Rezension

Die Bibel für Wenig-Leser

Die Bibel als Comic-Story. Nur was für Freaks?

Kriegserzählungen, Liebesdramen und Action-Storys – die Bibel ist ein wirklich abwechslungsreiches Buch. Trotzdem hat sie für viele Menschen einen angestaubten Beigeschmack, denn sie enthält auch einige komplizierte Passagen, die nicht jeder auf Anhieb versteht. Schließlich haben wir Europäer zu den biblischen Schauplätzen kaum einen Bezug. Es fällt außerdem schwer, sich in die damalige Zeit hineinzuversetzen und die Charaktere oder Traditionen richtig zu verstehen. Für viele ist die Bibel deswegen kein fesselndes Abenteuergeschichtenbuch, sondern eher ein angestaubtes Geschichtsbuch in altbackener Sprache. Und wer schaut da schon gerne rein?

Das 2016 erschienene Buch „Helden der Bibel – das Buch der Bücher als spannende Comic-Story“ von Gerth Medien könnte da weiterhelfen. Die Inhalte der Bibel in eine bunte Comic-Story zu verwandeln ist zwar keine neue Idee, aber der Fokus dieser Ausgabe ist originell. Es geht speziell um die Helden der Bibel und um ihre Geschichten. Alle biblischen Helden zeichnen sich durch ihr menschlich-unperfektes Verhalten und ihren Glauben an Gott aus. Jeder von ihnen trägt einen waschechten Superhelden-Namen: Noah heißt zum Beispiel „Rainman" – nicht zu verwechseln mit „Rainmaker" (Elia), David ist der „Shepherd-King" und Moses" natürlich „Lawman". Blättert man das Buch durch, wirkt es durch die professionellen Zeichnungen ansprechend und man bleibt bei den eindrucksvollen Bildern diverser Schlachten oder der Arche und dem Regenbogen quasi automatisch hängen.

Biblische Superheroes wecken Neugierde

In der biblischen Comic-Version werden die Geschichten komprimiert wiedergegeben, was den Vorteil hat, dass sich der Leser einen schnellen Überblick über die damaligen Geschehnisse machen kann. Die chronologische Darstellung unterstützt das und die Zusammenhänge zwischen den Ereignissen sind schnell erfassbar. Zwar bleiben einige Details in den Comic-Szenen auf der Strecke, aber das Wesentliche wird wahrheitsgetreu wiedergegeben. Das betrifft auch die Sprache. Alles in allem ist die Wortwahl einfach, trotzdem gleichen die Dialoge denen einer modernen Bibelübersetzung, wie zum Beispiel der „Hoffnung für Alle“.

Des Weiteren tragen die Namensgebungen der Superheroes einen großen Teil dazu bei, das Augenmerk auf die individuellen Eigenschaften der Charaktere zu lenken. Bei der herkömmlichen Bibellektüre stechen diese nämlich nicht so schnell ins Auge. Bezeichnungen wie „Der Träumer" (Jakob), „Migthy Warrior" (Gideon) oder „Der Fels" (Petrus) bieten Raum für einen neuen Blickwinkel auf die Bibelhelden. Die Titel der kurzen Storys und ihr Verlauf machen es möglich, sich schneller mit den jeweiligen Protagonisten zu identifizieren, weil sie durch die moderne Anpassung nahbarer werden.

Doch nicht nur dadurch erhält der Leser einen neuen Zugang zu den biblischen Inhalten. Die zusammengefassten und übersichtlichen Texte lassen schnell Fragen hochkommen, die sich der Leser vielleicht noch nie gestellt hat. Einerseits, weil er einige Passagen in der Bibel eventuell noch nie gelesen hat, andererseits weil der kurze Text Freiheit zum Nachdenken und Nachfragen lässt und gerade durch die kleinen inhaltlichen Lücken wird die Neugierde auf das Original schürt. „Wieso war Gott eigentlich ausgerechnet mit Jakob und nicht mit Esau?“ könnte zum Beispiel eine der Fragen sein, die dem Comic-Leser spannend und nachforschungsbedürftig erscheinen.

Irrungen und Wirrungen zwischen den Sprechblasen

Auf der anderen Seite werden den eigenen Gedanken natürlich auch Grenzen durch die Bebilderung gesetzt. Propheten wie Elia, die im Superman-ähnlichen Anzug auftreten, machen auf einmal einen ganz anderen Eindruck, als der, den ich in meiner Lutherbibel erhalte – aber das ist ja auch der Sinn dieser Comic-Version. Viele der Comic-Protagonisten bekommen einen starken Heldenzug verpasst, mit dem man die Menschen der Bibel bei der gewöhnlichen Lektüre eher selten assoziieren würde.

Ein Merkmal von Comics, das manche mehr, andere Leser weniger stören wird, ist wohl die Unübersichtlichkeit, die oft zu Hektik in den Handlungen führt. Es kommt vor, dass es unmöglich ist, eine Seite in einem Rutsch zu lesen, ohne hinterher verwirrt zu sein. Grund dafür ist die Reihenfolge der Bildchen, welche manchmal nicht ganz klar wird.

Auch ist es nicht von Nachteil, über genügend Hintergrundwissen zu verfügen, um die Lücken zwischen den kurzen Textpassagen und Sprechblasen auszufüllen. Dieses Hintergrundwissen wird wahrscheinlich nicht nur den Lesern fehlen, die selten einen Blick in die Bibel werfen, sondern auch regelmäßigen Bibellesern. Denn in der Comic-Bibel finden sich auch Erzählungen, die man noch nicht so oft gehört hat, wie zum Beispiel die von „Watchman" (Hesekiel), der von Gott aufgefordert wurde, eine Schriftrolle zu verspeisen. Einen Pluspunkt bekommt die Comic-Bibel für das Bibelstellenverzeichnis im Anhang. Dadurch kann sich der Comic-Leser in seiner Schrift-Bibel einen Überblick über die Hintergründe der Storys machen und die Details noch mal in voller Länge und im biblischen Kontext nachlesen.

Grafische Darstellung

Schnell fällt auf, dass die Comic-Bibel in verschiedenen Designs gestaltet ist. Der Stil der alttestamentlichen Storys bewegt sich zwischen Manga, Popart, und einer teilweise schwarz-gelben Einfärbung. Ansonsten sind die Farben düster gehalten und auch einige Darstellungen von Kämpfen sind eher nicht für jüngere Kinder geeignet. Das Alte Testament charakterisiert sich durch eine mystische Note, die die abenteuerlichen Heldengeschichten in einen Science-Fiction-artigen Rahmen packt. Eine Geschichte fällt jedoch aus dem Rahmen – falls es einen solchen überhaupt gibt: Die Geschichte von Fierce Friend (Ruth) sticht durch das helle Design und die veränderte Zeichenstruktur heraus. Beinahe ähnelt sie den Zeichnungen der neutestamentlichen Geschichten. Warum das so ist, erfährt der Leser nicht.

Im Neuen Testament sind die Bilder weicher, realitätsnaher und heller gestaltet. Die Person Jesu kommt liebevoll, stark und besonnen rüber. Er ist mit seinem leichten Bartschatten und offenen Gesicht sympathisch festgehalten. Jesus wird im Comic mit vielen Namen betitelt: Durstlöscher, Wundertäter, Exorzist, Verwandler, Lebensspender. Er wirkt nahbar, gutherzig und bestimmt – ein gelungenes Bild des Jesus, den man auch in der Textbibel findet. Im neutestamentlichen Buch der Offenbarung kehrt das Design wieder zum Stil des Alten Testaments zurück und unterstützt damit die geheimnisvolle und unerklärliche Atmosphäre der Prophezeiungen von Johannes.

Fazit

Dass „Helden der Bibel“ von verschiedenen Zeichnern entworfen wurde, findet man nur durch genaue Recherchearbeit heraus, deswegen wäre es nett gewesen, dies in einem kurzen Vorwort zu erwähnen, so dass man die unterschiedlichen grafischen Darstellungsformen besser nachvollziehen kann. Für Leser, die sich für die einzelnen Autoren interessieren, ist außerdem nicht ersichtlich, welcher Zeichner für welche Abschnitte verantwortlich ist.

Alles in allem aber ist die Comic-Bibel nicht nur ein echtes Schätzchen für Lesefaule, die sich nur schwer aufraffen können, die Text-Bibel in die Hand zu nehmen. Auch für Menschen, die sich nicht als Comic-Freaks bezeichnen, sich aber gerne mal von bunten Bildchen berieseln lassen, ist die Comic-Bibel eine gute Wahl. Außerdem bietet sie einen niederschwelligen und unterhaltsamen Zugang zu biblischen Inhalten, der auf Menschen attraktiv wirken kann, die mit der Bibel an sich nichts anfangen können.

Natürlich ersetzt die Comic-Bibel nicht den kompletten Inhalt der Text-Bibel – trotzdem kann „Helden der Bibel“ zu einer unterhaltsamen Parallel-Lektüre werden, wie es für manchen zum Beispiel auch bei der Volx-Bibel der Fall ist. Der Leser erhält einen ganz neuen Input, frische Impulse und einen anderen Zugang zur Bibel. Insofern kann diese Comic-Story dazu beitragen, die eigene Glaubensperspektive zu weiten und einen neuen Blick auf Gott zu bekommen.

 

Trailer der Originalausgabe von „Helden der Bibel".

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Helden der Bibel

Helden der Bibel

Autor:
Siku / Thomas, Richard / Anderson, Jeff
Art:
Gebunden, 192
Preis:
17,99 EUR

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Kommentare

Von Maria am .

Muss ja nicht unbedingt Comic sein, aber ich würde mir mehr Bibeln mit Bildern wünschen. Ich finde das schön.

Von Giuseppa M. am .

Was soll den das sein? Eine Bibel? Ne, die finde ich echt nicht gut. Viel zu düster. Die Art finde ich nicht ansprechend, sondern anstoßend.


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