Andacht Lesezeit: ~ 3 min

Schwäche ist kein Beinbruch

Warum unsere Schwäche eigentlich unsere Stärke ist. Eine Andacht.

Gesundheit ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft. In der amerikanischen Sitcom „How I met your mother“ vertritt Barney Stinson die Ansicht, dass man sich aussuchen kann, ob man krank wird. Sein Motto ist: „Jedes Mal, wenn ich krank bin, höre ich auf, krank zu sein und bin stattdessen super gut drauf!“ Das funktioniert nicht einmal in der Serie, legt aber einen Wunsch offen, den vermutlich viele Menschen hegen. Es passt nicht zu unserem Selbstbild, krank oder schwach zu sein. Denn wer krank ist, kann nichts leisten; und an unserer Leistungsfähigkeit machen wir oft unseren Wert fest. Also bloß keine Schwäche zeigen!

Auch ich lebe oft so, merke aber immer wieder, wie viel Kraft das erfordert. Manchmal wäre es sinnvoller zuzugeben, dass mir ein Termin zu viel wird, als ihn trotz Erschöpfung, Müdigkeit oder Krankheit wahrzunehmen. Doch ich beiße mich lieber durch als Schwäche zuzugeben. Obwohl ich recht klein bin, recke ich mich lieber, um an das oberste Bücherregal ranzukommen als jemanden um Hilfe zu bitten. Denn ich will nicht schwach sein. Gesund, vital, leistungsfähig – das ist mein Wunschbild von mir selbst.

Wieso nimmt Gott mir nicht meine Schwäche?

Paulus ging es ähnlich. Im 2. Korintherbrief schreibt er davon, dass er einen Pfahl im Fleisch hat. Ob es sich dabei um eine Krankheit oder eine geistliche Anfechtung handelt, ist ein Streitthema unter Theologen. Jedenfalls handelte es sich um eine Einschränkung, die Paulus als hinderlich für seinen geistlichen Dienst empfand. Deswegen bittet er Gott um Heilung. Gott reagiert aber ganz anders, als Paulus oder wir das erwarten würden. Er nimmt Paulus nicht seine Schwäche, sondern sagt ihm stattdessen zu: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2.Korinther 12, 9)

Ich verstehe Gott hier nicht. Ein gesunder, leistungsfähiger Paulus hätte doch noch viel mehr bewirken können, oder etwa nicht? Aber diese Rechnung „eigene Kraft = Leistung für Gott“ geht nicht auf. Denn bei Gott zählt nicht nur, was ich leiste, sondern auch aus wessen Kraft heraus ich es tue. Verlasse ich mich darauf, dass ich selbst das Kind schon schaukeln werde, oder weiß ich, dass Gott letztlich das Seinige dazu geben muss?

Dämpfer fürs Ego, Befreiung für die Seele

An dieser Frage entscheidet sich alles. In dem einen Fall ist mein Einsatz das Entscheidende und jede körperliche oder charakterliche Schwäche ein Hindernis. Im anderen Fall ist es Gott, der an Menschen wirkt. Ich bin dann nur das Werkzeug, nicht der Hauptakteur. Das ist von Gott auch so vorgesehen, nur meinem Ego schmeckt es nicht, in einem so großen Maße von Gott abhängig zu sein. Ich möchte lieber alles alleine schaffen. Oft merke ich aber irgendwann, dass ich das Buch alleine doch nicht aus dem Regal fischen kann, und bitte zähneknirschend um Hilfe.

Genau das wünscht sich auch Gott von mir. Manchmal – so glaube ich – mutet er uns Krankheiten oder Schwierigkeiten zu, damit wir lernen „Bitte“ zu sagen. Er nutzt meine Schwäche, um mir meinen Stolz abzutrainieren. Das ist erst mal ganz schön deprimierend, holt er mich damit doch auf den Boden der Tatsachen zurück. Denn ich erfahre, ich bin nicht Superman oder Wonderwoman. Aber es ist auch hilfreich, ja befreiend. Denn wenn es nicht allein auf mich ankommt, sondern auf Gott, ist Schwäche kein Beinbruch mehr. Was für ein Glück!


Kommentare

Von Karin D. am .

Danke, das ist nocheinmal eine Bestätigung, welche mir heute morgen bewusst wurde.
Wenn ich meine es geht nicht, ich kann nicht, dann tue ich trotzdem, was zu tun ist.
Nun weiss ich, dass diese Kraft dazu nur von Gott sein kann. Er gibt die Kraft nicht vorher, sondern im Glaubensschritt.
Daran will ich mich erinnern, wenn ich mich wieder matt und kraftlos fühle.
Gottes Segen

Von Clemens Krieger am .

vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag! Das ist ein sehr wichtiges Thema besonders in dieser Zeit und in dieser gesellschaftlichen Situation in der Leistung eine extrem große Rolle spielt. Und zwar auf eine ganz raffiniert schwierige Weise, weil auf der einen Seite Leistung für den Lebensstandard, den wir mittlerweile selbstverständlich erwarten, unabdingbar zu sein scheint und auf der anderen Seite wir eben diesen komfortablen Lebensstandard haben, der uns so viel ermöglicht und wir mehr

Von William D. am .

Ich bin zum ersten mal in China auf Montage, kommt eine ungewisse und komplizierte Arbeit auf mich zu. Danke fuer die gute mutmachende Andacht

Von Sylvia am .

Vielen Dank für diesen frischen Artikel der Autorin Rebecca Theis und auch dem Herrn sei natürlich die Ehre dafür, dass wir dadurch Trost und Bestärkung erhalten. <3
Und, liebe (Namens-)schwester Silvia,
Dir danke ich für Dein Zeugnis, besonders für das "auf den Punkt bringen" in dem Satz: 'Aber Gott lehrt mich, dass diese hohen Anforderungen nicht gut für mich sind. Und dass ich auch nicht menschengefällig leben soll.'
Da ich diese Erfahrungen in meinem Leben ebenfalls machte (von mehr

Von Silvia am .

Danke für diese wunderbare Andacht. Sie ist ein Segen!! Ich möchte etwas von mir ergänzen; vielleicht darf ich damit einem Leser ein Zeugnis sein. Ich kenne Leistungsdruck schon seit der Kindheit. Jedoch kann ich dem nicht mehr standhalten. Ich wollte immer "jemand sein", definierte mich über hohe Leistungen und wollte anderen gefallen. Auch meine Erwartungen an andere waren hoch.
Dabei überforderte ich mich ständig selbst.
An einem Punkt angekommen, musste ich mir das eingestehen und umdenken. mehr

Von klaus am .

Die Bestätigung nach der wir leben und die auch Angelika angesprochen hat, heist zu oft: "Ich leiste, also bin ich". In der Schwäche, die mich manchmal überrollen möchte, kann ich mich nicht mehr auf mich selbst berufen. Ich kann glauben und darum beten, das Gott eingreift. Und er tut es! Und ich sehe plötlich Licht am Ende des Tunnels.

Von Angelika am .

Das ist eine sehr schöne Andacht, die ich hier kurz mit eigenen Gedanken ergänzen möchte. Warum empfinden wir denn Krankheit als Schwäche? Das ist auch in unserer Sozialisation begründet. Denn es wurde uns meist schon in der Kindheit beigebracht, dass man Krankheit vermeiden sollte, selbst da, wo wir keinen Einfluss darauf hatten. Und wenn wir krank sind, fühlen wir uns mitunter schuldig, weil wir nicht das leisten können, was wir sollen. Meine Eltern z.B. gehören zu der Generation, die das mehr

Von Anett am .

Können die Worte passender sein? Auch wenn ich am liebsten alles alleine schaffen möchte, kann ich Gott nur vertrauen ... und gerade das ist oft so schwer!

Von Charlotte am .

Trifft gerade voll meine Situation. Vielen Dank für diese Andacht!

Von Annette S. am .

Danke für diesen Text. Das war genau das, was ich brauchte :-)

Von Barbara am .

Eine wundervolle Interaktion Gottes auf die ist echt Wert sich zu öffnen .

Von Sabine am .

Danke für den mutmachenden Text! Er tat mir gut.

Von Lucas P. am .

Echt guter Beitrag,. . Danke!


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