Rezension

Herztöne eines Geigenbauers

Martin Schleskes zweites Buch zeigt den Geigenbau als Schule des Vertrauens.

In dem Buch „Herztöne“ von Martin Schleske kann ich einem Geigenbaumeister über die Schultern schauen. Im doppelten Sinn. Beim Lesen kann ich seiner Arbeit zuschauen, mit Holz, mit Geigen, mit Künstlern. Der zweite Blick zeigt einen zwar in Arbeit versunkenen, aber sehr wachen Menschen, der sich viele Fragen stellt: Was hat meine Arbeit mit dem Glauben zu tun? Bei welchem Tun fühle ich mich wohl? Wie höre ich Gott? Wie erhöre ich ihn? In seinem Werkstatthaus in Landsberg am Lech hat Martin Schleske auch einen Gebetsraum, einen Ort der Stille. Sie ist eine wichtige Voraussetzung, um während der Arbeit ein Hörender zu bleiben, schreibt er. Neben der Stille und Ruhe begleitet auch das Schreiben alle seine kreativen Prozesse. Immer liegt ein Notizheft auf dem Arbeitstisch, damit Martin Schleske wichtige Gedanken schnell notieren kann. Aus diesen Notizbücher entstand sein zweites Buch „Herztöne“.

Das Buch als Schmuckstück

Schon der Anblick ist ein Genuss: die Buchdeckel ahmen helles Holz nach, der Schutzumschlag, der das Buch nur zu Dreivierteln bedeckt, lässt den Blick frei auf eine feine Maserung. Die Seiten sind aus feinstem Papier, es raschelt hell beim Blättern. Beim Lesen taste mich vorwärts in die faszinierende Gedankenwelt des Geigenbauers Martin Schleske.

Martin Schleske hobelt und poliert Worte wie seine Geigen.

Sein Schreiben ist eine fortwährende Suche nach Gott, nach Sinn und Schönheit, nach einem Leben, das stimmig ist. Innerlich folge ich dem Klang der Worte mit meiner eigenen Suche. Mein Bleistift markiert, was ich nicht vergessen will: „Der Glaube ist nichts, was man hat, sondern er ist die Lebensbewegung selbst.“ Das nächste Ausrufezeichen: „Manchmal können wir nur auf eine schmerzhafte Weise gesegnet werden.“ Sätze wie Balsam und Beauftragung zugleich. Es fasziniert mich, wie Martin Schleske seine Sprache ebenso sorgfältig hobelt und poliert wie seine Geigen.

Vertrauen öffnet das Herz von innen

Aus den 350 eng beschriebene Seiten zu Stichworten wie Inspiration, Weisheit, Gebet und Schönheit spricht für mich ein Leben, das in allem die Verbindung zu Gott sucht: in der Werkstatt, im Wald, im Alltag. Schleske ist ein hörender Mensch. Er achtet auf seine Seele, und wie Gott sie öffnet und füllt. Diese Sehnsucht nach einem Leben als „​Gottesermöglicher“, wieder zuckt mein Bleistift, teilt sich mit und steckt an. Eine sanfte, starke Kraft geht von diesen „Herztöne(n)“ aus. Es macht nichts, nicht jeden Satz genau zu verstehen. Martin Schleske ist ein anspruchsvoller Schreiber, ein Philosoph und Forscher. Aber er schafft durch seine Bilder und Gleichnisse Zugang zu einer tieferen Ebene, das eigene Leben zu verstehen. „Die Türen der Menschenherzen können nur von innen her geöffnet werden“, heißt es bei Schleske. Mit seinem Buch ist ihm das bei mir geglückt.


Vier Lesungen aus dem Buch „Herztöne“ von Martin Schleske sind in der Sendereihe „Lesezeichen“ zu hören. Ab Dienstag, den 21. Juni, bis Freitag, 24. Juni 2016, jeweils um 15 Uhr, 19.30 Uhr, 21.30 Uhr und um halb 2 in der Nacht auf ERF Plus. Die Lesungen kompakt als Lesezeichen XXL laufen am Samstag, 25. Juni 2016, um 15 Uhr und um 22 Uhr im Programm von ERF Plus.

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Herztöne

Herztöne

Lauschen auf den Klang des Lebens

Autor:
Schleske, Martin
Preis:
19,99 EUR

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Der Klang

Der Klang

Autor:
Schleske, Martin
Art:
Gebunden, 325
Preis:
21,95 EUR

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