Andacht Lesezeit: ~ 1 min

Mit leeren Händen

Hilfe von Gott nehmen wir gerne an. Aber nur so, wie wir sie erwarten.

Unser damals Dreijähriger entdeckte gerade seine Leidenschaft für Lego. Er war zwar noch auf dem Duplo-Level, aber er steckte die bunten Plastikklötze mit Ausdauer zu immer neuen und gewagteren Konstruktionen zusammen. Manchmal litt die Statik unter seinem Enthusiasmus, und dann kam der Notruf: "Papa, hilf mir!"

Leichter gewollt als getan - der Herr Sohn hatte sehr genaue Vorstellungen, wie diese Hilfe auszusehen hat: "Nein, das muss SO sein, nicht so!". Mit beiden Händen sicherte er sich die Kontrolle über den Legonachschub - aber zurecht kam er nicht.

"Selig sind die geistlich Armen", verspricht Jesus in der Bergpredigt (Matthäus 5) - die, die wissen, dass sie nur mit leeren Händen zu Gott kommen können. Wir Fromme haben oft beide Hände so voll mit unseren Problemen oder vermeintlichen geistlichen Errungenschaften, dass Gott unseren Notruf "Papa, hilf mir!" nicht beantworten kann. Es sei denn, wir schaffen es, loszulassen. Wieder andere trauen diesem Gott nicht, der sie "einfach so" liebt. Wertschätzung ohne Gegenleistung: Zu schwer zu glauben? Zu schön, um wahr zu sein?

Erst wenn ich meine eigene Bedürftigkeit vor Gott eingestehe, kann ich aus dem Vollen schöpfen, mich beschenken lassen, unverdient. Wer nicht mit leeren Händen dastehen will vor Gott, der kann keine Gnade kennen.

Für meinen kleinen Legobauer wünsche ich mir, dass er immer selbständiger wird, und dass aus ihm ein reifer, mündiger und von mir unabhängiger Mensch wird - so wachsen Kinder. Wachstum im Glauben verläuft genau in die andere Richtung: Der ist groß in Gottes Reich, der sich seiner Abhängigkeit von Gott voll bewusst ist. Der immer mit leeren Händen vor Gott steht. Und der sich hemmungslos von der Gnade Gottes beschenken lässt.

Sie haben es in der Hand...


Kommentare

Von Christiane am .

Fand ich sehr gut, diese Andacht- kurz und
bündig und dazu einprägsam. Vor allem hat
mir der Satz gefallen: Wer nicht mit leeren
Händen dastehen will vor Gott, der kann
keine Gnade kennen.
Danke und GOTT segne Sie!

Von Gabriele G. am .

Danke für diesen Beitrag;
Es tut mal wieder gut zu lesen, dass wir ruhig mit leeren Händen zu Gott dem Vater kommen dürfen und seine Hilfe erwarten können u. dürfen. Auch erneut den Aspekt zu lesen, dass wir immer "unsere" Vorstellung von Hilfe haben, wer kennt das nicht... ;-)
Es ist schön, dass wir solch einen Gott haben, der seine ganze Liebe u. Gnade uns am Kreuz von Golgatha gezeigt u. offenbart hat. Es tut gut dem Herrn zu vertrauen, auch wenn unsre/meine Vorstellung von Hilfe machmal mehr

Von Adelheid am .

erst als die Schmerzen etwas nachließen über die riesengroße Ungerechtigkeit, die mir widerfahren ist, konnte ich loslassen und kann nun erst sagen: Herr wirke du weiter, gib meinem Peiniger die Selbsterkenntnis, die ihm fehlt zu Deiner Zeit und mir den inneren Frieden und die Geduld in Bedrängnissen. Wirke Du mit Deinem Licht, so wie es mir guttut und führe mich dorthin, wo es mir wieder gutgeht und meine Verletzungen heilen können.

Von Carola am .

Ja, ich stehe mit ganz leeren Händen da´weil ich jahrelang Eheprobleme hatte und ich deshalb viele ERziehungsfehler gemacht habe und ich jetzt das schmerzhafte Resultat sehe. Ich kann nur Gott bitten, dass er alles noch zum Guten wendet. Möge er uns allen einen Neuanfang schenken,, in dem die Liebe regiert!

Von Gertrud am .

Ich grüble immer noch, weshalb wohl diese Zeilen so richtig und biblisch sie sind, auch zu einfach dargereicht werden. ich denke an den Satz: man soll arbeiten als ob alles Beten nichts nütze und beten, als ob alles Arbeiten nichts nütze. Da begegnen mir Maria und Martha gleichermaßen. Dann wäre da noch das Kreisen um Probleme. Ein Dialog öffnet das Herz und Danken ist Übungssache - aber mal einen ganz eindrucksvollen Liebesbeweis, ohne Leidensvorlauf, den würde ich sicher nicht übersehen.


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