Eine Filmvorstellung

„The Secret Man“

Watergate-Skandal aus der Sicht des Whistleblowers Mark Felt alias „Deep Throat“

Der ruhige aber nicht uninteressante Thriller rund um die Watergate-Affäre wechselt den bisher bekannten Blickwinkel: War bisher nur die Sichtweise der Öffentlichkeit bekannt (beispielsweise im berühmten Film „Die Unbestechlichen“ / „All the President’s men“ mit Robert Redford und Dustin Hoffman, 1976), zeigt „The Secret Man“ die Geschichte aus Sicht des Whistleblowers „Deep Throat“. Jahre nach dem Skandal hat der verantwortliche Mark Felt ein Buch über die Watergate-Affäre geschrieben, das Regisseur und Drehbuchautor Peter Landesman („Erschütternde Wahrheit“, „Trade“) umgesetzt hat.

Nach einem Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokraten im Watergate-Gebäudekomplex ist nicht klar, welche Konsequenzen der Diebstahl brisanter Dokumente haben könnte. Steckt die amtierende Regierung von Richard Nixon dahinter? Während Journalisten und der Rest der Öffentlichkeit im Trüben fischen, weiß FBI-Fize Mark Felt so ziemlich alles darüber. Er hat Dokumente, die eigentlich nur dem Weißen Haus vorliegen sollten – aber weil sein Chef Hoover ein geniales Netzwerk aufgebaut hat, ist das FBI in allen Einzelheiten informiert. Als Hoover jedoch stirbt, wird Mark Felt der neue und nixongetreue Chef Patrick Gray vor die Nase gesetzt, der die Ermittlungen schnellstens einstellen will. Mark Felt beginnt auf eigene Faust weiter zu recherchieren. Der gläubige Christ (was im Film leider keine große Rolle spielt) steckt in einem moralischen Dilemma: Ist er der Wahrheit verpflichtet, muss er sich gegen das FBI wenden, bleibt er dem FBI treu, verrät er die freiheitliche Demokratie, den Rechtsstaat, den Amerikanischen Traum und die Wahrheit. Schließlich wendet er sich heimlich mit brisantem Material an Bob Woodward von der Washington Post. Von dort bekommt er den Spitznamen „Deep Throat“ ** …

„Watergate“ steht für einen bis dahin und seit dem nie wieder dagewesenen Polit-Skandal der USA. Die Ermittlungen der jungen Journalisten Bob Woodward und Carl Bernstein von der Washington Post führten damals zum Rücktritt des Präsidenten Richard Nixon. Ohne die Informationen direkt aus dem FBI jedoch wären diese Enthüllungen kaum möglich gewesen.

Alan J. Pakulas Kinoklassiker „Die Unbestechlichen“ erzählt die Geschichte der Journalisten – Peter Landesman erzählt mit „The Secret Man“ die Geschichte von „Deep Throat“. Es ist kein Journalisten-Thriller sondern eher ein dramatischer Film hinter den Kulissen, der die Zerrissenheit des Protagonisten Mark Felt deutlich herausarbeitet. Die Offenlegung der Geheimnisse können Felt den Kopf als Verräter kosten. Also muss er nicht nur in der Öffentlichkeit im Geheimen arbeiten, sondern auch gegenüber seinen Kollegen und Vorgesetzten.

Zusätzlich eingebunden ist ein privates Problem von Mark Felt, der auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter Joan ist. Mit den Mitteln des inneren Geheimdienstes FBI sucht er verbotenerweise nach ihr – und muss somit gleich mehrere geheime Untersuchungen an Chef und Kollegen vorbei anstrengen.

Im Mittelpunkt steht Schauspieler Liam Neeson (96 Hours, Schindlers Liste), der sich nach einigen Action-Filmen nun auch (wieder) als Charakterdarsteller empfiehlt. Er trägt den Film allen. Man leidet mit ihm, er trägt das Dilemma auf dem Gesicht, während sich der übrige Cast geschmeidig um ihn legt und so das Gesamtbild vervollkommnet. Regisseur Peter Landesman ist Spezialist für wahre politische Themen. Er lässt seinem „Felt“ genug Freiraum, um die Rolle auszufüllen.

Auch wenn die FSK den Film ohne Altersbeschränkung freigibt, so meine ich doch, dass es ein gewisses politisches Grundverständnis beim Zuschauer geben sollte. Das ist frühestens mit 14 Jahren vorhanden, wenn überhaupt. Daher meine Empfehlung für Jugendliche, keinesfalls für Kinder, die sich doch nur langweilen würden. Alle anderen werden glänzend unterhalten.

Spaß   ✓✓✓
Action  
Spannung   ✓✓✓✓✓
Anspruch   ✓✓✓✓✓
Aussage   ✓✓
Note   1-

 

 

 

„The Secret Man“
Spielfilm, USA, JAHR
Regie:   Peter Landesman
Originaltitel:
 
  Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House
Alternativtitel:   The Silent Man
Buchvorlage:   Mark Felt, John D. O'Connor
Verleih:   Wild Bunch
Länge:   103 Min
Kinostart:   2. November 2017
Genre:   Thriller Drama
Darsteller:    
Liam Neeson Mark Felt
Diane Lane Audrey Felt
Marton Csokas L. Patrick Gray
Tony Goldwyn Ed Miller
Ike Barinholtz Angelo Lano
Josh Lucas Charlie Bates
Kate Walsh Pat Miller
Brian d'Arcy James

Robert Kunkel
Maika Monroe Joan Felt
Michael C. Hall John Dean
Tom Sizemore Bill Sullivan
Julian Morris Bob Woodward
    u.a.
FSK:   0 (ohne Altersbeschränkung)
Unsere
Empfehlung:
 
ab 14

 

 

Hintergrund-Fakten
über Mark Felt:

  • Wütend über perversen Decknamen**
    Mark Felt war ein glaubenstreuer, im Mittleren Westen aufgewachsener Christ. Daher machte es ihn rasend als Journalist Bob Woodward ihn über seinen Spitznamen „Deep Throat“ informierte. Als Reaktion darauf schrie er Woodward an, denn der Name ist einem im Jahr 1972 veröffentlichten Pornofilm entliehen (Der Link führt zu einem „Emma“-Artikel, mit vielen gut recherchierten Hintergründen!) 
  • Die Tochter eine Terroristin?
    Das Verschwinden seiner Tochter Joan (wird im Film thematisiert) war eine persönliche Tragödie. Felt hatte den Verdacht, Joan könnte in Verbindung mit der Terrororganisation „Weather Underground“ (Link engl.) stehen - die das FBI zu der Zeit jagte. Er wollte sie um jeden Preis aufspüren, bevor das FBI es tat…
     
  • Komplizierte Ehe
    Seine Ehe war alles andere als harmonisch. Viele Umzüge quer durch die USA, Felts Abwesenheit und Joans Verschwinden hatten bei seiner Frau Audrey tiefe Spuren hinterlassen. Sie ertrank ihren Kummer in Alkohol, setzte sich selbst auf Medikamente und war wahrscheinlich manisch-depressiv, auch wenn es damals diese Diagnose noch nicht gab.
     

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