Buchrezension

Der Tag X

Sabine Bohn hat den neuen historischen Roman von Titus Müller gelesen.

Titus Müller ist ein Meister des historischen Romans. Mit „Nachtauge“, „Berlin Feuerland“ und weiteren erfolgreichen Romanen hat er sich einen Platz in der literarischen Welt gesichert. Sein neuestes Werk heißt „Der Tag X“, ein Roman um den Volksaufstand in der DDR am 17. Juni 1953.  Redakteurin Sabine Bohn vom "Lesezeichen" Team hat den Roman für uns genauer unter die Lupe genommen.  

Liebesgeschichte inmitten dramatischer historischer Ereignisse

In der Geschichtsschreibung der DDR wurde der 17. Juni als "Tag X" bezeichnet.

Der Tag X von Titus Müller
Der große Roman über den Aufstand am 17. Juni 1953, als 24 Stunden alles möglich schien. © BLESSING

Damit sollte angedeutet werden, dass dieser Aufstand ein von langer Hand geplanter Putschversuch war – was er nicht gewesen ist. Vielmehr war schon seit einiger Zeit die Bevölkerung des sozialistischen Staates unzufrieden, da die angespannte wirtschaftliche Situation zu Versorgungsengpässen führte: es fehlten Lebensmittel, an manchen Abenden wurde sogar der Strom abgeschaltet. Dazu kamen repressive Handlungen der Regierung, zum Beispiel gegen die evangelische Jugendorganisation "Junge Gemeinde" oder gegenüber kritischen Gewerkschaftlern. Im Juni 1953 spitzte sich die Lage immer weiter zu. Am 17. Juni kam es zu Massenprotesten und Streiks im ganzen Land, die mancherorts zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei führten. Noch am gleichen Tag rückten sowjetische Truppen und Panzer in die DDR ein, um den Aufstand mit Gewalt zu zerschlagen. 

Vor diesen dramatischen Ereignissen lässt Titus Müller sein neues Werk "Der Tag X" spielen. Der Roman hat verschiedene Handlungsstränge: Zum einen geht es um zwei junge Ost-Berliner, die sich zufällig am Müggelsee kennenlernen. Der Uhrmacher Wolf verliebt sich sofort in die Oberschülerin Nelly; sie bleibt zunächst auf Distanz. Am 17. Juni gelingt es Wolf, Nelly aus einer sehr heiklen Situation herauszuholen. Ob er jetzt eine Chance hat bei dem Mädchen? Außerdem geht es um Lotte König, eine alleinerziehende Mutter aus Halle. Auch dort gab es ja Massendemonstrationen, in die Lotte verwickelt wird.

Ein weiterer Handlungsstrang verfolgt die politische Situation in Russland, die eine entscheidende Rolle bei dem Volksaufstand gespielt hat. Damit bietet Titus Müller nicht nur Einblicke in die dramatischen Ereignisse auf den Straßen Deutschlands, sondern zeigt auch die internationalen Dimensionen des kalten Krieges auf. 

Ein weiterer Pluspunkt: In einem Anhang fasst der Autor nochmals die historischen Fakten zusammen und erklärt Begriffe, die – zumindest für westdeutsche Leser – fremd sind. Das Buch ist also nicht nur höchst spannend; es ist auch informativ.

Bedrohter christlicher Glaube in der DDR

Titus Müller ist Christ, allerdings spielt in den wenigsten Romanen der Glaube eine prominente Rolle. Dies ist hier anders. In " Der Tag X" thematisiert Titus Müller die Situation der Kirchen in der DDR. Nelly, die Oberschülerin aus Berlin, ist aktives Mitglied der Jungen Gemeinde; in der Schule bekommt sie deswegen massive Schwierigkeiten. Wolf, ihr Verehrer, ist überzeugter Atheist. Um Nelly zu gewinnen, geht er trotzdem mit zu einer Jugendstunde und setzt dort eine interessante Diskussion in Gang. 

Nicht ganz rund erscheint allerdings das Ende des Buches: manche Frage bleibt offen. Ein Epilog, der das Ganze abrundet, hätte dem Buch möglicherweise gut getan.

Ansonsten ist „Der Tag X“ ein absolut fesselnder historischer Roman und bietet einen eindrucksvollen Blick in die Vergangenheit. Eine Empfehlung für alle mit einem Faible für historische Romane, ganz besonders diejenigen, die sich für die deutsche Geschichte interessieren. Für Fans von Titus Müller sowieso ein Muss!


Das Buch „Der Tag X“ ist bei uns im Shop erhältlich. 

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Der Tag X

Der Tag X

Autor:
Müller, Titus
Art:
Gebunden, 400
Preis:
19,99 EUR

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