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„Die Flügel ausbreiten und in die Welt fliegen“

Die kleine Raupe Nimmersatt wird 50 Jahre.

 

 

Eine kleine, grüne Raupe, die seeeeehr hungrig ist und ein Buch voller Löcher: Das ergibt zusammen eines der bekanntesten Kinderbücher der Welt: Die kleine Raupe Nimmersatt von Eric Carle. Heute vor 50 Jahren ist das Buch erschienen und seitdem sind mehr als 50 Millionen Exemplare verkauft worden.

 

Ein Buch mit Hoffnungsbotschaft

Die Jubiläumsausgabe. Bild: Verlag Gerstenberg
Die Jubiläumsausgabe (Bild: Verlag Gerstenberg)

Die Frage, warum dieses Buch so beliebt ist, lässt sich gar nicht so leicht beantworten. Da gibt es sicherlich mehrere Aspekte. Aber wenn man den Autor selbst danach fragt, sagt er ganz offen, er weiß es nicht. Er vermutet, dass sich die meisten Kinder einfach gut mit dieser kleinen, hilflosen und unbedeutenden Raupe identifizieren können und dass sich die Kinder darüber freuen, wenn die Raupe sich dann in einen schönen Schmetterling verwandelt. Darin sieht Carle eine Hoffnungsbotschaft: „Ich kann auch groß werden und mich entfalten.“

Viele Kinder fasziniert auch, was die Raupe alles frisst. Schließlich sind auch Sachen dabei, die Kinder ebenfalls gerne mögen, aber nicht so oft essen dürfen: Kuchen, Eis, Wassermelone. Und bei der Raupe sagt niemand: „Du darfst nicht so viel Süßes essen.“
 

Ein Buch voller Löcher

Das Besondere an dem Buch sind natürlich die Löcher! Kinder finden es toll, das Buch in Händen zu halten und mit den Fingern durch die Löcher zu greifen und sich vorzustellen: „Da hat sich die Raupe überall durchgefressen.“

Am Montag frisst sie sich durch einen Apfel, am Dienstag durch zwei Birnen und am Mittwoch durch drei Pflaumen. „Aber satt war sie noch lange nicht“, heißt es dann anschließend immer.

Auch die Bilder sind einfach ansprechend: Die Sonne hat ein Gesicht – so wie viele Kinder die Sonne auch malen. Viele warme Farben, satte Grüntöne und leuchtendes Rot sind auf transparentem Seidenpapier aufgemalt und in Collagentechnik wird daraus dann die Raupe, die Sonne, oder ein Apfel.

 

Ein Autor mit Kindheitserinnerungen

Der Autor Eric Carle (Bild:Eric Carle Studio)
Der Autor Eric Carle. (Bild: Eric Carle Studio)

Eric Carle wurde am 25.06.1929 in Syracuse im US-amerikanischen Bundesstaat New York als Kind deutscher Auswanderer geboren. Er wird also in Kürze 90 Jahre alt. Seine Eltern waren die deutschen Auswanderer Johanna und Erich Carle, die 1935 mit ihm nach Deutschland zurückkehrten. In Stuttgart besuchte er ab der zweiten Klasse die Schule und studierte später an der Akademie der Bildenden Künste. Danach zog er wieder in die USA, wo er heute  noch lebt (Florida und North Carolina).

Diese Vergangenheit hat viel damit zu tun, wie Eric Carle die Bücher gestaltet: Die kräftigen und warmen Farben erinnern ihn an seine glückliche Kindergartenzeit und sein erstes Schuljahr in den USA. Dazu gehören auch große Papierbögen, bunte Farben und dicke Pinsel. Genau so arbeitet er heute noch.

Und eine Kindheitserinnerung, von der Eric Carle selber erzählt, hat bestimmt auch zur Idee der kleinen Raupe Nimmersatt beigetragen:

„Als ich jung war, hat mich mein Vater am Wochenende an die Hand genommen und mich durch die Wälder und Wiesen geführt und mir erzählt, wie Ameisen, Bienen und Raupen leben und wie sich Fische und Frösche entwickeln. Das waren immer sehr schöne Tage für mich. An die erinnere ich mich auch heute noch gerne. Diese Erlebnisse haben mich zutiefst beeinflusst.“

Mit dieser Idee und persönlichen Erfahrung verbindet er auch einen Wunsch für die Kinder, die dieses Buch lesen und erleben: dass sie „ihre Flügel ausbreiten und in die Welt fliegen“.


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