Andacht zum Monatsspruch Juli

Wer Ohren hat, der höre

Warum Hören so rar ist und dabei doch wichtiger als Reden. Gedanken zu Markus 4,24.

Kennen Sie den Spruch „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“? Das hat mein Vater meiner redseligen Mutter in ihr Poesiealbum geschrieben. Dieser nicht ganz ernst gemeinten Aufforderung habe ich nie zugestimmt, da ich ihre Freude am Reden geerbt habe und es lieber mag als qualvolles Anschweigen. Wenn das Schweigen jedoch dahingehend gedeutet wird, dass man aufmerksam zuhört, dann ist es tatsächlich Goldes wert. Denn ein solcher Zuhörer ist so selten wie Gold.

Dabei ist unser Leben auf das Hören ausgelegt. Unsere Welt überschüttet uns immer und überall mit Informationen. Hören wird schon fast zur Last und Stille ist heutzutage ein Gut, mit dem Geld gemacht wird. Da passt eine neuerliche Aufforderung zum Hören doch kaum hinein, oder?

Doch Jesus sagt es explizit und an vielen Stellen in den Evangelien: „Höret!“ Als Christen wissen wir, dass wir in der Stille Gottes Stimme vernehmen können, oft sogar besser als in der lauten Alltagswelt. Aber Jesus meint an dieser Stelle nicht nur das akustische Hören, er meint auch das Verstehen. Nicht nur die Ohren hören, sondern der Mensch mit seinem ganzen Sein. Dazu müssen wir mit den Gedanken dabei und hellwach sein. Im übertragenen Sinne sollen wir also nicht taube Ohren haben, sondern Ohren, die hören.

Der Monatsspruch vom Juli folgt einer solchen Aufforderung Jesu zum Zuhören: „Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört! Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch wieder messen, und man wird euch noch dazugeben.“ (Markus 4,24) Während dasselbe Sprichwort in Matthäus 7,2 Bezug auf das Richten und Gerichtetwerden nimmt, will Jesus an dieser Stelle, dass wir auf seine Gleichnisse hören. (vgl. Lukas 8,8). Je mehr wir ihm zuhören, desto mehr erfahren wir auch von Gott und von unserem Auftrag als Kinder Gottes.

Reden ist Silber, Zuhören ist Gold

Und genauso sollte es auch im Glaubensleben gehen. Wie oft hören wir nur auf biblische Texte, ohne wirklich zu hören? Lassen wir ihn wie einen Informationsstrom durch uns hindurchfließen, ohne dass irgendetwas Wurzeln schlägt? Oder machen wir uns die Mühe und nehmen uns die Zeit, mit hörenden Ohren auf das zu achten, was Gott uns mitteilen will. Denn Zuhören bedeutet gleichzeitig auch, aktiv zu sein und sich anzustrengen.

Zuhören ist nicht einfach. Es erfordert Geduld, es erfordert auch ein gewisses Maß an Selbstaufgabe, indem man nicht sich in den Mittelpunkt stellt, wie beim Reden, sondern etwas mit sich passieren lässt. Für ungeduldige Menschen wie mich, die dazu gerne reden, kann Stille und Passivität zur regelrechten Qual werden. Da hilft es mir zu wissen, dass Zuhören ebenfalls Aktivität erfordert – ich muss nicht „nichts“ machen. Ich muss zuhören. Das bedeutet auch, dass ich mich zurücknehmen muss, um Gott zum Mittelpunkt des Gesprächs werden zu lassen. Nicht das, was ich meine und denke und fürchte, soll Thema sein, sondern Gottes Anliegen an mich.

Ein toller Ansporn ist, dass für mich etwas dabei „herausspringt“: Ich lerne Gott kennen. Denn je mehr wir wirklich zuhören, desto reicher werden wir die Frucht unseres Zuhörens erfahren. In einer anderen Übersetzung steht an dieser Stelle daher auch nicht der bekannte Vers, sondern eine andere, sinngemäße Übersetzung: „Nach dem Maß eures Zuhörens wird Gott euch Verständnis geben, ja noch über das Maß eures Zuhörens hinaus.“ (Gute Nachricht) Und das ist doch wirklich eine hörenswerte Nachricht, oder nicht?


Kommentare

Von Marcus M am .

gute Gedanken, werde sie mir diesen Monat besonders zu Herzen nehmen. Rede auch sehr gerne, da kommt das hören schon mal zu kurz ...

Von isolde b am .

soeben habe ich in wenigen tagen bzw.morgen der Stille erfahren,wie gut es tut,zu schweigen und "nur" zu hören:bei manchen Politikern (z.B.de Maiziere u.Lammert) beobachte ich auch die Kunst des Zuhörens

Von Jens P. am .

Mögen viele diesen kurzen, aber direkten, Text hören (lesen) und verstehen.
Danke!


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