauen laut Eldredge, was es heißt eine Frau zu sein. Außerdem sind der Schutz und die Fürsorge der Mutter für jedes Kind von großer Bedeutung.

Wenn man als Frau hier Defizite erlebt hat ‒ etwa weil die eigene Mutter mit ihrer Mutterrolle überfordert war oder selbst nie ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt hat ‒, entwickelt man häufig ein schlechtes Selbstbewusstsein. Eldredge rät hier dazu, sich an die Versäumnisse der eigenen Eltern in der Kindheit zu erinnern, diese zu betrauern, aber auch zu vergeben. Erst wenn die „sogenannte“ Mutterwunde erkannt wird, kann laut Eldredge Heilung geschehen. Diese Heilung ist notwendig, um als Frau anders werden und die Vergangenheit hinter sich lassen zu können.

Innere Freiheit = Fehler machen und mit Verurteilungen aufhören

Im zweiten Teil des Buches wendet Eldredge sich stärker dem Thema „Veränderung“ zu und spricht diverse Themenbereiche an. Als Erstes widmet sie sich der Veränderung der eigenen Selbstwahrnehmung. Bevor man sich tatsächlich verändern kann, gehe es darum, anzunehmen, wer und wie man zum jetzigen Zeitpunkt ist. Im weiteren Verlauf beschreibt Eldredge, wie man als Frau Ängste, die einen blockieren, loslassen und gute Freundschaften führen kann.

Besonders wichtig ist Eldredge der Punkt der „inneren Freiheit“. Diese „innere Freiheit“ beinhaltet für Stacy Eldregde die Freiheit, Fehler machen zu dürfen und weder sich selbst noch andere zu verurteilen. Genauso wichtig sei es aber, unwahren negativen Gedanken über das eigene Leben Einhalt zu gebieten. Diese können laut Eldredge in Form von Angst, Depressionen oder Minderwertigkeitsgefühlen auftreten.

Wie sprichst du über dich?

Entscheidend im Kampf gegen solche „geistlichen Bindungen“ ist, wie man über sich selbst redet. Daher empfiehlt Eldredge am Ende des Buches noch einmal explizit vorsichtig damit zu sein, wie man sich selbst oder eine Situation benennt und damit auch bewertet: „Wie wir etwas nennen, wie wir genannt werden, ob gut oder schlecht, wird sich auf unser Leben auswirken.“

Sie ermutigt die Leserinnen dazu, nicht auf die eigenen Fehler und Defizite zu schauen, sondern darauf, was Gott mit ihrem Leben vorhat: „Gott sagt uns, dass wir uns nicht auf unsere Fehler konzentrieren sollen, sondern auf seine Treue. Er fordert uns auf, den Blick nicht auf unsere Zerbrochenheit zu richten, sondern auf den, der uns heilt.“

Manchmal spricht Gott auch amerikanisch

„Werden, wie du mich siehst“ ist ein Buch für Frauen. Und zwar gerade nicht für die Superfrauen, die wir alle gerne wären, sondern für Frauen wie du und ich, deren Selbstwert davon erschüttert wird, dass das neue Kleid nicht mehr passt oder man den eigenen Haushalt eben nicht so perfekt wie die eigene Mutter führt. Stacy Eldredge gelingt es in ihrem Ratgeber sehr gut, Unsicherheiten von Frauen aufzugreifen, Gründe für diese Unsicherheiten offenzulegen und den Weg zu einem besseren Selbstwert zu weisen.

Einiges an ihrem Buch ist sehr amerikanisch. Gerade einige der vorformulierten Gebete entsprachen ganz und gar nicht meiner Art, mit Gott zu reden. Auch erscheint mir im Nachhinein der Aufbau des Buches in manchen Punkten willkürlich und nicht optimal. Manche Themen doppeln sich scheinbar und gerade in der zweiten Hälfte des Buches der rote Faden nicht immer klar zu erkennen ist. Dafür aber ist das Buch sehr anschaulich, da Eldredge immer wieder Beispiele aus ihrem eigenen Leben heranzieht. Die vielen persönlichen Beispiele führen außerdem dazu, dass man sich als Leserin verstanden und ernst genommen fühlt.

Trotz dem amerikanischen und gefühlsbetonten Stil der Autorin hat Gott zu mir durch dieses Buch geredet hat – in Ängste, Unsicherheiten und Verletzungen hinein. Daher werde ich dieses Buch mit Sicherheit noch einmal lesen ‒ vor allem da ich nicht alles, was mir beim ersten Lesen wichtig geworden ist, sofort in meinem Leben umsetzen konnte. Auch an Freundinnen werde ich Eldredges Ratgeber weiterempfehlen – mit einer Ausnahme allerdings: Da die Autorin die Argumentation ihres Buches sehr stark auf ihrem eigenen Glauben aufbaut, eignet sich das Buch nicht zur Weitergabe an nichtchristliche Freundinnen.


Stacy Eldredge über ihr Buch:

 

 


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