Eine Filmbesprechung

„Hacksaw Ridge“

Kompromissloser Kriegsfilm über einen gläubigen „Kriegsdienstverweigerer“, der eine Tapferkeitsmedaille bekam.


Radiobeitrag „Hacksaw Ridge“

„Hacksaw Ridge“ ist eine strategisch wichtige Inselklippe von Okinawa, die im zweiten Weltkrieg hart umkämpft war. Im gleichnamigen Film von Regisseur Mel Gibson wird die außergewöhnliche und wahre Geschichte von Desmond Doss erzählt, der als Siebenten-Tags-Adventist trotz freiwilliger Meldung zum Dienst an der Front das Tragen einer Waffe verweigerte. Doss war der einzige US-Soldat an der Front, der aus glaubensgründen nie einen Schuss abgab. Der gläubige Christ sah den Krieg zwar als gerechtfertigt an und begründete so seine Rekrutierung, hielt das Töten aber grundsätzlich für falsch. Als unbewaffneter Sanitäter evakuierte er im Alleingang 75 seiner verwundeten Kameraden, die hinter den feindlichen Linien lagen. Dabei wurde er angeschossen und von einer Granate verwundet. Desmond Doss war der erste „Kriegsdienstverweigerer“, der eine Tapferkeitsmedaille bekam.

Mel Gibsons Regiearbeit ist für martialische Darstellungen bekannt. Doch spielt in den Filmen des Katholiken immer auch der christliche Glaube eine Rolle. So auch hier: Gibson beginnt bei Desmonds Elternhaus, seiner nicht ganz unbeschwerten Jugend und seiner großen Liebe Dorothy. Sein Vater, selbst Kriegsveteran, wurde über Trauma und Verlust seiner Freunde zum Trinker und Tyrann. Ein Grund, warum Desmond keine Waffe will: Einst rettete er seine Mutter vor dem wütend schäumenden Vater, indem er ihm einen Revolver entriss und beinahe abgedrückt hätte. Trotz seiner pazifistischen Haltung meldet sich Desmond als Soldat. Erst vor einem Kriegsgericht wird – mithilfe des Vaters – geklärt, dass er als Sanitäter nicht gezwungen werden kann, eine Waffe zu tragen. Aus dem folgenden Kriegsgemetzel wird der junge Mann schließlich heroisch hervorgehen.

Mel Gibsons brutale Abrechnung mit dem Krieg

Damit sind wir bei dem umstrittensten Teil des Films: Diese Schlacht wird ungemein realistisch dargestellt: Einschüsse, spritzendes Blut, zerfetzte Körperteile, Explosionen und umherfliegende, blutende, zerrissene und sterbende Soldaten in nicht enden wollenden Einstellungen. Gibson will vom Krieg abschrecken und badet im Filmblut. Er stellt klar: Krieg hat nichts Schönes, Krieg bedeutet Schmerz, Tod, Krieg mag unvermeidbar sein, darf aber nicht glorifiziert werden! Dies klingt zwar schon in der christlichen Grundeinstellung seines Protagonisten an, jedoch nicht so drastisch.

Gewalt-Darstellung ja, Verherrlichung - Nein.

Argumentiert man mit François Truffaut – der behauptete, es gäbe keine Antikriegsfilme, weil der Film an sich Kampfhandlungen vergnüglich macht – ist dies ein pathetischer und selbstherrlicher Kriegsfilm, der propagandistisch die Vormachtstellung der USA unterstreicht. Jedoch sind es gerade die drastisch ausgedehnten Kampfdarstellungen, die hier erschütternd wirken. Pathos ist zweifelsohne vorhanden, denn für die als Helden gefeierten US-Veteranen wäre alles andere eine Beleidigung. Aber Lust auf Krieg macht „Hacksaw Ridge“ nicht. Er schreckt eher ab und verdeutlicht, dass Krieg in Konflikten nur als allerletztes Mittel in Erwägung gezogen werden darf. Blanke Zahlen, Statistiken über gefallene Soldaten und so genannte Kollateralschäden, wie Zivilisten, erreichen so etwas nicht. Nein, hier wird Gewalt nicht verherrlicht – auch nicht im Sinne Truffauts. Truffaut kann also in Frage gestellt werden, denn es ist kein wirkliches Vergnügen, sich solche Szenen anzusehen.

Auch durch die schauspielerischen Leistungen – allen voran Andrew Garfield als Desmond Doss – unterstreichen, dass die Gewalt hier nicht verherrlicht wird. Garfield (The Amazing Spiderman) spielt hier wohl seine bisher beste Rolle (und hat zu Recht eine Oscar-Nominierung als Bester Hauptdarsteller bekommen). Sein jungenhaftes Auftreten betont die anfängliche Unbedarftheit eines in Frieden aufgewachsenen Christen, der zwar blauäugig in den Krieg zieht, aber dennoch nie den Pfad seiner Prinzipien verlässt. Dass sein Desmond ein frommer, junger Mann ist, daran bleibt kein Zweifel bestehen. Die Bibel seiner Verlobten Dorothy ist sein ständiger Begleiter; den Grundsatz der Gewaltlosigkeit lebt er zudem nicht nur bei der Weigerung, eine Waffe anzufassen, sondern auch, als er deswegen verprügelt wird und sich nicht wehrt. Als er im Krieg wahren Mut beweist – mehr als so mancher Angeber – ist das Gebet sein Rettungsanker. Immer, wenn er einen Kameraden erfolgreich vom Schlachtfeld gerettet hat, betet er: „Herr, gib mir Kraft für noch einen mehr!“ Am Schluss des Films darf der echte Desmond eben dies noch einmal in die Kamera erzählen.

Trotz christlicher Motive nicht unter 18!

Dass christliche Motive in jüngerer Zeit immer wieder im Kino auftauchen finde ich sehr gut. Allerdings macht allein das einen Film nicht massentauglich – diesen schon gar nicht! Sogar in den USA, wo Gewaltdarstellungen in der Regel weniger streng eingestuft werden als sexuelle, wurde „Hacksaw Ridge“ »R-Rated«, (= restricted) altersbeschränkt, was etwa einer deutschen Einordnung der FSK ab 18 gleichkommt - und das ist mehr als gerechtfertigt. Dennoch hat die FSK entschieden, den FIlm ab 16 freizugeben. Ich würde diesen Film niemandem unter 18 Jahren empfehlen und auch nur dann, wenn er wirklich etwas aushält. Trotz wunderbarer Aussage und wirklich gutem ersten Teil machen die Kriegsszenen den Film zu extrem starken Tobak. Einzige Ausnahme: Unbelehrbare, die meinen, Krieg wäre eine gute Lösung – so eingestellte Gemüter sollten sich hiervon durchaus abschrecken und umstimmen lassen - aber wahrscheinlich wäre dieser Film für solche Menschen im Sinne Truffauts ein echtes Vergnügen.

Fazit:
Ein harter Streifen, der zum einen zeigt, dass der Glaube einen Menschen zu Vielem fähig machen kann, und zum anderen, dass Krieg weder Spiel noch Alternative ist!
 

Action   ✓✓✓✓✓
Spannung   ✓✓✓✓
Anspruch   ✓✓✓✓✓
Aussage   ✓✓✓✓
Gewalt  
×××××
Note:   2-

 

Der folgende Trailer hat eine FSK-Freigabe „ab 12 Jahren“:

 

 

„Hacksaw Ridge“
Spielfilm, USA, Australien 2016
Regie:   Mel Gibson
Verleih:   Universum Film
Länge:   139 Min
Darsteller:    
Andrew Garfield Desmond Doss
Sam Worthington Captain Glover
Vince Vaughn Sergeant Howell
Teresa Palmer
 

 
Dorothy Schutte,
(Desmonds Verlobte)
Rachel Griffiths
 

 
Bertha Doss,
(Desmonds Mutter)
Hugo Weaving
 

 
Tom Doss
(Desmonds Vater)
    u.a.
FSK:   16
Unsere
Empfehlung:
  Nicht unter 18!
Nichts für sanfte Gemüter

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