Luther für Neugierige

"Tausche Höllenangst gegen Gnade"

Fabian Vogt über das berühmte "Turmerlebnis" Martin Luthers.

Die Reformation begann mit einer sehr persönlichen Glaubensreise: die Martin Luthers. Der war eigentlich nur auf der Suche nach einem Mittel gegen seine Höllenangst, als er in der Bibel über die Gnade Gottes stolperte. Autor Fabian Vogt erzählt in seinem Buch „Luther für Neugierige – das kleine Handbuch des evangelischen Glaubens“ von Martin Luthers Lebenswende.

Fabian Vogt
"Luther für Neugierige" Autor Fabian Vogt
(Foto: Andreas Lehmann/ERF Medien)

Der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther wollte ursprünglich nur eines: Frieden für seine Seele finden. Dabei entdeckte er, dass ihm die Angebote der (katholischen) Kirche nicht wirklich weiterhalfen, ja, dass sie seiner Meinung nach nicht einmal der Bibel entsprachen. Also regte er an, die Fehlentwicklungen des Katholizismus durch eine ausschließliche Orientierung an der Person Jesus und an der Bibel wieder zu beseitigen. Die Kritik des Wittenberger Gelehrten an den kirchlichen Bräuchen und am Papst war jedoch so massiv, dass es schon bald – gegen seine Absicht – zu einer Kirchenspaltung kam.

Das Turmerlebnis: Luthers persönliche Wende

Die berühmte „reformatorische Wende“ hatte Luther, als er eines Tage in seinem Arbeitszimmer im Südturm des Wittenberger Augustinerklosters saß. Er las in der Bibel – und plötzlich durchzuckte es ihn wie eine Erleuchtung. Da stand nämlich in einem Vers im Römerbrief: „Gerecht wird der Mensch allein aus Glauben.“ Moment mal! Das war doch exakt die Antwort auf die alles entscheidende Frage, die den verzweifelten Mann sei langem umtrieb: „Wie bekomme ich einen gerechten Gott?“ Oder anders ausgedrückt: „was muss ich tun, damit Gott mich nicht bestraft, sondern gut zu mir ist?“ (Damit war vor allem gemeint: “damit ich nicht in die Hölle, sondern in den Himmel komme“.) Luther hatte nämlich jahrelang gefürchtet, er müsse eine bestimmte Leistung erbringen, damit Gott ihn nicht verurteilt.

Und nun stand da ganz schlicht: „Nein, du musst nichts tun, du darfst einfach glauben. Das genügt. Glaube, dass Gott dir gnädig ist, und dann spricht Gott dich gerecht.“ Mit einem Mal war Luthers Angst weg. Er fühlte sich wie ein neuer Mensch – befreit und erlöst. Bis heute heißt diese Erfahrung Luthers „Turmerlebnis“.

Die ganze Reformation hängt letztendlich an dieser einen Erkenntnis: Der Mensch kann sich den Himmel nicht verdienen, er wird von Gott mit dem Himmel beschenkt. Weil Luther wollte, dass das jeder Mensch erfährt, übersetzte er die Bibel ins Deutsche, entwickelte eine verständliche „Deutsche Messer“, die nicht mehr wie bislang in Latein gehalten wurde, kämpfe gegen kirchliche Formen, die Menschen missbrauchten oder ausnutzten, und predigte leidenschaftlich für die Neuentdeckung der Freiheit im Glauben.

Ausschnitt aus dem Buch  „Luther für Neugierige – Das kleine Handbuch des evangelischen Glaubens“ von Fabian Vogt. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Evangelischen Verlagsanstalt. www.eva-leipzig.de

 

 

 

 

 

 

 

 


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