Themenwoche "Was mach´ ich nach dem Abi?"

Zeit für Auszeit

Jüngerschaftsschulen wollen Jugendliche in der Berufswahl helfen.

Bei der Frage „Was machst du nach der Schule?“ bekommen viele Jugendliche weiche Knie. Die Tragweite dieser Entscheidung ist groß, schließlich verbringt der durchschnittliche Arbeitnehmer 40 Stunden wöchentlich an seinem Arbeitsplatz. Jeder Jugendliche wünscht sich eine Arbeitsstelle, die es ihm ermöglicht, sich zu entfalten und seine Stärken auszuleben. Leider gelingt es nicht allen, sich für einen passenden Beruf zu entscheiden: Im Jahr 2011 haben laut dem statistischen Bundesamt 148.629 Auszubildende ihre Ausbildung abgebrochen.

Andy Messner, Leiter vom Orientierungsjahr meint: „Die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Genau hier liegt die Schwierigkeit. Vielfach sind die Schulabgänger überfordert, aus der Vielzahl ihr „Ding“ herauszusuchen.“ Die Berufswahl entpuppt sich als herausfordernd und endet in vielen Fällen in Frust. Schließlich steht der Jugendliche nach der abgebrochenen Ausbildung wieder vor der Berufswahl und das Ganze geht von vorne los.

Steigende Teilnehmerzahlen

Mit der Berufsfindung müssen Jugendliche sich nicht alleine auseinandersetzen. Viele Jüngerschaftsschulen in Deutschland wollen Jugendlichen in dieser Frage unter die Arme greifen. Doch gelingt ihnen das? Wir haben bei zwölf Jüngerschaftsschulen nachgefragt. Von zehn, die reagiert haben, stellten sieben Jüngerschaftsschulen fest, dass die Zahl der Teilnehmer im Jahr 2012 angestiegen ist. Das könnte unterschiedliche Gründe haben:

60% der Jüngerschaftsschulen sind der Ansicht, dass sich Jugendliche aufgrund von Unsicherheit in der Berufswahl bei ihnen anmelden. Weitere Gründe für die wachsende Teilnehmerzahl könnten die abgeschaffte Wehrpflicht und die doppelten Abiturgänge zwischen 2011 und 2013 sein.

Jüngerschaftsschulen wollen ihre Teilnehmer fürs Leben stärken, damit Jugendliche lernen, tragfähige Entscheidungen im Leben zu treffen, sowohl in der Berufswahl als auch in anderen Bereichen.

Die Unsicherheit der Jugendlichen auffangen

Damit ziehen sich die Jüngerschaftsschulen ein großes Paar Schuhe an. Die Konzepte der einzelnen Schulen sind vielfältig. Gabenteste, Unterricht im Zeitmanagement und Haushaltsführungskurse gehören genauso zur Tagesordnung wie geistliche Inputs oder spezielle Unterrichtswochen zum Thema Gaben, Persönlichkeit und Bibellehre.

Einige Schulen wollen die Persönlichkeit der einzelnen Jugendliche durch das enge Zusammenleben in Wohngemeinschaften stärken und sie in ihren Sozialkompetenzen herausfordern. Gerade in Grenzerfahrungen könnten sich die sogenannten Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit und Konfliktfähigkeit besser entfalten. Zur Persönlichkeitsentwicklung bieten einzelne Schulen den Teilnehmern Betreuung durch Mentoren an. Mit ihnen können die Jugendlichen über ihre Unsicherheit und offene Fragen sprechen. Gezielte Fragen nach dem passenden Beruf und nach den persönlichen Stärken greift das Herzwerk in Wiedenest durch individuelle Berufsberatung auf.

Leidenschaftliche Nachfolge

Letztlich ist aber der Glaube an Gott der Dreh- und Angelpunkt jeder Jüngerschaftsschule. „Unser primäres Ziel ist, Menschen für den vollzeitlichen Dienst im Reich Gottes zu trainieren“ ist die Aussage von Eddi und Désirée Fuhrmann, Leiter von GET READY. Es geht um mehr, als die Jugendlichen nur bei der Wahl des richtigen Berufes zu unterstützen. Es geht um leidenschaftliche Nachfolge. Auch Johannes Vorherr, Leiter von LIFT, vertritt dieselbe Ansicht: „Wir wollen Menschen für Gott begeistern und zu einem ganzheitlichen und hingegebenen Leben in der Nachfolge anleiten.“

Die Jugendlichen können sich in der intensiven Auszeit neu auf Gott ausrichten und die Zielsetzung des eigenen Lebens überprüfen. Die Jüngerschaftsschulen bieten hierfür unterschiedliche Konzepte: Jugend mit einer Mission in Herrnhut legt beispielsweise ihren Schwerpunkt auf Kunst, weil sie glauben, dass Künstler einen wachsenden Einfluss in unserer Zeit haben. Dennoch steht die Vertiefung und Erneuerung der Beziehung zu Gott im Mittelpunkt der Arbeit jeder Jüngerschaftsschule. Intensiver Bibelschulunterricht und missionarische Einsätze bieten eine Plattform für praktische Glaubenserfahrungen und theologische Aha-Erlebnisse.

Die nächste Station?

Die logische Schlussfolgerung wäre nach dieser intensiven Zeit mit Gott, dass der größere Teil der Teilenehmer sich im Anschluss für ein Bibelstudium entscheidet, um noch mehr von Gott zu erfahren. Doch das ist nicht der Fall: Nur jeder vierte Schüler studiert anschließend Theologie. Drei von vier Jugendlichen entscheiden sich für ein säkulares Studium oder für eine Ausbildung. In zwei Jüngerschaftsschulen gehen sogar alle Schüler in säkulare Berufe. Das verdeutlicht, dass Jüngerschaftsschulen Jugendlichen in ihrer individuellen Berufswahl unterstützen, ohne sie zu manipulieren.

Es scheint, dass in den unterschiedlichen Jüngerschaftsschulen eine nachhaltige Arbeit geleistet wird. Jüngerschaftsschulen wollen junge Menschen auf ganzheitliche Art und Weise für ihr Leben stärken und vorbereiten. Der unermüdliche Einsatz und die große Leidenschaft der Jüngerschaftsschulen, in die nächste Generation zu investieren, zahlt sich bereits aus, wenn Teilnehmer konkret Hilfe für den nächsten wichtigen Schritt erfahren. Darüber hinaus kann die Zeit in der Jüngerschaftsschule das Glaubensleben der Teilnehmer entscheidend prägen.


Weitere Informationen zu den Jüngerschaftsschulen:

Orientierungsjahr, Korntal

Herzwerk, Wiedenest

Glaubenszentrum, Bad Gandersheim

DreiRaum Karlsruhe e.V.

Jugend mit einer Mission, Herrnhut

Jugend mit einer Mission, Berlin

Jugend mit einer Mission, Köln

FCJG, Lüdenscheid

OM MDT, Mosbach

Follow me, Bornheim


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Kommentare

Von Igrid S. am .

Ich bin keine Jugendliche mehr, sondern Jahrgang 1937, aber ich kann die jungen Menschen sehr gut verstehen, weil es auch einmalmein Problem war. Ich hatte auch keine Gelegenheit, Abitur zu machen, schaffte aber eine guten Realschulabschlss.
Es gab 1954 keine große Auswahl, außerdem war ich nicht gläubig, so wie ich es heute bin. Mein Ziel war es, so schnell wie möglich auf eigenen Beinen zu stehen, weil mein Vater schwerbeschädigt und meine Mutter ständig krank war. Deshalb absolvierte ich mehr

Von Dorena am .

Gut,dass es so etwas heutzutage gibt. Hätte ich damals um 1975 solch einen ort gefunden,vielleicht wäre mein Berufsstart besser gelungen.
Gott segne alle,die in der Jüngerschaft arbeiten.
Gruss Dorena


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