Eine Rezension

„Überflieger: Kleine Vögel - großes Geklapper“

Gute Botschaft im geflügelten Kinderfilm aus Europa.

Der kleine Spatz Richard wächst bei der Storchenfamilie von Aurora auf, weil seine Spatzeneltern noch vor seinem Schlüpfen von einer Katze gefressen wurden. Fortan sind Max, der Storchensohn und Richard, das Adoptivkind ein Herz und eine Seele, auch wenn sich Richard beim Fischfang, beim Fliegen und beim Schlafen im Stehen auf einem Bein etwas schwer tut. Im Herbst, als die Störche nach Afrika aufbrechen müssen, kann Richard nicht mitkommen. Der Flug wäre viel zu anstrengend und außerdem zu hoch. Doch Richards Trotz und seine Hartnäckigkeit sind stark – schließlich fühlt er sich als Storchenfamilienmitglied – gegen alle Widrigkeiten will er mitfliegen.

Als seine Adoptiveltern entscheiden, ihn zurückzulassen, gibt der kleine Kerl trotzdem nicht auf und macht sich allein auf den Weg nach Süden. Eines Nachts trifft er auf die Eule Olga und deren imaginären Freund Oleg. Mit ihr gelingt es, per Bus nach Südfrankreich zu kommen. Dabei lernen sie von Tauben, wie man sich vernetzt und sie helfen dem gefangenen Wellensittich Kiki aus einer Karaoke-Bar. Der eitle Wellensittich führt seine Befreier mit Absicht in die falsche Richtung, weil er nur sich selbst im Blick hat. Erst die Besinnung auf wahre Freundschaft führt die drei wieder zusammen – und schließlich nach Afrika. Dort kann Richard noch einmal über sich hinaus wachsen.

Braucht sich nicht hinter US-Studios zu verstecken

Der Film, der auch „Richard der Storch“ heißt, ist eine deutsch-belgisch-luxemburgisch-norwegische Koproduktion. Er stammt also nicht aus einem der großen Animationsstudios, aber genau das verleiht ihm auch seinen schrulligen Charme, der sich nicht hinter den vermeintlich „großen“ zu verstecken braucht.

Der deutsche Regisseur Toby Genkel – der in den 90er Jahren die Werner Filme realisiert hat – legt nach „Ooops … die Arche ist weg“ erneut einen wunderbaren Kinderfilm vor. Die Produktion hat das Prädikat „besonders wertvoll“ bekommen. Vor allem die Botschaft, dass man viel mehr schaffen kann, als es einem die anderen zutrauen, hat es der Jury angetan.

Die witzigen Figuren genauso wie das Erzähltempo sind genau auf Kinder zugeschnitten. Nebenbei lernen die jungen Zuschauer noch, dass echte Freundschaft wertvoll ist. Egal, wie die Freunde sind. Jeder hat seine kleine Macke – ob sich nun der Spatz für einen Storch hält, ob die Eule einen eingebildeten Freund hat oder ob der Wellensittich Starallüren pflegt – all diese verrückten Eigenschaften sind es Wert, akzeptiert zu werden.

An modernen Themen orientiert

Witzig auf die Schippe nimmt der Film auch die sozialen Netzwerke: Wenn sich die Tauben auf Drähten, Stromleitungen und Satelliten-Schüsseln vernetzen, helfen sie den drei Abenteurern mit Infos aus dem weltweiten Internet. Mit vielen bekannten Geräuschen aus der Computerwelt, mit Chat5-Abkürzungen wie „OMG“ (Oh Mein Gott!) und Begriffen aus den sozialen Netzwerken wird die ganze Sache für das computeraffine junge Publikum aufbereitet.

Endlich mal wieder ein Kinderfilm, den man ohne größere Probleme wirklich weiterempfehlen kann. Von der FSK ist der Film ohne Altersbeschränkung freigegeben, doch wegen einiger heikler Momente und wegen Verständnisfragen empfehle ich den Film für Kinder mit ein wenig medialer Erfahrung ab 7 Jahren.

Spaß   ✓✓✓✓
Action   ✓✓✓
Spannung   ✓✓
Gefühl   ✓✓✓
Anspruch   ✓✓✓✓
Note   2-

 

 

 

„Überflieger: Kleine Vögel, großes Geklapper“
Spielfilm, Deutschland/Belgien/Luxemburg/Norwegen, 2017
Regie:   Toby Genkel,
Reza Memari
Originaltitel:   Richard, der Storch /
Richard the stork
Verleih:   Wild Bunch
Länge:   84 Min
Kinostart:   11. Mai 2017
Genre:   Trick, Kinderfilm
FSK:   o.A. (ohne Altersbeschränkung)
Unsere
Empfehlung:
 
ab 7 Jahren