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„Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück“

Fiktive Geschichte eines Liebespaars in den Fängen der Colonia Dignidad

1973 putscht General Pinochet in Chile. In diesem Pulverfass sind auch Daniel und Lena – er ein Student und Fotograf, sie eine Stewardess. Das Paar trifft sich in Chile, wo Daniel seit vier Monaten lebt, wann immer Lena einen Flug nach Santiago bekommt. Als Daniel, der sich politisch für den gewählten Präsidenten Allende einsetzt und Plakate entwirft, werden die beiden von der Militär-Junta verhaftet. Während Lena wieder frei kommt, wird Daniel in ein Folterlager verschleppt und als Krüppel in die berühmt-berüchtigte „Colonia Dignidad“ abgeschoben – die „Kolonie der Würde“.

„Colonia Dignidad
Es gibt kein zurück“
Spielfilm, D, Lux 2015
Regie:
 
  Florian Gallenberger
Verleih:   Majestic / Fox
Länge:   105Min
Darsteller:















 
  Emma Watson (Lena),
Daniel Brühl (Daniel),
Michael Nyqvist
(Paul Schäfer),
Richenda Carey
(Gisela),
Vicky Krieps (Ursel),
Jeanne Werner
(Dorothea),
Julian Ovenden
(Roman),
August Zirner
(Deutscher
Botschafter)
,
Johannes Allmayer
(Dieter),
u.a.
FSK:   16
Unsere
Empfehlung:
 
  ab 16 Jahren
Nichts für
sanfte Gemüter
     

Doch dort gibt es so etwas wie Würde nicht. Dort führt der pädophile Sadist Paul Schäfer sein Regime unter dem Deckmantel einer frommen Gemeinschaft, die den Ursprünglichen Glauben zu leben versuchen. Er missbraucht in seiner hermetisch abgeriegelten Kolonie nicht nur minderjährige Jungen sexuell, foltert mit Elektroschocks, verabreicht zwangsweise Psychopharmaka und trennt Männer, Frauen und Kinder, er foltert auch im Namen Pinochets, besorgt dem General Waffen und Giftgas. Lena will ihren Daniel befreien und begibt sich ohne großes Vorwissen freiwillig in das Lager, ohne Aussicht, je dort wieder herauszukommen…

Fiktive Geschichte, realer Hintergrund

Die Liebesgeschichte eingebettet in die realen Ereignisse in Chile ist harter Tobak. Diese Liebesgeschichte ist im Grunde das, was zunächst die Protagonisten, aber auch den Zuschauer bei der Stange hält – ohne die Hoffnung auf Liebe und Erlösung wäre dieser Film nicht auszuhalten. Und das, obwohl die eigentliche Gräuel gar nicht gezeigt, sondern nur angedeutet werden. Trotzdem fiebert man mit, denn das Grauen hat einen Namen: Paul Schäfer, der in seinem Areal eine Art Polizeistaat führte, der durchaus mit den Nazis oder der DDR vergleichbar ist. Der Film will sich nicht mit dieser Tatsache auseinandersetzen – er liefert mit der „Colonia Dignidad“ nur das Umfeld für diesen Spannenden Thriller.

Getragen wird der Film von den charismatischen Darstellern: Daniel Brühl (Goodbye Lenin) als Daniel, Emma Watson (Hermine in den Harry Potter-Filmen) als Lena und Michael Nyqvist (Millennium-Trilogie) als Paul Schäfer. Sie alle tragen dazu bei, dass der Film zu einem Aufruf für die Menschlichkeit wird und gegen Machtmissbrauch jeglicher Art demonstriert. Durch die Liebesgeschichte identifiziert man sich mit den Protagonisten, auch wenn die Hintergründe, die Verwicklungen der Chilenischen und deutschen (!) Regierung leider recht blass bleiben.

Starker Tobak - Ein Psychokrieg

Zu Recht ist der Film erst ab 16 freigegeben, denn der Psychokrieg, der hier ausgefochten wird, ist nichts für Kinder. Warum also soll man sich das ansehen!? Weil der Film Mut machen möchte, sich gegen etwas zu stellen, was nicht rechtens ist. Weil es Menschen geben muss, die deutlich sagen, dass diese vermeintliche Religionsgemeinschaft nichts mit Der Bibel oder Jesus zu tun hat. Weil es immer noch Menschen gibt, die – mangels Geld und darum mangels Alternativen – auf dem ehemaligen Gelände leben und dort versuchen, sich mit einem Fremdenverkehrsbetrieb über Wasser zu halten. Weil weder die chilenische noch die deutsche Regierung den Opfern bisher keine Entschädigung gezahlt haben.
Dieser Film kann der Anfang sein zu einem Diskurs über Macht, Machtmissbrauch und den christlichen Glauben.

     
Action   ✓✓✓✓✓
Spannung   ✓✓✓✓✓
Gefühl   ✓✓✓✓
Anspruch   ✓✓✓
Gewalt  
××
Note:   2-
     

Der folgende Trailer hat eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren

 

Kommentare

Von Martin Mandt am .

Hallo Norbert,
wo haben Sie gelebt? Die DDR war ein Unrechtsstaat und kein Massenvernichtungslager. Ich bin übrigens Wessi mit Ossi-Wurzeln, kenne die DDR von innen, habe aber nie dort gelebt.
MfG Der Autor!

Von Norbert H. am .

Hallo!
Die DDR war doch KZ oder wo hat er vor der Wende gelebt das er sich bei dem Film an die DDR zurück erinnert?


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